Aachen/Heinsberg: Mit Mistgabel Polizei vom Bauernhof gejagt

Aachen/Heinsberg : Mit Mistgabel Polizei vom Bauernhof gejagt

Ob er in der Psychiatrie bleiben wird, oder ob der wegen Körperverletzung und Widerstandes gegen die Staatsgewalt beschuldigte 40-jährige Drucker aus Heinsberg eine Strafe absitzen wird, muss das Aachener Landgericht in einem zweitägigen Verfahren entscheiden.

Zwei Mal war der auf einem Bauernhof bei Heinsberg mit seiner fünfköpfigen Familie lebende Mann, der sich im vergangenen Jahr immer mehr von dunklen Mächten bedroht fühlte, den Behörden aufgefallen.

Als am 30. Mai 2006 zwei Polizeibeamte bei ihm auf dem Hof erschienen, um eine nach einem Gerichtsverfahren festgesetzte Speichelprobe für einen DNA-Test abzunehmen, bedrohte er zwei Kripobeamte in seinem Haus. Ungewöhnlich war die Waffe, die er benutzte: Eine spitze vierforkige Mistgabel.

Er habe denen nicht abgenommen, dass sie von der Polizei seien, versuchte er jetzt sein Handeln zu rechtfertigen. Zunächst ließ er die Polizisten ohne Widerstand ins Haus. Die Sache eskalierte, wie er zugab, dann in seinem Wohnzimmer. Plötzlich sprang er auf, warf seine volle Kaffeetasse in Richtung der Polizisten und sprintete urplötzlich durch einen Vorhang hindurch ins Obergeschoss.

Von dort schrie er, so die Polizisten vor Gericht: „Ich schieß euch ab.” Stattdessen kam er nach einiger Zeit mit jener Mistgabel bewaffnet herunter. „Ich wollte die Männer nur aus dem Haus drängen”, erklärte er Richter Jürgen Beneking (7. Große Strafkammer). Auf dem Hintergrund eines möglichen Verfolgungswahns klang das plausibel.

Die Polizeibeamten aber fühlten sich massiv bedroht. Beide zogen ihre Waffen und entfernten sich vorsichtig aus dem Haus. Mit seiner Mistgabel verschanzte er sich auf dem Dach, drohte von dort, das Haus mit Gasflaschen in die Luft zu sprengen. Mehr Uniformierte kamen und die Feuerwehr, bis der Spuk zu Ende war. Später wurde er in die Landesklinik Bedburg-Hau gebracht.

Mitverhandelt wird ein Fall vom November 2005. Da drang er ins elterliche Haus des Freundes seiner ältesten Tochter ein. Sie war von zu Hause verschwunden. Um ihren Aufenthaltsort herauszubekommen, soll er die Mutter und den jüngeren Bruder des Freundes bedroht haben. Das Verfahren geht am 22. Januar weiter.