„Mit dem Geld lieber neue Lehrer einstellen”

„Mit dem Geld lieber neue Lehrer einstellen”

Kreis Heinsberg. „Was ich habe, weiß ich, was ich bekomme, nicht”, meinte ein Bürger bei der gut besuchten Informationsveranstaltung der Partei Bündnis 90/Die Grünen mit Ministerin Bärbel Höhn über den „Hochwasserschutz in unserer Region” im Bürgersaal des Ortes Rurich.

Das Projekt der Grünen sei den Bürgern mit zu vielen Fragezeichen versehen und auch viel zu kostspielig, monierte der vor 67 Jahren an der Rur geborene Ruricher und hatte den Beifall auf seiner Seite.

Einverstanden mit dem Konzept war niemand der rund 70 Zuhörer. Bärbel Höhn, Robert Steegmans, Dezernent des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER), Ulrich Horst, Sprecher des Kreisverbandes Heinsberg (Grüne), sowie Oliver Krischer, Vorsitzender der Kreistagsfraktion der Grünen in Düren, hatten das Projekt erläutert.

„Die Wege für das Wasser länger machen”

Zwar hätten, so die Grünen und der WVER-Dezernent, die Talsperren den Kreis Heinsberg bislang noch vor Katastrophen wie im Osten bewahrt, doch angesichts der unkalkulierbaren Wetterereignisse müsse man sich auch in den Kreisen Heinsberg und Düren verstärkt mit der Hochwasservorsorge beschäftigen.

„Die Wege für das Wasser müssen länger gemacht werden, damit die Flüsse wie die Rur langsamer werden”, appellierte Bärbel Höhn. Das Hochwasser der Jahre 2001 und 2002 hätte in Rurich bereits zu einem erhöhten Grundwasserspiegel sowie bei etlichen Häusern zu Schäden geführt. Deshalb sei im benachbarten Körrenzig bereits eine Retentionszone angelegt worden.

Für die Grünen scheint „Retentionszone” eine Art Zauberwort zu sein, das in Rurich gleich mehrfach fiel. Gemeint sind ufernahe Bereiche, die als Überflutungsflächen dienen. Sie sollen bei Flutwellen wie ein riesiger Speicher wirken und so die Wasserhöhe verringern, statt mit neuen Schutzwällen das Tempo einer Welle weiter zu beschleunigen.

Ein solches Konzept schwebt den Grünen auch an der Rur vor. Doch diese Rückhalteräume sind mit dem Rückverlegen von Deichen und dem Verlust von Land verbunden, was starken Protest auslöste.

„Auf die Menschen hören, die hier leben”

Die Situation an der Rur sei zufriedenstellend, meinten die Bürger. Die Talsperren würden gut funktionieren. „Hören sie bitte auf die Menschen, die hier leben. Wir brauchen intelligentere Lösungen. daher nehmen sie das Geld lieber und stellen neue Lehrer ein, damit wir intelligente Menschen heranziehen können”, hieß es da.

Nichts zu tun sei aber auch keine Lösung, konterte Bärbel Höhn. Die Konsequenz wäre dann, dass es auch hier zu Flutkatastrophen kommen könnte. Dann würde es wieder Kritik hageln, dass die Politiker nichts getan hätten, obwohl sie um die Klimaveränderungen wussten.

Einen kleinen Vorgeschmack, auf das, was da kommen könnte, hätte es bereits im Februar dieses Jahres gegeben, als in der Eifel teils noch nie gemessene Niederschlagsmengen geflossen seien.

Die Pegel der Rur und ihrer Zuflüsse seien stark angeschwollen. Fast wäre sogar die Rurtalsperre unkontrolliert übergelaufen, hieß es. Doch all diese Argumente konnten die Ruricher, denen das Projekt unsinnig erscheint, nicht umstimmen.