Rurich: Mini-Korb und Damenschuhe reine Handarbeit

Rurich : Mini-Korb und Damenschuhe reine Handarbeit

Man muss schon ziemlich genau hinsehen, um das winzige Körbchen in seinen Einzelheiten zu erkennen.

Obwohl sein Durchmesser keinen Zentimeter beträgt, hat es alles, was zu einem Korb gehört: Boden, Seitenwände und Bügel.

Um eine solche Miniatur zu fertigen, braucht man Lupe und feine Werkzeuge, oder? „Von wegen”, wehrt Peter Hansen heftig ab, „das ist alles reine Handarbeit.” Und zögert nicht lange: „Ich zeigs Ihnen.”

In seiner kleinen Werkstatt hinter der Garage tritt er den Beweis an. 0,2 Millimeter dick ist der lange Faden aus echtem Rohr. Er schneidet ihn in ein halbes Dutzend Stücke, feuchtet diese an und macht sich mit flinken Fingern ans Werk.

Nur wenige Minuten später hat Peter Hansen bereits den Korbboden geflochten. Keine Frage: Der Mann beherrscht sein Handwerk.

Das Handwerk heißt Kunstflechterei, und darin ist der 68-jährige Ruricher so bewandert, dass seine Kunden sogar aus dem Ruhrgebiet und aus Süddeutschland nach Rurich reisen.

Vor 53 Jahren begann Peter Hansen, ein gebürtiger Hilfarther, seine Korbmacherlehre in seinem Heimatort. Es folgten Gesellenprüfung und Meisterprüfung, 1958 heimste er einen Bundesehrenpreis für besondere Leistungen ein.

An der staatlichen Fachschule für Korbflechterei im bayerischen Lichtenfels widmete er sich vor allem der Bau- und Rahmenflechterei.

„Aber an zwei Nachmittagen durfte ich im Schulungsraum beim Flechten von Feinkorbwaren zuschauen”, erinnert sich Peter Hansen.

Obwohl er sich in den kommenden Jahren auf Korbmöbel, Stuhlsitze, Rahmenkonstruktionen und geschlagene Arbeiten wie etwa Wäschekörbe spezialisierte, ließen ihn die Feinkorbwaren nicht mehr los.

Anfang der 60er Jahre eröffnete er an der Dr.-Bäumker-Straße in Rurich ein Korbmachergeschäft. „Jahrelang habe ich nichts gemacht außer Stuhlsitze, aber in meiner Freizeit habe ich mich immer mit der Kunstflechterei beschäftigt.”

Die Bereitschaft, ständig neue Dinge zu lernen, gehört für Peter Hansen zum Handwerk wie Sand in die Wüste: „Ein Handwerker, der in seinem Beruf stehen bleibt, ist abgeschrieben. Man muss sich ständig weiterbilden.”

Das Korbmachergeschäft hat Peter Hansen vor rund 20 Jahren geschlossen, einige Jahre später ging er in Rente. Jetzt flechtet er nur noch „nach Lust und Laune”. Seine Motivation ist ungebrochen, seine Phantasie ebenfalls.

Und so fertigt er aus Stuhl- und Peddigrohr die außergewöhnlichsten Produkte: Schuhe gehören dazu, mit Leder verzierte Handtaschen, Vasen und anderes mehr. Größten Wert legt er auf Abwechslung: „Ich probiere viele verschiedene Flechtarten aus - wie es mir gerade einfällt.”

Wahre Schmuckstücke sind seine Herren- und Damenhüte. Einen dieser Hüte hat Peter Hansen mit kleinen geflochtenen Utensilien reich verziert. Auch der Mini-Korb hat an der Krempe des Hutes seinen Platz gefunden.