Kreis Heinsberg: „Mindestlohn für die Pflegeberufe”

Kreis Heinsberg : „Mindestlohn für die Pflegeberufe”

„Wir müssen mehr in bessere Arbeitsbedingungen für Pflegeberufe investieren und mit der Einführung eines Mindestlohnes dafür sorgen, dass man davon auch leben kann.” Dies sagte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt auf ihrer Festrede zum 25-jährigen Bestehen des Altenzentrums der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Heinsberg.

Die Ministerin dankte allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Pflegedienst, die unter oft schwierigen Arbeitsbedingungen stünden. Zur Entlastung des Pflegepersonals gebe es seit einiger Zeit die Möglichkeit zur Einstellung eines „Betreuungsassistenten”.

Angesichts immer größeren Zeitmangels dürfe man den Altenpfleger „nicht in einem Hamsterrad laufen lassen”, so die Ministerin. Sie dankte der „Familie Arbeiterwohlfahrt für die langjährige treue und kritische Begleitung” und erinnerte sich an ihre frühere Zusammenarbeit mit Johannes Sondermann, „dessen Werk mit Vorausschau”, nun Jubiläum feiere.

„Er gehörte nicht zu den Politikern, die immer Zeit haben, Bücher zu schreiben und ideologische Debatten zu führen”, sagte sie und lobte seine Ehefrau Gerte sowie Tochter Esther und Sohn Andreas dafür, dass sie seine politische Arbeit durch den Rückhalt der Familie unterstützten.

Awo-Kreisvorsitzender Josef Krawanja hatte zuvor an die Entstehung des Altenzentrums mit heute 149 Plätzen erinnert. Die Idee entwickelten Ende der siebziger Jahre der im Vorjahr verstorbene Awo-Ehrenvorsitzende Johannes Sondermann, dessen Namen das Zentrum heute trägt, mit dem früheren Awo-Geschäftsführer Hans Lowis und Bauunternehmer Franz-Josef Florack.

„Insbesondere Größe, Lage und Anspruch des neuen Angebotes für das Leben, Wohnen und Pflegen im Alter waren schon in der Planungsphase umstritten”, blickte Krawanja zurück und bezeichnete die Initiatoren auch angesichts ihrer unterschiedlichen politischen Wurzeln als „große Koalition mit Pioniergeist und Weitblick”.

Dies werde heute mit einem Blick in die Bedarfsanalysen untermauert. Denn die Ziele von damals seien aktueller denn je: stadtnahe und trotzdem ruhige Wohn-, Betreuungs- und Pflegeplätze, die möglichst viel Selbstständigkeit gewährleisten, professionelle Betreuung sowie aktivierende Freizeitangebote unter Beibehalt bestehender Kontakte.

Ganz in diesem Sinne sei neben dem Beitrag zur Bedarfsdeckung auch eine Alternative zum herkömmlichen Angebot anderer Träger geschaffen worden. Schließlich gab es, so Krawanja, „damals gerade in der ländlichen Region noch viel mehr Vorbehalte gegenüber Altenheimen und auch der Awo als Träger”.

Krawanja lobte „die damalige große Bereitschaft des Kreises und der Stadt Heinsberg gemeinsam mit den Initiatoren, die neuen Ideen aufzunehmen, zu unterstützen und bei der Verwirklichung zu helfen”.

Pioniere auf grüner Wiese

Als weiter erfreulich bilanzierte Krawanja, dass ergänzend zu den Hauptamtlichen auch zahlreiche ehrenamtliche gute Seelen einen wesentlichen Beitrag zur aktiven Gestaltung des Heimgeschehens leisteten und dies weiter tun. Grüße des Kreises übermittelte Landrat Stephan Pusch.

Die Kreisverwaltung als direkter Nachbar und die Awo bezeichnete er als „Pioniere auf der grünen Wiese”, die mit ihren Gebäuden die erfolgreiche Entwicklung des inzwischen entstandenen großen Dienstleistungszentrums einläuteten.