Kreis Düren: Milchbauern im Kreis Düren verfüttern schon jetzt Wintervorräte

Kreis Düren : Milchbauern im Kreis Düren verfüttern schon jetzt Wintervorräte

Ein Satz von Milchbauer Bruno Schumacher reicht, um die außergewöhnliche Situation in der Landwirtschaft angesichts der enormen Trockenheit zu beschreiben. „Mein Vater hat kürzlich noch gesagt, dass er so etwas noch nicht erlebt hat — und mit 91 Jahren hat er viele Sommer gesehen“, sagt der Landwirt aus Brandenberg.

280 Kühe, Rinder und Kälber leben auf dem Hof der Schumachers, auf 115 Hektar Land wächst das nötige Futter — beziehungsweise: sollte es. „Seit mindestens sechs Wochen füttern wir die Kühe im Stall mit Silofutter“, erzählt Bruno Schumacher. „Gerade im Hürtgenwald ist sprichwörtlich Ebbe auf den Weiden. Es wächst kein Halm mehr.“ Die ersten beiden Schnitte für den Wintervorrat seien gut gewesen, der zweite erfolgte im Juni. Drei bis vier sind pro Jahr üblich. Da das Wetter alle Bauern trifft, ist es auch schwierig, Futter zuzukaufen.

Bis zu 10.000 Liter Milch pro Jahr geben einzelne Schumacher-Kühe. In diesem Jahr sind es weniger. „An manchen Tagen bringen die Kühe gut zehn Prozent weniger Leistung wegen der Hitze. Den Stress sieht man den Tieren deutlich an“, betont Schumacher, der den Hof seit 1984 führt. Was die Wasserversorgung betrifft, ist Schumacher froh, ans örtliche Wassernetz angeschlossen zu sein. Wäre das nicht der Fall, hätte er „große Probleme“, denn teilweise stünden kleine Bachläufe in der Umgebung kurz davor, „komplett auszutrocknen“.

Ralf Beuel aus Schmidt hat nach eigenen Angaben noch keinen Einbruch bei der Milchleistung seiner Kühe festgestellt, das liege auch am Beifüttern des Wintervorrats. „Wenn wir das nicht machen würden, würde die Leistung um 60 oder 70 Prozent sinken“, betont der Biobauer.

Die Milchkühe würden den Tag im isolierten, kühlen Stall verbringen und nur nachts auf die Weiden gehen; die Rinder verbringen auch die Tage im Freien, fressen das, was sie finden und kriegen zusätzlich etwas vom Wintervorrat. „Die große Frage ist, ob wir diesen Sommer noch genügend Grassilage produzieren können, damit der Vorrat wie üblich über den Winter bis zum April reicht“, erklärt Beuel.

„Grundfutter ist lebenswichtig“

Die generell angespannte Lage der Milchviehbetriebe betont auch die NRW-Landwirtschaftskammer. „Die Situation ist auch im Kreis Düren problematisch geworden. Existenzbedrohend ist sie aber noch nicht“, sagt Susanne Lock von der Dürener Kreisstelle. Was die Betriebe nun dringend benötigten, sei länger andauernder Regen.

„Schauer bringen nicht so viel. Aber wenn es einmal richtig regnet, dann sieht man das den Weiden sehr schnell an“, erklärt Lock. Zwar dürfen wegen Hitze und Trockenheit in diesem Jahr auch Brachflächen und Zwischensaaten wie Klee und Luzerne gemäht und dann verfüttert werden. Aber auf den Brachflächen tut sich bislang natürlich auch noch nicht viel, und die Getreideernte ist gerade erst erfolgt. „Hochwertig ist das Futter von Brachflächen auch nicht“, erklärt Lock.

Um die Milchleistung zu erhalten, könne man ein bisschen an der Stellschraube Kraftfutter drehen. Aber dieses sei teuer — und ersetzen könne es das Grundfutter sowieso nicht. „Kühe sind Wiederkäuer. Das Grundfutter wie Heu, Gras oder Silage ist für sie lebenswichtig“, erklärt Lock. Ohne Wiederkautätigkeit entsteht keine Speichelproduktion und der Pansen — der erste Magen der Kuh — würde versauern.

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