Hückelhoven-Ratheim: „Menschenbilder” von Hans-Josef Jansen zu sehen

Hückelhoven-Ratheim : „Menschenbilder” von Hans-Josef Jansen zu sehen

Gebrochene Realitäten - und dennoch nicht surreal. Geschärfter Blick - und dennoch nicht diffus. Der richtige Moment, um abzudrücken: ständig auf der Suche nach ihm. Fotografien von Hans-Josef Jansen, der auch Leiter des Fotoclubs Hückelhoven ist, werden vom Hückelhovener Kunstverein Canthe im Alten Rathaus von Ratheim präsentiert.

Eröffnet wurde die Ausstellung am Freitagabend. Und die vielen Neugierigen, die kamen, wurden durch seine „Menschenbilder” in Staunen versetzt. Was gibt es Schöneres für einen Künstler, als in staunende Gesichter zu blicken? Während der Eröffnung war eine Verdopplung zu beobachten: staunende Blicke der Gäste auf die zum Teil staunenden Gesichter auf den Fotografien von Jansen.

Die Aachener Kunsthistorikern Dr. Christine Vogt brachte es in ihrer überaus gelungenen Einführung gleich auf den Punkt. Jansens „Bilder” stellen nicht nur den Dialog in den Mittelpunkt der Abbildung, sondern fordern direkt im Betrachten dazu auf. Sie machen den Bild-Betrachter zu einem Betrachter-Bild, indem die Szenerie - wie in den Räumen des Alten Rathauses - selbst zu einem neuen Bild wird.

Freilich „manipuliert” der Autodidakt Hans-Josef Jansen seine Fotos in der Dunkelkammer, um die sogenannte Realität und den gewohnten Blick auf sie mit technischen Raffinessen zu brechen und zu erweitern. Die so erzielte Verfremdung der Motive, in diesem Fall der menschlichen Gesichter, zeugt, wie Christine Vogt hervorhob, von einer sensiblen Beobachtungsgabe des Künstlers.

Und weiter noch: In einer solchen Sensibilität steckt eine stille Ethik. Es kommt nämlich auf das Miteinander des Künstlers mit dem Modell an. Und dieses Miteinander zeichnet sich durch das feine Gespür für den richtigen Moment aus, den richtigen Moment des Abdrückens, den nicht nur der Mensch als Modell, sondern auch dessen Gesicht wollen muss.

Jansens Fotografien sind, so betrachtet, also auch Darstellungen eines stillen Gesprächs mit dem Unbewussten. „Die größte Auszeichnung für eine Fotografie ist ein Lächeln”, zitierte Jansen nicht von ungefähr eines seiner großen Vorbilder, Henri Cartier-Bresson. Ein Lächeln nämlich weist auf den richtigen Moment hin; es stellt das gelungene Miteinander eigens dar.

Jansen ist mithin ständig auf der Suche nach dem Anderen, nämlich dem, was mit Worten und Sprache nicht oder nur unzulänglich zu erreichen ist. So zeigen seine Aktfotografien auch konsequent eine andere Form von Nacktheit. Kein plakatives Ver- und Gebrauchen von Entblößungen, sondern eher ein zaghaftes, mitunter zartes Herantasten an einzelne Körperstellen, die nie abgelöst betrachtet werden können von der Seele, die „sprachlos” dahintersteckt.

Auch am kommenden Wochenende, 23. und 24. Februar, laden die „Menschenbilder” im Alten Rathaus von Hückelhoven-Ratheim von 11.30 bis 17 Uhr noch einmal ein, mit ihnen in einen Dialog zu treten. Das Gespräch lohnt. Es inspiriert.