Kreis Heinsberg: Meisterkonzert bietet ein Glanzstück der Klavierkunst

Kreis Heinsberg : Meisterkonzert bietet ein Glanzstück der Klavierkunst

Wieder einmal hatte das Meisterkonzert der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg in der Erkelenzer Stadthalle diese Bezeichnung durchaus verdient.

Was das Klavierduo Martina Walbeck und Burkhard Kerkeling - nun schon zum zweiten Mal nach 2006 - dem gleichermaßen begeisterten und ergriffenen Publikum bot, war sowohl technisch als auch interpretatorisch ein Glanzstück der Klavierkunst.

Das Konzert begann mit dem Dance macabre opus 40 von Camille Saint-Sa’ns, den der Komponist selbst für zwei Klaviere eingerichtet hatte. In dieser sinfonischen Dichtung nach einem Gedicht des französischen Schriftstellers und Orientalisten Henry Cazalis erwachen die Toten aus ihren Gräbern, klappern die Knochen und spielt der Tod einen spukhaften Walzer.

In der Sonate D-Dur KV 448 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1781), eigens von ihm komponiert für sich und seine begabte Schülerin Josepha Barbara von Auerhammer, hat der Zuhörer manchmal das Gefühl, ein ganzes Orchester zu hören. In den drei Sätzen stehen Gelöstheit und Unbeschwertheit neben manch Elegischem, wird es oft regelrecht übermütig im kontrastreichen Spiel der beiden Pianisten.

Nach der Pause folgten zunächst Drei Tangos von Astor Piazzolla, dem argentinischen Bandoneon-Spieler und Komponisten und Erfinder vom Tango Nuevo als Gegenstück zum traditionellen Tango Argentino. Wer jedoch gedacht hatte, wenn auch nur in seiner Fantasie bei Tangos mitzutanzen, sah sich getäuscht. Zwar kamen Elemente des (Tanz-)Tangos vor und waren teilweise sogar bestimmend, aber es ging doch vor allem ums Zuhören, wobei eine melancholische Grundstimmung aber nicht in Traurigkeit umschlug.

George Gershwins Rhapsody in Blue von 1924 beendete das Konzert. Wie eh und je zogen die berühmten 17 Noten der aufsteigenden Tonleiter zu Beginn der Rhapsody die Zuhörer in ihren Bann, der bis zum Schluss in dieser gelungenen und wegweisenden Komposition aus Jazz und Klassik anhielt. Für viele war das Ende des Konzertes auch sein Höhepunkt.

Nach den Blumen und viel Beifall gab es dann noch eine Zugabe: Zu vier Händen spielten die beiden aus Maurice Ravels „Ma Mère l´oye” (Meine Mutter die Gans) den letzten Satz „Le jardin féerique”; und man fühlte sich wirklich in den Feengarten versetzt.

Was Martina Walbeck und Burkhard Kerkeling als Klavierduo auszeichnet, ist nicht nur ihre technische Brillanz und Versiertheit, die neben der Ausarbeitung von Feinheiten der Interpretation jedes ihrer Stücke zu einem Genuss machte.

Ihr Spiel ist vor allem von den Grundsätzen des Dialogs bestimmt: Einer hört auf den anderen; niemand will bestimmen und sich hervortun; die Virtuosität ist gewissermaßen gebremst und kommt nur da zum Vorschein, wo es angebracht scheint. Bei diesem angenehmen Paar-Verhalten ist noch besonders erwähnenswert, dass Burkhard Kerkeling den eher ruhigen und besonnenen Part spielt (in doppeltem Sinne) und Martina Walbeck ihrem Temperament manchmal freien Lauf lässt, ohne allerdings die Harmonie des gemeinsamen Musizierens zu stören.