Kreis Heinsberg: Mehr Zuhören, mehr Lob, mehr Leistung

Kreis Heinsberg : Mehr Zuhören, mehr Lob, mehr Leistung

Was hat der heilige Benedikt mit Verdi zu tun? Anselm Bilgri und Dr. Felix Kratz Antworten führten jetzt in der Burg Wassenberg diese Themen zusammen.

Denn auf Einladung der regional tätigen Volksbanken und Raiffeisenbanken informierten sie rund 40 Bürgermeister, Beigeordnete und Kämmerer aus dem Kreisgebiet über Mitarbeiterführung und leistungsgerechte Entlohnung.

Anselm Bilgri vom Zentrum für Unternehmenskultur, auch bekannt als Pater Anselm aus seiner Zeit im Kloster Andechs, referierte bei der Fachtagung „Kommunal Aktuell” auf ungewohnte Weise über „Führen im Wandel”. Dabei kam er ganz ohne Folien und Laptop aus. Angelehnt an die 1500 Jahre alte Regel des heiligen Benedikt entwickelte er sehr konkrete Anforderungen an Führungskräfte.

Dabei ging Bilgri intensiv auf die täglichen Schwierigkeiten in Unternehmen ein, wie auch die städtische Verwaltung eines sei. Aus seiner Sicht besonders schlimm: „das alltägliche Murren”, das jede Organisation zersetzen könne. Oftmals entstehe es aus ungehört gebliebener Kritik. Und genau daraus entwickelte der Referent die Regel Nummer eins für Führungskräfte: „Zuhören!”

Eine genauso wichtige Tugend für Führungskräfte sei, so Bilgri, die „Discretio”, die Unterscheidungsgabe. Differenziert zu handeln, Menschen nicht über einen Kamm zu scheren, einer Situation gerecht zu werden, setze ein hörendes Herz voraus. Und genau dies würden Mitarbeiter von ihren Chefs erwarten. Wer das beachte, brauche keine teuren Motivatoren in sein Rathaus zu holen: „Dringen Sie mit Ihren Worten in die Herzen Ihrer Mitarbeiter.”

Und für den harten Alltag empfahl er den Bürgermeistern, Kämmerern und Beigeordneten Humor. Heitere Gelassenheit helfe auch in den kniffligsten Situationen entspannt zu bleiben und sei somit ein sehr effektives Mittel der Problemlösung in Organisationen und Verwaltungen.

Die Veranstaltung eröffnet hatte zuvor Dr. Felix Kratz, der über ein Thema sprach, das derzeit in vielen Verwaltungen für Unruhe sorgt: „Durch die Leistungsbezahlung zu einer neuen Führungs- und Leistungskultur im öffentlichen Dienst” zu gelangen, sei nicht einfach und schon gar auf die Schnelle umgesetzt, so der Geschäftsführer der Unternehmensberatung Baumgartner & Co.

Dabei brachte er zahlreiche Beispiele für den Umgang mit finanziellen Anreizen aus seinem alltäglichen Umgang mit Unternehmen und öffentlichen Dienstleistern. Kratz´ wichtigste Botschaft: Die vom Gesetzgeber bereits beschlossene leistungsorientierte Bezahlung im öffentlichen Dienst bleibe für alle Beteiligten eine Herausforderung - aber sie lasse sich meistern und zum Gewinnermodell für alle Seiten ausgestalten.

Auf dem Weg von der Entscheidung bis zur Umsetzung sei es aber sinnvoll, Erfahrungen anderer zu nutzen, damit Verwaltungsspitze, Mitarbeiter, Politik und Bürger profitieren.

Dr. Veit Luxem, Sprecher der Volksbanken und Raiffeisenbanken im Kreis Heinsberg, dankte Bilgri und Kratz für ihre zum Nachdenken und Diskutieren anregenden Vorträge. Auch für ihn als Banker seien die Inhalte im Alltag anwendbar, und er wünschte sich, dass es den Kommunalverantwortlichen genauso gegangen sei:

„Der heilige Benedikt hat uns gerade heute noch eine Menge zu sagen. Aber vor allem haben wir ja eins ins Lehrbuch für Führungskräfte geschrieben bekommen: Mehr Zuhören, mehr Lob, mehr Leistung.” Und wenn dann ein Entlohnungssystem den Leistungsstarken besonders fördere, allen anderen aber auch den Weg zu mehr Leistung und mehr Geld weise, dann seien Arbeitgeber und Arbeitnehmer, ihre Verbände und ihre Gewerkschaften sicher etwas einfacher ins gleiche Boot zu bekommen.