Kreis Düren: Mehr Legionellen in der Rur als je gemessen: Warnung vor Wassernutzung

Kreis Düren : Mehr Legionellen in der Rur als je gemessen: Warnung vor Wassernutzung

Bei Wasserproben in der Rur bei Düren sind Legionellen-Konzentrationen in einer „bisher noch nicht gemessenen Größenordnung" festgestellt worden. Das Wasserverband Eifel-Rur und das Kreisgesundheitsamt Düren warnen davor, Rurwasser zu versprühen, etwa mit Hochdruckreinigern oder Rasensprengern.

Norbert Schnitzler, Leiter des Dürener Kreisgesundheitsamtes, erklärt: „Wir können nicht mehr sagen: Das ist auf jeden Fall unbedenklich."

Dass in der Rur am Ablauf der Kläranlage Düren schwankende Legionellen-Konzentrationen festgestellt werden, ist nicht neu. Allerdings sprechen Wasserverband und Gesundheitsamt in ihrer aktuellen Mitteilung von „einer bisher noch nicht gemessenen Größenordnung" und warnen erneut davor, Wasser aus der Rur zu versprühen, etwa mit Hochdruckreinigern und Sprinkleranlagen.

Nachdem in Warstein im Jahr 2013 rund 160 Menschen durch Legionellen an Lungenentzündungen erkrankten und zwei von ihnen starben, überprüft das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) standardmäßig die Legionellenwerte an Kläranalagen, die warme und besonders nährstoffreiche Abwässer behandeln und somit Legionellen günstige Vermehrungsbedingungen bieten.

Genau diese Ausgangslage besteht in Düren. „Natürlicherweise gibt es in der Rur wenige Legionellen", sagt Schnitzler. Seit Juli vergangenen Jahres werden aber immer wieder schwankende, teilweise sehr hohe Legionellen-Konzentrationen festgestellt. Im Zuge dessen hat der WVER zusätzlich zu den Proben des LANUV eigene Messreihen gestartet und dabei die erhöhten Werte festgestellt - allerdings im Zulauf der Kläranlage.

„Die Legionellen kommen also von außen auf die Kläranlage", sagt Marcus Seiler, Sprecher des WVER. Im Sommer betrage die Temperatur des Wassers, das in die Kläranlage fließt, bis zu 27 Grad, erklärt Seiler - fast Badewannentemperatur. Ursache dafür sind die warmen Abwässer der Industrieunternehmen entlang der Rur. „Die Menge an Legionellen ist jetzt so groß, dass uns die Erfahrungswerte fehlen", erklärt Schnitzler.

Wie hoch die Konzentration genau ist, wird nicht veröffentlicht. Generell gelte: Das Risiko, an einer Lungenentzündung durch Legionellen zu erkranken, trifft vor allem ältere und bereits kranke Menschen. „Man kann sich nur über tiefe Einatmung infizieren, wenn Tröpfchen, sogenannte Aerosole, in die Lungen geraten. Diese müssen kleiner als fünf tausendstel Millimeter sein", erklärt der Leiter des Dürener Gesundheitsamtes.

Statistisch gesehen, so Schnitzler, erkrankt jeder 500. mit Legionellen Infizierte an einer Lungenentzündung. Bei 95 Prozent der Menschen führe die Infektion zu einer Erkältung.

Wasser aus der Rur sollte vor allem zwischen Düren und Jülich derzeit nicht versprüht werden. Es gibt Anlieger des Flusses, die mit einer Tauchpumpe das Wasser der Rur zum Bewässern des Gartens nutzen. Auf diese geduldete Gewohnheit sollte bis auf Weiteres verzichtet werden. Industrielle Abnehmer von Rurwasser, etwa das Forschungszentrum Jülich oder die Zuckerfabrik, unterliegen ohnehin strengen Vorgaben.

Für diese gewerblichen Nutzer gelten derzeit verstärkte Arbeitsschutzregeln, sie sollen nach Möglichkeit Trinkwasser verwenden. „Wir werden Maßnahmen ergreifen, um den Unterlauf der Rur zu schützen", kündigt Seiler an. Bereits im Herbst will der WVER an der Kläranlage Düren eine Anlage in Betrieb nehmen, die das geklärte Wasser aus der Kläranlage mit Hilfe von ultra-violettem Licht von Legionellen befreit, bevor es wieder in die Rur fließt.

Bis zu 1700 Liter Wasser pro Sekunde soll die Anlage schaffen, die maximale Kapazität der Kläranlage. Dafür läuft bereits ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren. Außerdem wird der WVER sein Messprogramm kurzfristig bis Linnich ausweiten. Wenn dann trotz der Verdünnung des Rurwassers - etwa durch die eingemündete Inde - immer noch zu viele Legionellen beinhaltet, dann „müssen wir weiterschauen", sagt Seiler.

Und Detektivarbeit leistet der Wasserverband zudem in eigener Sache. „Natürlich schauen wir, wer der mögliche Einleiter des Wassers ist", stellt Seiler klar. Offensichtlich gibt es bereits erste Verdachtsmomente. „Wir haben einen Kandidaten im Blick, wollen dazu aber derzeit nicht mehr sagen."

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