Aachen/Wassenberg: „Medea, das hinterlistige Stück”

Aachen/Wassenberg : „Medea, das hinterlistige Stück”

Die beiden Moderatorinnen der Talkshow begrüßen ihren Gast und konfrontieren ihn gleich mit persönlichen Fragen: „Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Liebe ist...”

„...der größte Fehler des Lebens!”, antwortet Jason abgeklärt und nimmt Platz.

Im richtigen Leben heißt Jason Maike Pöhnel und ist kein griechischer Königssohn, sondern Schülerin der Betty-Reis-Gesamtschule in Wassenberg. Auch die Fragesteller sind nur in eine Rolle geschlüpft.

Theaterpädagogin Katrin Eickholt und Lehrerin Monika Claßen beschließen den Tag mit einem Rollenspiel. Darauf haben sich die Schüler des Leistungskurses Deutsch gut vorbereitet.

In der Jahrgangsstufe 12 stehen „Mythen” auf dem Lehrplan. Die Wahl fiel auf „Medea” von Christa Wolf. Deren Text las die Gruppe im Unterricht und besuchte anschließend Michael Helles Inszenierung des Stücks „Mamma Medea” von Tom Lanoye im Theater Aachen.

Die Schüler waren begeistert und wollten mehr dazu machen. Also rief Monika Claßen die Theaterpädagogin an und machte mit ihr den Tag in Aachen aus. Der begann mit einer Führung durch die Werkstätten und den Kostümfundus sowie Übungen zum Thema „Haltung” und „Stimme”. Danach wurde richtig gearbeitet.

Die Schüler, aufgeteilt in vier Gruppen, nahmen sich Textstellen der beiden Medea-Stücke vor. Die Aufgabe bestand darin, den jeweiligen „Jason” beziehungsweise die „Medea” der beiden Autoren zu charakterisieren. Doch bevor es ernst wurde und die Gruppensprecher sich der fiktiven Talkshow stellen mussten, hatten sie Gelegenheit, einen Profi zu treffen. Nach der Mittagspause kam Bettina Ernst, die Darstellerin der Medea, zu den Schülern und stellte sich den Fragen der jungen Leute.

Die wollten unter anderem wissen, ob sie sich mit dieser Figur identifizieren könnte oder mit einer wie Medea „Kaffee trinken gehen” würde. Dann folgte noch ein Rundgang durchs große Haus und - wieder im Mörgens des Theaters - der große „Showdown” mit der Präsentation der Ergebnisse.

Dabei fielen so bedeutungsschwere Sätze wie: „Mein größter Fehler war, dass ich mich mit Medea eingelassen habe, dem hinterlistigen Stück”. Die Schüler versetzten sich in die Gefühlswelt ihrer Figur und antworteten dementsprechend. Sogar ein kleiner Disput zwischen Medea und Jason wurde entfacht. Plötzlich hatten sich die Besuchern in Schauspieler verwandelt. Ein gutes Ergebnis für alle Beteiligten.