Kreis Düren: Manches Eigenheim steht unter Waffen

Kreis Düren : Manches Eigenheim steht unter Waffen

Es war ein Nachbarschaftsstreit wie viele andere - doch er endete tödlich. Im Aldenhovener Ortsteil Dürboslar streckte am 27. April ein 55 Jahre alter Mann seinen 33-jährigen Kontrahenten mit einer Pistole nieder.

Er feuerte neun Schüsse ab, drei Geschosse, Kaliber 9 Millimeter, trafen das Opfer tödlich, in den Rücken. Wir berichteten über das Verbrechen. Der Täter, der nun mit einer Mordanklage zu rechnen hat, war als Sportschütze legaler Besitzer von Waffen. Der Fall wirft Fragen auf. Zum Beispiel die nach Schusswaffen in der Hand von Bürgern.

Wer darf im Besitz von Pistolen, Revolvern und Gewehren sein? Und welche Voraussetzungen muss er erfüllen? Wir haben bei der Kreispolizeibehörde nachgefragt. Dort sind alle legal erworbenen Schusswaffen registriert. Die Besitzer wurden zuvor peinlich genau unter die Lupe genommen, einschließlich Abfrage beim Berliner Zentralregister. Wer etwas auf dem Kerbholz hat, blitzt ab beim Ersuchen um eine Waffenlizenz.

In den Dateien der Dürener Polizeibehörde sind die rechtmäßigen Waffenbesitzer erfasst, ihre Schießeisen registriert, mit Fabrikat, Kaliber und Seriennummer. Die Liste ist lang. In den Schränken braver Bürger liegen genug Kurzwaffen und Gewehre, um damit einen mittleren Bürgerkrieg anzuzetteln. Doch das steht kaum zu befürchten. Denn die Gesetzestreue der Antragsteller wird überprüft.

Im Kreis Düren sind derzeit (Stand April 2008) 6446 rechtmäßige Waffenbesitzer erfasst. Dazu wurden 10.336 Dokumente, so genannte Waffenbesitzkarten (WBK), ausgestellt. Es ist eine Art Waffenpass, auf dem Herkunft und Verbleib der Waffen mit Siegel und Unterschrift bestätigt sind. Insgesamt sind im Kreis Düren 21.822 Schusswaffen aktenkundig, also in legalem Besitz.

Jäger und Sportschützen sind die beiden großen Gruppen der Waffeneigner, die nach dem Gesetz ein Bedürfnis zum Erwerb einer Schusswaffen glaubhaft machen können. Die ist eine wichtige Voraussetzung. Von den 6522 Kurzwaffen (Pistole, Revolver) und 15.300 Langwaffen (Gewehre wie Büchsen, Flinten und kombinierte Waffen) befinden sich im Kreis Düren 1211 Kurzwaffen und 6770 Langwaffen in Jägerhand.

Die Sportschützen besitzen 1526 Pistolen und Revolver sowie 2025 Gewehre. Die übrigen Besitzer sind Erben mit WBK, Sammler und Altbesitzer, die vor der Amnesty 1973 ihre Schießeisen angemeldet haben. Über die Masse illegal erworbener Waffen gibt es allenfalls Spekulationen.

Das Waffengesetz, zuletzt novelliert am 1. April 2008, bestimmt ein strenges Reglement zum Erwerb und Besitz von Schusswaffen. Die Kreispolizeibehörde ist für eine Erlaubnis zuständig. Voraussetzungen für den Erwerb sind das Mindestalter, die Zuverlässigkeit, die persönliche Eignung, die Sachkunde und der Bedürfnisnachweis.

Während beim Inhaber eines gültigen Jahresjagdscheins das Bedürfnis durch die rechtmäßige Ausübung der Jagd begründet ist, hat ein Sportschütze eine Reihe von Hürden zu überwinden, bevor er seinen Sport mit einer eigenen Waffe ausüben darf. Nachdem der Bewerber mindestens ein Jahr lang nach den Regeln seines Verbandes regelmäßig sportlich geschossen hat, hat sein Antrag auf Erwerbserlaubnis Aussicht auf Erfolg. Dazu benötigt er die Befürwortung seines Sportverbandes. Und: Die Waffe muss nach der Sportordnung für eine Disziplin geeignet sein.

Mit dem Kauf ist es nicht getan. Auch für Aufbewahrung und Transport der schießenden Sportgeräte hat der Gesetzgeber Auflagen erlassen. Daheim gehören die Waffen in einen Tresor. Auf dem Weg zum Schießstand müssen sie vor raschem Zugriff - auch den des Eigentümers - gesichert sein.