Heinsberg: Maden sind seine ständigen Begleiter

Heinsberg : Maden sind seine ständigen Begleiter

Im Gerichtssaal des Heinsberger Amtsgerichts knubbelte sich eine erwartungsvolle Gesellschaft kriminalistischer Leseratten. Hoher Besuch stand auf dem Abendprogramm: Erfolgsautor und Kriminalbiologe Mark Benecke hatte sich mit „Gefolge” angekündigt.

Und wer weiß, womit sich der forensische Entomologe befasst, ahnt, wen er mit zu bringen gedachte und dies auch tat: Eine üppige Schar wimmelnder Maden, reisesicher verpackt im Glas. Sozusagen als Anschauungsobjekt.

Rainer Gollenstede hatte eingeladen und freute sich schon im Vorfeld über die außergewöhnlich große Nachfrage zur Autorenlesung. Amtsgerichtsdirektor Dr. Dieter Meier hatte wohlweislich den Gerichtssaal umbauen lassen, so dass die vielen Gäste Platz fanden.

Die Einführung des auf den ersten Blick etwas skurril anmutenden Kölner Autors war mindestens so ungewöhnlich wie der junge Mann (37) selbst. Mittels Beamer und Bildern gab er eine kurze Einführung in seinen Alltag, zeigte Graffities und Bahnsteige, Zeitungsannoncen und Straßenszenen - kurz: er sammelt Spuren. Immer und überall, sogar jetzt hatte er sein „Werkzeug” dabei, an einem Spezialgürtel der französischen Staatspolizei.

„Wir gehen immer näher ran als alle anderen”, unterstreicht er seine Vorliebe, den Dingen auf den Grund zu gehen. Trotz mitunter prekärer Details schaffte der quicklebendige Autor einen Schmunzel- und Lachanteil für sich zu verbuchen, der manchem bunten Nachmittag zur Ehre gereichen würden. Benecke, ein begnadeter Erzähler. Kein Entertainer, dazu ist die Hintergrund letztlich zu ernst.

Im zweiten Teil des Abends gab er Beispiele von Einsätzen bei der Kölner Polizei und aus seiner Zeit in Manhattan, New York. An seinen rasanten Sprachfluss gewöhnten sich die Zuhörer allmählich, wenngleich man sich bis zum viel zu frühen Schluss („Der letzte Zug, Sie wissen schon...”) konzentrieren musste.

Ein Abend mit Benecke, das ist ebenso spannend wie entzaubernd, wenn man an all die banalen Krimiserien im Privatfernsehen denkt. Das hier war authentisch und spannend, wie kein TV-Krimi sein kann. Gruselschauer inklusive. Dabei spielt sich der Mann selbst runter: „Ich bin nur Spurensucher, und ich kann verstehen, wenn manche Leute sagen: „Aber ein bisschen verrückt ist er schon.”

Wir wissen jetzt jedenfalls: „Leichen pflastern seinen Weg.” Aber es ist halt sein Beruf. Und den liebt der Biologe mit einer Vorliebe für Maden. „Sie sind meine kleinen Assistenten, meine lebendigen Stoppuhren.”

Anhand von Maden nämlich konnte er schon so manches dunkle Verbrechen aufklären helfen. Zur Sicherheit, wer weiß was passiert, hat er immer welche dabei. - Doch zur Beruhigung seiner angeregten Gäste blieb das Glas verschlossen, und die kleinen Gliedertierchen traten am späten Abend mit ihm den Heimweg nach Köln an.