Heinsberg: „Luxusanstalt” mit einer „Problemzone”

Heinsberg : „Luxusanstalt” mit einer „Problemzone”

Wie zuvor bereits der Bauausschuss, so hat sich jetzt auch der Kreis-Schulausschuss vor Ort über die abgeschlossene Sanierung des Kreisgymnasiums in Heinsberg informiert.

„Wirklich der neueste technische Stand”, „architektonisch ansprechend” oder „Luxusanstalt” kommentierten Ausschussmitglieder teils nicht ohne Erstaunen, was sie in den neuen naturwissenschaftlichen Arbeitsräumen oder in der Oberstufenbibliothek der Schule sahen.

Bei der Besichtigung der neben dem pädagogischen Zentrum installierten neuen Einrichtung für die warme Mittagsverpflegung wurden dann jedoch die unterschiedlichen Auffassungen von Schulleiterin Annegret Krewald und Dezernent Helmut Preuß als Vertreter des Schulträgers erneut überaus deutlich.

Obwohl sie den Ausschussmitgliedern neues Inventar für die Mittagsverpflegung mit Fertiggerichten im Wert von knapp 27.000 Euro und eine eingerichtete Cafeteria mit über 100 Plätzen zeigen konnte, sprach die Schulleiterin von einer „Problemzone”. Die Kapazität reiche allein für die Sextaner, die in diesem Schuljahr in den Ganztagsunterricht gestartet seien. Die über 400 Oberstufenschüler würden aber auch gerne zu Mittag essen, und ab nächstem Jahr kämen neue Sextaner im Ganztagsunterricht hinzu. „Wir haben einfach nicht genug Platz!”, erklärte sie. „Wir stehen vor einem Dilemma, dem wir in die Augen schauen müssen!” Demonstrativ wandte sie sich dabei von Preuß ab, der die genau entgegengesetzte Meinung vertrat.

Die Verpflegungsmöglichkeiten seien schon jetzt besser als die an anderen Schulen im Kreis, konterte Preuß. Man müsse eben den Weg der kleinen Schritte gehen. Als ein heftiger Streitpunkt zwischen Schulleitung und -träger kristallisierte sich dabei die aktuelle Nutzung von Klassenräumen für die Mittagsverpflegung heraus. Diese Umfunktionierung vertrage sich nicht mit den Bedürfnissen guten Unterrichts, so Krewald in Bezug auf den dadurch entstehenden Lärmpegel und die Problematik der Sauberkeit in den für die Verpflegung genutzten Klassenräumen. „Ich will nicht klagen, ich will nur warnen, dass dieses Provisorium sich bald aufzehren wird”, betonte sie.

Diskutiert wurde schließlich auch die konkrete Ausgestaltung der Mittagspause, an der zurzeit im Kreisgymnasium alle Kinder im Klassenverband verpflichtend teilnehmen müssen, ob sie sich an der warmen Mittagsverpflegung beteiligen oder nicht. Zurück im Lehrerzimmer stellte Preuß den Ausschussmitgliedern noch einmal die drei Beschlussvarianten zur Mittagsbetreuung am Kreisgymnasium vor. Da war zunächst die von der Schulleitung favorisierte Lösung eines Neu- oder Erweiterungsbau mit Kosten von rund einer Million Euro, die aber im Widerspruch stehe zu den Aussagen der kreisweiten Schulentwicklungsplanung, so der Dezernent.

Die von der Kreisverwaltung favorisierte Lösung sieht dagegen an Stelle von aktuellem Snack- und Fertiggericht-Angebot die Anschaffung einer zusätzlichen Kücheneinrichtung für rund 150.000 Euro vor und geht davon aus, dass zusätzliche Plätze durch die Umnutzung vorhandener Räume geschaffen werden können. Derzeit favorisiert wird von ihr jedoch ein dritter, im Bauausschuss entwickelter Vorschlag, die Resonanz auf das am Montag in der Schule gestartete Fertiggericht-Angebot abzuwarten und eine endgültige Entscheidung zunächst für ein Jahr zurückzustellen. Diesem Vorschlag folgten die Ausschussmitglieder einstimmig.