Beeck: Luftige Gesundheitsspritze für den Beecker Wald

Beeck : Luftige Gesundheitsspritze für den Beecker Wald

Mit leicht gesenkten Köpfen stehen zwei dick eingepackte Gestalten auf dem Rübenfeld zwischen dem Beecker Wald und der Landstraße nach Ellinghoven.

Ein kalter Wind lässt die Männer sich tief in ihre Jacken ducken, und immer wieder prasseln dicke Regentropfen auf ihre Gamsbarthüte.

Die Männer sind Robert Jansen vom Forstamt Eschweiler und Wilfried Förster, der Leiter des Forstbetriebsbezirks Wegberg - sie warten auf einen Hubschrauber.

„Unser Waldboden ist sauer”, erklärt Wilfried Förster. „Darum starten wir heute eine nicht ganz alltägliche Maßnahme, um einen weiteren Abfall des Boden-pH-Wertes zu verhindern.”

Der Beecker Wald soll verkalkt werden, und das nicht mit Eimern und Spaten, sondern mit Hilfe eines Hubschraubers, der das heilende Gegenmittel aus der Luft gleichmäßig über den ganzen Wald verteilt.

Nur - der Hubschrauber ist noch nicht da. „Schlechte Wetterverhältnisse”, vermutet Robert Jansen. Der Hubschrauber kommt aus Ahlen.

Die beiden Förster lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie sind es gewohnt, bei jeder Witterung draußen zu sein, trotzdem schauen sie auf die Uhr, lauschen auf Rotorengeräusche aus der Luft.

Zwei große Lkw mit den ersten beiden Ladungen Kalk waren schon da. 54 Tonnen des sandfarbenen Granulats haben sie auf einem Feldweg abgeladen, von wo aus der Kalk mit einem kleinen Schaufelbagger in einen etwa zwei Meter hohen Trichter geladen wird.

Mit diesem soll der Hubschrauber das Material später über den Bäumen ablassen. „Der Kalk besteht zum Teil aus Staub, der direkt mit dem Regen- und Tauwasser im Waldboden versickern soll”, weiß Robert Jansen zu berichten. „Es gibt aber auch bis zu drei Millimeter dicke Körner, die sich erst nach und nach auflösen. So erreichen wir eine bessere Langzeitwirkung.”

Wilfried Förster horcht auf. Ein leises Rauschen ist aus nordöstlicher Richtung zu vernehmen.

Und tatsächlich, aus den Wolken, die sich mit der Zeit ein wenig gelichtet haben, bricht der lang erwartete Helikopter hervor. Langsam kommt er näher und senkt sich am Waldrand auf den matschigen Boden herab. Pilot Bernd Schwiedler steigt aus dem 16 Meter langen Hubschrauber der Marke Dell 205 aus und wird freundlich von den Wartenden begrüßt. „Keine gute Sicht unterwegs”, bestätigt er die Vermutung der beiden Förster.

Schwiedler ist seit 32 Jahren Pilot. Vor 15 Jahren wechselte er von der Bundeswehr zum Agrarflug Ahlen. „Die Wetterabhängigkeit gehört dazu”, berichtet der Pilot gelassen. „Aber wir werden das Kind schon schaukeln. Mit der Zeit kriegt man Routine.”

Insgesamt 83 Hektar Wald sind in Beeck zu kalken. Dafür werden knapp 250 Tonnen Kalk benötigt. Allerdings kann der Hubschrauber nur 500 Kilogramm auf einmal mit nach oben nehmen.

Aufladen - Ausfliegen - Aufladen - Ausfliegen, das ist das Prozedere, das in Beeck über zwei Tage hinweg ständig wiederholt werden muss. „Und alle 40 Minuten komme ich runter, um Treibstoff zu tanken”, erklärt der Pilot, der vor dem ersten Start noch die Landkarten studiert und mit seiner „Bodencrew” mögliche Probleme bespricht.

Endlich ist es so weit, und die Rotoren des Helikopters setzen sich dröhnend in Bewegung. Bernd Schwiedler hebt ab. Jetzt beginnt seine wichtige Arbeit, mit der er schon vielen versäuerten Wäldern Linderung verschafft hat. Er dreht zwei Runden und wirft die erste Tonne Kalk ab.

Aber es gibt ein Problem: Der Motor des Kalkverteilers am Trichter ist ausgegangen. Bernd Schwiedler muss landen. Mit vereinten Kräften bemühen sich seine Mitarbeiter, den Defekt zu beheben.

Nach 20 Minuten läuft der Motor wieder, und der Flug geht weiter. „Ärgerlich”, zuckt Wilfried Förster mit den Schultern. „Aber die Jungs haben es ja hingekriegt. Und ändern kann man sowieso nichts.”

Und so setzt sich der Helikopter wieder schwerfällig in Bewegung und verrichtet geduldig sein Werk. Am nächsten Tag soll alles geschafft sein, aber aus der Ruhe bringen lässt sich hier niemand.

Keine Belastung für Umwelt, Mensch und Tier

Der pH-Wert des Beecker Waldbodens liegt auf einer Skala von 1 bis 14 (neutral bei 7) bei 3,4 bis 3,8. Optimal wäre hingegen ein Wert zwischen 4,5 und 5.

Um eine weitere Versäuerung zu verhindern, wird mit dem Helikopter gekalkt. Das abgelassene Material ist weder für Menschen noch für Tiere giftig, und die Grundwasserqualität verbessert sich sogar.

Deshalb werden solche Waldkalkungen auch zu 90 Prozent vom Land NRW gefördert.