Wassenberg-Ophoven: Lücke im Altar jetzt wieder geschlossen

Wassenberg-Ophoven : Lücke im Altar jetzt wieder geschlossen

Der Kunstraub in der Ophovener Wallfahrtskirche im Spätsommer 2001 blieb ungeklärt.

Die Darstellung „Flucht nach Ägypten” im berühmten Antwerpener Schnitzaltar tauchte nicht wieder auf. Es blieb also nur übrig, einen Schnitzer zu finden, der die nötigen handwerklichen Fertigkeiten und die innere Einstellung zu einem sakralen Kunstwerk besitzt, um die Darstellung im „Marienleben” zu vervollständigen.

Glücklicher Zufall

Da kam der glückliche Zufall zu Hilfe bei der Ausstellung heimischer Künstler in Wassenberg. Hierbei fiel der in Bocket beheimatete Hans Zaunbrecher auf, der seine sakralen Kunstwerke in Wassenberg ausstellte, nachdem er bereits bei anderen Kunstausstellungen - darunter in der Burg in Erkelenz - seine figürlichen Darstellungen von Heiligen gezeigt hatte.

Hans Zaunbrecher, der schon vor Jahren aus gesundheitlichen Gründen aus dem Postdienst ausgeschieden war und sich seitdem ganz gezielt der künstlerischen Holzschnitzerei zugewandt hat, nahm den ihm von Propst Rainer Mohren erteilten Auftrag an, eine neue „Flucht” für den Antwerpener Altar aus dem frühen 17. Jahrhundert zu schnitzen.

Kunstkurse besucht

Frühere Arbeiten, wie die Darstellung der heiligen Anna in der Waldfeuchter Kapelle oder des heiligen Josef in Saeffelen, nährten die Zuversicht, dass es klappen würde. Kunstkurse an der Kunstakademie Düsseldorf bei Professor Haberle und anderen berufenen Lehrern verhalfen Hans Zaunbrecher dazu, seine über die Malerei entwickelte Schnitzerei zu echter künstlerischer Aussage zu entwickeln.

Bei der Christmette in der Wallfahrtskirche stellte Propst Rainer Mohren der Ophovener Gemeinde die neue „Flucht” als Geschenk für die als Schatzkästlein gehütete und geschätzte Wallfahrtskirche vor. Hans Zaunbrecher hat in der Folgezeit noch einige Feinheiten vorgenommen. Die „Flucht” steht jetzt endgültig an ihrem ursprünglichen Platz. Das „Marienleben” ist wieder vollständig, wenn auch nicht im Original.

Markante Köpfe

Hans Zaunbrecher ist es erstaunlich gut gelungen, die markanten Köpfe der niederländischen Menschen, die von den Schnitzern der Antwerpener Schnitzerschule so eindeutig und markant „getroffen” wurden, ebenfalls deutlich zu machen. Sein Block mit der Fluchtszene ist aus altem, dunklem Eichenholz gearbeitet.

Der Schnitzer des 21. Jahrhunderts lehnte sich dabei an die Schnitzerkunst der maasländischen Meister an, die für ihre großen Kunstwerke im ausgehenden Mittelalter berühmt waren. Sie arbeiteten alle mit altem, harten Eichenholz - anders als die süddeutschen und Tiroler Meister, die meistens weiches Lindenholz verwendeten.

Im Waldfeuchter Raum gab es auch in der jüngeren Vergangenheit Schnitzerfamilien, die Erstaunliches leisteten. Hans Zaunbrecher aus dem limburgischen Grenzraum legte sein ganzes Können in eine Arbeit, die ihm alle Ehre macht.

Kirche gesichert

Die Absicherung der Kirche und ihrer Kunstschätze durch Einbau einer Sicherungstür im neu geschaffenen kleinen Betraum im wieder geöffneten Hauptportal im Westturm der Kirche ist inzwischen auch abgeschlossen. Die Kirche kann in ihrem inneren Teil von hieraus jederzeit besichtigt werden.

Der spirituellen Betrachtung dient auch die Aussetzung der kleinen, schlichten Monstranz mit dem Allerheiligsten. Hier wird an jedem Dienstag um 12 Uhr eine kleine Anbetung gehalten.

Zeit für Gespräche und Gebete

In der Propsteikirche St. Georg Wassenberg trifft sich jeden Dienstag und Samstag, um 8 Uhr eine Gruppe von Männern und Frauen zum Laudes-Gebet für Kranke, Sterbende und den Frieden in der Welt.

In der Lambertus-Kirche in Wassenberg-Birgelen besteht jeden Donnerstag von 8.30 bis 10 Uhr Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen in einem eigens hierfür hergerichteten Raum hinter der Lambertus-Skulptur im rückwärtigen Teil des Gotteshauses.