„Letzte Hemden” unter dem Hammer

„Letzte Hemden” unter dem Hammer

Kreis Heinsberg. Die Stimmung war fröhlich. Die anwesenden Bieter für die originellsten „letzten Hemden”, die an Bundeskanzler Gerhard Schröder geschickt und dann später der Caritas-Werkstatt Schierwaldenrath überlassen worden waren, zeigten sich ausgelassen.

Schon im Vorfeld lachten sie herzlich über den einen oder anderen Spruch. Helmut Frenken und Frieda Simons „begutachteten” die Hemden eingehend. Eventuell wollten sie mitbieten. „Es ist ja für einen guten Zweck.” Der Erlös kommt der Arbeit der Caritas-Werkstatt zugute.

Auch Kabarettist Wendelin Haverkamp, der sich als Auktionator zur Verfügung gestellt hatte, war gut aufgelegt. Zunächst stellte er noch einige Betrachtungen zum Westzipfler an, der ein Maasländer und kein Rheinländer sei.

Pferde liebe der Westfale, sogar im Wappen, und der Westzipfler, der allerdings als Sauerbraten. Mit solchen Sprüchen lockerte Haverkamp die Stimmung weiter auf, so dass die Versteigerung mit Spannung erwartet wurde.

Es standen Hemden zur Versteigerung an mit Sprüchen wie „Ich erhöh euch die Steuern, gewählt ist gewählt, ihr könnt mich jetzt nicht mehr feuern, das ist ja das Geile an der Demokratie”, „Hallo Herr Kanzler, ich bin ja so gespannt, was für Steuern sie noch erheben”, „Schröder versprochen, Schröder gebrochen” oder „Gerhard Schredda-Schröpf Hemd den Aufschwung”.

Das erste Hemd wurde nun aufgerufen. Nach Berlin geschickt hatte es eine aus Sachsen (zwei Arbeitslose). Zunächst waren die Bieter sehr zögerlich. Drei Euro war das Mindestgebot. Der Anfang wurde gemacht. Schon hieß es: „Vier!”, „Fünf!” und „Sechs!”. Schließlich ging es in 50-Cent-Schritten weiter, und letztlich kam es für elf Euro unter den Hammer.

Immer lustiger wurde die Stimmung. Haverkamp verstand es, die Hemden anzupreisen. Selbst zerrissene Stücke bewarb er noch als „1a-Putzlappen”. Zum weiteren Anreiz gab es ab und an noch eine CD dazu.

Hemd ist bekanntlich nicht gleich Hemd. So kann ein Unterhemd genauso unter diesen Begriff fallen wie ein Smokinghemd. Beides war im Angebot. Das Unterhemd mit der Aufschrift „Ein starker Kanzler - Wo?” hatte es Regionaldekan Günter Meis angetan.

Er bot mit und bekam schließlich bei elf Euro den Zuschlag. Spontan ließ er sich dazu bewegen, das neuerworbene Stück gleich anzuziehen. Dabei hatte er die Lacher auf seiner Seite. Der Regionaldekan will das Hemd nun im Pfarrbüro in seiner Pfarrgemeinde in Unterbruch ausstellen.

Das Smokinghemd „Rot-Grün = Ruin” brachte den höchsten Erlös. Es ging für 20 Euro an Willi Schreinemachers. Immer hatten die Bieter den guten Zweck vor Augen.

Schon im Vorfeld hatten sich die Frauen von der Wäscherei der Caritas-Werkstatt, Abteilung Heinsberg, mit dem Aufbereiten der Hemden viel Mühe gegeben. „Waschen ging ja nicht, dann wäre die Schrift weggewesen. Die meisten haben einen Filzstift benutzt. Beim Dampfbügeln musste man auch ganz vorsichtig sein. Natürlich habe ich auch schon mal über die eine oder andere Aufschrift gelacht”, so Angela Vierkotten, die die Hemden auktionsfertig gemacht hatte.

Sie war mit ihrem Ehemann auch bei der Versteigerung dabei. Gleich drei Hemden ersteigerte ihr Mann Hans-Jürgen. Er meinte: „Für meinen persönlichen Bedarf sind die wirklich nicht, aber der gute Zweck hat mich überzeugt.”

Gegen Ende wurden dann gleich mehrere Hemden auf einmal versteigert. Da waren Schnäppchen von drei Hemden für drei Euro möglich. Das letzte Hemd der Versteigerung ging dann für 13 Euro samt CD an den neuen Besitzer. Insgesamt kamen für 25 Hemden und zehn T-Shirts rund 300 Euro zusammen.

Haverkamp schloss die Versteigerung mit den Worten: „Obwohl es heute sehr lustig war, sollte man nie vergessen, dass es Menschen gibt, die wirklich ihr letztes Hemd tragen.”