Erkelenz: Lernen für die Zukunft, hoffen auf Morgen

Erkelenz : Lernen für die Zukunft, hoffen auf Morgen

Debattiert wurde politischerseits ausgiebigst, als die „Pisa”-Analyse den Bildungsstand des deutschen Nachwuchses auf einen ernüchternden Nenner brachte.

„Deprimierend” nannten das nicht wenige. Und skizzierten optimistisch, wie die Schieflage zu beheben sei.

Statiker haben sich aber scheinbar seither noch nicht ans Werk gemacht, den Bildungsturm auf gesundes Fundament zu setzen. Das System krankt, meinen Eltern wie Lehrer allerorts. Führt die Klassenfahrt von „Pisa” geraden Weges nach Atlantis?

„Ich hatte nach Pisa eigentlich mehr erwartet”, sagt Walter Woltery, Direktor des Hückelhovener Gymnasiums. Das, was derzeit landesweit für Unmut sorgt, Unterrichtsausfall nämlich, gebe es an seiner Schule zwar nicht. Die Art, wie das Lehrplan-Soll erreicht wird, klingt aber paradox:

Denn Wolterys Haus ist ein so genanntes Ganztagsgymnasium. Das Modell der Ganztagsbetreuung wiederum haben sich die rot-grünen Regierungen in Land und Bund auf ihre Fahnen geschrieben - als Konzept zur Bewältigung der Bildungskrise.

In Hückelhoven allerdings zwingt man die Verantwortlichen momentan dazu, dieses Angebot zu schmälern. Gab es Ganztagsbetreuung bislang zweimal pro Woche, so gibt es sie nun im Regelfall nur noch einmal.

Warum reduziert werden musste? Weil die Lehrer gebraucht werden, um zumindest das Halbtags-Curriculum für alle Klassen aufrecht zu erhalten. Denn Woltery muss seine Pläne derzeit „mit einem Unterhang von fünf Stellen”, also mit fünf Lehrern zu wenig machen.

Aber er sei „guter Hoffnung”. Vier Planstellen würden in diesem Jahr besetzt. Schule und Elternschaft seien bei der Bezirksregierung „massiver vorstellig geworden”. Die Bezirksregierung zeige ohnehin ihr Bemühen. Sie könne eben nur den Etat verteilen, den ihr das klamme Land gebe.

Und der „Geld-statt-Stellen”-Topf beispielsweise, aus dem Vertretungen für langzeiterkrankte Lehrer finanziert werden sollen, ist leer. Was Willy Meersmann, Leiter des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums in Wegberg, aktuell zu spüren bekommt. Dort ist ein Kollege langzeiterkrankt. Ihn vertraten zwei junge Lehrer und ein Referendar.

Fast am Vortage des neuen Halbjahres kam die Nachricht: Entlassung der drei Ende Februar. Eine „erhebliche Mehrbelastung” bedeute dies. Gemeistert werde sie aber: durch motivierte Kollegen, die einspringen. Unterrichtsausfall könne so weitgehend vermieden werden. Auch, indem Prioritäten gesetzt werden. So gebe es in der Oberstufe nur zwei statt drei Wochenstunden Erziehungswissenschaften und Katholische Religion.

Nach der näheren Zukunftsperspektive gefragt, antwortet Meersmann wie Amts-Kollege Woltery. Er lobt das Bemühen der Bezirksregierung und sagt, die Situation werde im kommenden Jahr besser. Nicht ganz so optimistisch blickt Michael Bierbach, Direktor des Erkelenzer Cusanus-Gymnasiums, in die „fernere” Zukunft.

In den nächsten drei bis vier Jahren gingen ungefähr 20 Lehrer in Pension - weit mehr als ein Viertel seines Kollegiums. Er könne nur hoffen, dass das Ministerium junge Kollegen bereit stelle. Schon jetzt müsse er „die Klassen bis zur Soll-Grenze füllen”, Gruppen mit über 30 Schülern seien keine Seltenheit.

Das verhindere gemeinsam mit vorübergehenden Überstunden des Kollegiums und dem Setzen von Prioritäten - Reduzierungen in den Fächern Sport und Musik - gravierende Unterrichtsausfälle.

Überstunden machen auch mehrere Lehrer am Cornelius-Burgh-Gymnasium in Erkelenz, wie Schulleiter Helmut Karg berichtet. Einen generellen Unterhang habe er zwar nicht zu beklagen.

Aber eng werde es schon, wenn Kollegen ausfielen - wie Anfang des Schuljahres im Fach Physik. Das lasse sich nicht immer mit Mehrarbeit auffangen. Was seine Amtskollegen ganz genau so sehen. Denn die Lehrer - so sind sie sich einig - arbeiteten meist eh´ bereits am Limit.