"Lebensmittel sind mehr wert"

"Lebensmittel sind mehr wert"

Kreis Heinsberg (an-o) - "Lebensmittel sind mehr wert!" und "Geiz hat Grenzen!" sind die Botschaften einer Kampagne des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes und des Deutschen Bauernverbandes. Auch die die Kreisbauernschaft Heinsberg geht mit dieser Aktion an die Öffentlichkeit.

Kreisvorsitzender Bernhard Conzen erinnerte zum Auftakt der Aktion an die bundesweiten Proteste von tausenden Bäuerinnen und Bauern gegen Billigstpreise, die insbesondere bei Milchprodukten einer Wertevernichtung gleich kämen. Der Lebensmittelhandel habe einen Preiskampf losgetreten, der weit über die Schmerzgrenze geht. So seien die Auszahlungspreise der Molkereien binnen weniger Monate gleich um mehrere Cent abgestürzt.

Bauern tragen schwer

Den jüngsten Preiskrieg bezeichnete Conzen als "die Spitze einer Entwicklung, die wir seit Jahren mit großer Sorge betrachten". Während die Lebenshaltungskosten in den vergangenen sieben Jahren um elf Prozent stiegen, hätten sich die Lebensmittelpreise mit einer Steigerung von sieben Prozent als "Inflationsbremse Nummer 1" erwiesen.

Die Konsequenz: Die Verbraucher freuen sich, und die Bauern tragen schwer an der Kehrseite dieser Entwicklung. Conzen verwies auf die bei sinkenden Erzeugerpreisen gleichzeitig höheren Anforderungen an Qualitätsstandards sowie Kontrollen und höheren bürokratischen Aufwand. Dies führe insgesamt zu einer unbefriedigenden Einkommenssituation. Er rechnete vor, dass der Landwirt von jedem ausgegebenen Euro für Lebensmittel nur noch durchschnittlich 27 Cent erhält.

Die bekundete Bereitschaft der Bevölkerung zu Mehrausgaben für gute Qualität, gesicherte und kontrollierte Herkünfte sowie für artgerechte Haltung und Bioprodukte werde von der tatsächlichen Marktsituation nicht bestätigt. So bevorzugt der Verbraucher entgegen solcher Bekundungen an der Ladentheke das preiswertere Angebot. Anders als in Frankreich und Italien entwickele sich das Essen bei vielen Deutschen weniger zum familiären und gesellschaftlichen Vergnügen, "sondern verkommt zur preiswerten und schnellen Nebentätigkeit".

So werde in der Anonymität der Supermärkte auch zum Preisgünstigsten aus Übersee oder aus der verpönten Käfighaltung gegriffen. Entsprechend drehten sich die Preisschrauben im Lebensmitteleinzelhandel nach unten und die Discounter dehnten ihren Anteil auf fast 40 Prozent aus. Um auf die fatalen Wirkungen aufmerksam zu machen, soll der Dialog mit den Verbrauchern gesucht und das Bewusstsein für faire Lebensmittelpreise gestärkt werden. Zur Kampagne gehören Plakate, Aktionen vor Lebensmittelgeschäften und die öffentliche Diskussionen.