Kreis Heinsberg: Lebenshilfe hat Vision zum Thema Wohnen

Kreis Heinsberg : Lebenshilfe hat Vision zum Thema Wohnen

Einen guten Einblick in die Entwicklung der Lebenshilfe Heinsberg von den Anfängen 1966 bis zur Feier des „50-Jährigen“ 2016 hat der Ausschuss für Gesundheit und Soziales erhalten, der unter Vorsitz von Dr. Hanno Kehren (CDU) vor Ort in Oberbruch tagte.

Lebenhilfe-Geschäftsführer Edgar Johnen hatte in seinem Vortrag den Bogen gespannt von der ersten Tagesbildungsstätte für geistig behinderte Kinder in Oberbruch und dem ersten Sonderkindergarten für körperbehinderte Kinder in Erkelenz bis zum Neubau des Lebenshilfe-Centers in Oberbruch und aktuell insgesamt 42 Standorten im Kreisgebiet.

„Kinder, Wohnen, Arbeiten und mehr...“: Unter diesen Schwerpunkten präsentierte der Geschäftsführer den Ausschussmitgliedern die Lebenshilfe. „Es ist absolut beeindruckend, was da in der Breite und Tiefe geleistet wird!“ Mit diesen Worten zollte Hanno Kehren im Namen des Ausschusses dem vom Vorsitzenden Karl Meier geführten Eltern­verein Lob und Anerkennung.

Mit Blick auf die Kinder fanden sowohl die interdisziplinäre Frühförder- und Beratungsstelle als auch das Autismuszentrum Erwähnung. Bei den Kindertagesstätten tut sich was: Die Lebenshilfe betreibt Familienzentren in Geilenkirchen und Heinsberg. Die neue Kindertagesstätte in Hückelhoven-Ratheim ist noch in Bau. Es gibt laut Johnen zudem fortgeschrittene Gespräche mit der Gemeinde Waldfeucht.

Sechs Wohnstätten und zwei Wohnverbunde für insgesamt rund 200 Menschen, ambulant unterstütztes Wohnen für weit mehr als 100 Menschen, Seniorenbetreuung, individuelle, tagesstrukturierte Angebote, 410 Angestellte (inklusive Pflegedienst): Dies waren einige der Zahlen, mit denen Johnen rund um das Thema Wohnen aufwartete. Ein Thema, das Johnen in dieser Ausschusssitzung des Kreises aber auch mit einer Vision bereicherte: Die Lebenshilfe wolle sich für inklusive, barriere­arme Wohnangebote im Kreis Heinsberg einsetzen — ­gemeinsam mit Partnern.

Es gehe um das Arbeiten an neuen Wohn- und Freizeitkonzepten für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf und unter dem Stichwort „Wohnen im Quartier“ um die Realisierung sozialraumorientierter Wohnkonzepte — für Jung und Alt, für Alleinstehende und Familien, für Menschen mit und ohne Behinderung.

„Werkstatt für alle“

1200 Mitarbeiter mit Behinderung, 340 Angestellte und mehr als 500 zufriedene Kunden: Mit diesen Zahlen aus den Werkstätten dokumentierte der Lebenshilfe-Geschäftsführer Teilhabe am Arbeitsleben. Johnen erneuerte in diesem Zusammenhang das Lebenshilfe-Plädoyer, eine „Werkstatt für alle“ sein zu wollen, auch für Menschen mit schweren Behinderungen. Für solche Menschen sei der Kreis Heinsberg Zuzugsgebiet. „Dem stellen wir uns.“ Eine Einschätzung, nach der ein Mensch so stark behindert sei, dass er nicht mehr werkstattfähig sei, „das hat es in all den Jahren noch nicht gegeben“, so Johnen.

„Es kommt niemand zu uns, weil er uns etwas Gutes tun will“, beschrieb er die Konkurrenzsituation, der sich die Werkstätten stellen müssten. Auftraggeber würden knallhart kalkulieren. Wenn andere günstiger seien, gehe auch mal ein Auftrag weg. Aber: „Wir sind mit modernen Maschinen gut aufgestellt, um konkurrenzfähig zu sein“, zeigte sich Johnen für die Zukunft zuversichtlich. Der Geschäftsführer stellte die betriebsintegrierten Arbeitsplätze (zurzeit 65) zur Förderung der Teilhabechancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt heraus und vergaß nicht die Arbeitsplätze in den fünf Lebenshilfe-Cafés im Kreisgebiet. „Wir zeigen, wozu Menschen mit Behinderung in der Lage sind“, so Johnen.

(disch)
Mehr von Aachener Nachrichten