„Lassen Sie Ihre ,Schäfchen nicht im Stich!”

„Lassen Sie Ihre ,Schäfchen nicht im Stich!”

Kreis Heinsberg. Mit großer Bestürzung und Sorge um die Zukunft der Pastoral in der Region Heinsberg hat der Katholikenrat der Region Heinsberg mit seinem Vorsitzenden Lutz Braunöhler die Absicht des Generalvikars zur Schließung der Regionalstellen zum 31. Dezember 2004 zur Kenntnis genommen.

Katholikenrat und Pastoralrat haben Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff gebeten, „umgehend alle Maßnahmen und Absichten zurückzunehmen und die Regionalstellen als wesentliche und dringend notwendige Bindeglieder zur Vernetzung der Pastoral in der Region und zur ortsnahen Begleitung der Bildung und Entwicklung der Gemeinschaften der Gemeinden bestehen zu lassen” sowie „den Generalvikar zu entlassen, da das Vertrauen der Christen vor Ort und der regionalen Räte in eine sinnvolle Zusammenarbeit mit dem Generalvikar nachhaltig zerstört ist”.

Die Aufgaben des Katholikenrats würden sich nicht mehr ernsthaft wahrnehmen lassen, heißt es in einem Brief von Braunöhler an den Bischof, wenn die Regionalstellen als Bindeglieder für die kirchliche Arbeit in den Pfarrgemeinden und Gemeinschaften von Gemeinden faktisch wegfielen und nur noch ein Miniaturspektrum zu bearbeiten hätten und bearbeiten könnten.

Die Regionalstelle in Heinsberg habe in der Vergangenheit wertvolle und hilfreiche Zuarbeit für die Bewältigung der Aufgaben des Katholikenrats und des Pastoralrats geleistet. Sie habe in vielfältiger Weise Initiativen für die pastorale Arbeit in der Region entwickelt und sachkundig unterstützt.

Eine Übertragung von Aufgaben auf Bildungsforum und Caritasverband könne den Bedürfnissen der ehrenamtlichen Laien wie auch aller Christen in der Region keinesfalls gerecht werden. Eine Streichung von Stellen im Jugendbereich würde bei den Betroffenen auf völliges Unverständnis stoßen.

Auch eine wirksame Interessenvertretung gegenüber Gemeinden, Städten und dem Kreis könne ausschließlich durch die Region und nicht durch eine Zentralstelle in Aachen wahrgenommen werden.

Die Regionen seien seit Sommer bemüht, die Vorgaben der Sparverfügung des Generalvikars zu erfüllen und Ausgaben einzusparen. Diese Erfolg versprechenden Bemühungen würden ohne zwingenden einleuchtenden Grund konterkariert.

Eine Neuaufteilung von reduzierten finanziellen Mitteln auf die einzelnen Regionen nach schlüssigen Vergleichbarkeitskriterien müsse vorangetrieben werden. So könne der finanziell tragbare Fortbestand der Regionalstellen gesichert werden. Daher sei dieses Modell zu favorisieren.

„Sofern die Ausgangsüberlegung für die Schließungsabsicht auf der Überlegung beruhen sollte, dass betriebsbedingte Kündigungen nach arbeitsrechtlichen Gesichtspunkten leichter durchzusetzen seien, wenn sich das Bistum vollständig von einer Einrichtung trennt, ist dem entgegenzuhalten, dass diese Auffassung auch nach arbeitsrechtlichen Grundsätzen unzutreffend ist. Zudem wäre dies eine rechtswidrige Umgehungsmaßnahme, die leicht als solche zu durchschauen ist”, wird in dem Schreiben auch auf einen juristischen Aspekt verwiesen.

„Lassen Sie Ihre ,Schäfchen nicht im Stich und nehmen Sie Abstand von der Schließungsabsicht”, lautet der Appell aus Heinsberg. Die Kirche dürfe nicht aus dem Blickfeld der Menschen geraten.

Vor allem im ländlichen Raum müsse sich daher die Regionalstelle diesen Menschen weiterhin als zentraler Anlaufpunkt und wirksames Bindeglied vor Ort anbieten. Nach der fortschreitenden priesterlichen „Verwaisung” vieler Pfarrgemeinden biete gerade die Regionalstelle eine wichtige Möglichkeit, christliches Miteinander erfahrbar zu machen.

Wie bereits mehrfach berichtet worden ist, sollen alle Regionalstellen des Bistums Aachen bis zum Ende des Jahres geschlossen werden. Diese Nachricht hat eine heftige öffentliche Debatte ausgelöst. Eine neue Homepage zeichnet diese Debatte nach und lädt zum Mitdiskutieren ein.

Unter http://www.nicht-ohne-regionalstellen.de werden Presseberichte, Offene Briefe, Solidaritätsadressen und vieles mehr dokumentiert. Die Homepage wird von allen Regionalstellen verantwortet und gepflegt. Beiträge sind den Verantwortlichen jederzeit willkommen.