Heinsberg: „Ladykillers”: Spannung und Amüsement

Heinsberg : „Ladykillers”: Spannung und Amüsement

Mit „Ladykillers” startete das Theater in die verheißungsvolle neue Spielzeit.

Die Publikumsresonanz war wieder lebhaft, namentlich von weiblicher Seite.

Spannung und Amüsement auf stets offener, mehrstöckiger Bühne waren, wenn auch nicht durchgehend, gegeben.

Am meisten begeisterte die musikalische Teestunde nach der Pause mit turbulenten Kurzszenen.

Die Inszenierung (Regie Axel Schneider) brachte eine Wiederbegegnung mit einem Altmeister deutscher Schauspielkunst: Uwe Friedrichsen, der hier schon mit Goethe, Moliére oder Wallace gastierte. An seiner Seite: Dinah Hinz aus der berühmten Dynastie mit Werner Hinz an der Spitze.

Zumeist werden erfolgreiche Theaterstücke verfilmt. Hier geschah es umgekehrt. Der 1955 gedrehte Film mit Kate Johnson und Alec Guiness nach dem Drehbuch von William Rose das eine Oscar-Nominierung erhielt, bekam Ende der 90-er Jahre eine mit auflockernden musikalischen Einlagen versehene Bühnenfassung, die nun erfolgreich durch die Bundesrepublik tourt, obwohl sie an den Film nicht herankommt.

Dafür fehlen ihr trotz permanenter Action und Gags die Möglichkeiten. Die Bühne bleibt mehr eine Stätte des Worts statt des Bildes. Hinzu kommt hier, dass man fürs englische Theater ein Faible haben muss. Das gilt sowohl für den Krimi als auch den Humor.

Beide mache es dem Zuschauer nicht immer leicht. Herzhaftes breites Lachen à la rheinische Art ist nicht, und Blutrunst fehlt auch. Man muss schon genau hinhören, um den Witz und die Pointen herauszufinden.

Der Verfasser William Rose war zwar Amerikaner, lebte aber lange in England und verstand sich bestens auf die englische Filmbranche.

Er verfasste mehrere sehr erfolgreiche Drehbücher und krönte die Tätigkeit mit „Rat mal, wer zum Essen kommt”, das 1967 einen Oscar erhielt. Einfallsreichtum, geschliffene Dialoge, Absurditäten oder Slapsticks waren seine Markenzeichen.

Ein Stück, in dem alle Akteure singen müssen

Die vieraktige Kriminalkomödie „Ladykillers” gehört zu den beliebtesten Stücken, nachdem sich der Boulevard breit dafür geöffnet hat.

Was die Textvorlage vielleicht noch nicht hergibt, das schafft die Musik, und so mutierte das Stück zu einem Semi-Musical, in dem alle singen müssen, die alte schrullige Lady Wilberforth, ihre nicht minder „verrückten” Freundinnen, vortrefflich verkörpert von Renée Zalusky und Kerstin Fernström, und schließlich das grauenhafte Streichquartett mit Uwe Friedrichsen als Professor Markus an der Spitze, dann Raimond Knoll vom Typ Schnapsnase, Joachim Kwasny mit Schwäche für süßen Kuchen und Peter Schulte-Sandow als Gigolo.

Zweifelsohne das klangschönste Organ hatte Wolfgang Grindemann, der als Revierpolizist immer wieder bei Margret Wilberforth vorbeischaut, nicht trinken, aber ein Lied schmettern darf.

Die Lady lässt ihn eher nicht entkommen. Das gilt auch für die Bahnräuber nach ihrem großen Coup. Psychologisch raffiniert bringt sie alle dazu, sich ins Verderben zu stürzen.

Am Ende bleibt ihr ein Cellokasten voller Geld, während das Leben in dem gemütlichen, altmodischen Haus seinen gewohnten Gang weitergehen kann, mit viel Tee und Port, mit Gesang und Musik.

Da soll noch einer sagen, es gebe keine heile Welt (mehr).

Der Beifall galt allen Akteuren gleichermaßen, obwohl sich besonders Dinah Hinz und Uwe Friedrichsen auszeichneten, der wohl seine unverkennbar markige Stimme eingebüßt hat.