Kreis Heinsberg: Kunsttour: Der Blick in tiefere Schichten wird frei

Kreis Heinsberg : Kunsttour: Der Blick in tiefere Schichten wird frei

40 Stationen umfasste die Kunsttour in der Freizeit-Region Heinsberg am Sonntag. Unsere Zeitung hat sich in den offenen Ateliers und Galerien umgesehen und drei Beispiele ausgewählt - in Heinsberg, Waldfeucht-Bocket und Erkelenz-Gerderath.

Farbe spielt in den Bildern von Christa Walters, die in der Linderner Straße 67 in Heinsberg ihr Haus und ihr Atelier öffnete, eine wesentliche Rolle. Schichtweise wird die Farbe aufgetragen und teilweise wieder abgezogen, wodurch tiefer liegende Schichten frei werden. So wird der Blick des Betrachters in die Tiefe des Bildes hineingezogen.

Doch es sind auch die Kontraste von Hell und Dunkel, durch die die Künstlerin zugleich dem menschlichen Leben mit seinen Licht- und Schattenseiten Ausdruck verleiht. Irgendwie ist nämlich der Mensch stets dabei, auch wenn er meist nur als Schatten oder abstrakter Umriss und erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist.

Ein neuer Werkkomplex sind seit 2005 Arbeiten auf Leinwand und Glas. Sie ermöglichen Transparenz, Durchblick und Spiegelungen. In diesen Spiegelungen wird dann der Betrachter selbst zu einem Teil des Bildes.

Zu den aktuellen Arbeiten von Christa Walters, die an der Europäischen Kunstakademie Trier freie Malerei studierte und bereits zahlreiche Ausstellungen vorweisen kann, gehört das Thema Schrift und Bild. In den Schriftbahnen und verschlossenen Büchern gelingt es Christa Walters auf faszinierende Weise, das Spiel zwischen Offenheit und Geschlossenheit, das ihre Bilder prägt, fortzusetzen und damit zu fesseln. Die Künstlerin freute sich den ganzen Tag über viele Besucher.

Stahl in Bewegung

Mit seinen Objekten und Skulpturen bringt Dirk Gottfriedt, der seit 1982 in Waldfeucht-Bocket, Kirchstraße 34, Ecke Herkenrather Straße, auf einem Restvierkanthof lebt und arbeitetet, Stahl in Bewegung und dies gleich in mehrfacher Hinsicht.

Seine Skulpturen sind unter anderem in Duisburg, Kornelimünster und Düsseldorf als Dauerinstallationen zu sehen. Stahl als Werkstoff bedeutet für den Künstler eine Beständigkeit, die allerdings in Bewegung bleibt und sich permanent verändert.

Der Rost als natürliche Veränderung sorgt dafür, wenn der Künstler seine Arbeit getan hat. „In zehn Jahren werden die Objekte ganz anders aussehen und sind in 50 Jahren immer noch da, wenn man sie nicht zerstört”, ist sich der Künstler sicher.

Das Thema Bogen, Raum und Bewegung beschäftigt ihn dabei von Anfang an und er findet dafür in seinen Objekten immer neue Ausdruckformen. Bei der Kunsttour konnten die erfreulich zahlreichen Besucher nun eine ganze Reihe von Exponaten im Innenhof des ehemaligen Bauerngehöftes, in der ehemaligen Scheune, die bisher als Atelier und Werkstatt diente, auf dem anschließenden Grundstück sowie in der neu errichteten Werkstatt und dem Atelier in Augenschein nehmen.

Das neue Atelier eröffnet Dirk Gottfried, dem seit 1984 die Leitung der Werkstatt für Metallbildhauerei der Kunstakademie Düsseldorf obliegt, nun für seine Arbeit an seinem Wohnort neue Möglichkeiten.

Das Material Stahl hat den in Gerderath auf der Genenderstraße beheimateten Künstler Wilfried Kleiber ebenfalls stets fasziniert. Er gibt seinem Lieblingsmaterial weiche und warme Formen und präsentierte in seinem Atelier und seinem Garten bei der Kunsttour etwa 20 Exponate.

Erstmals zeigte er auch seine neuen Objekte „Ginko-Blätter” sowie seine Serie „People”. Besondere Akzente verlieh der Künstler seinen Edelstahlobjekten, die mit dem frischen Grün in seinem Garten zu verwachsen scheinen im Verlauf einer Nachtausstellung. Knapp hundert Kunstinteressierte zeigten sich beeindruckt von den wirkungsvoll ausgeleuchteten Exponaten in ganz unterschiedlichen Perspektiven.

Auch am Sonntag fanden die unerwarteten Formgebungen von Wilfied Kleiber viel Anklang. Das eigentlich harte Material mit seinen weichen Rundungen und spiegelnden Flächen animierte die Besucher geradezu, diese zu ertasten und den Schwung der Linien nachzuempfinden.

Der Künstler wurde 1964 geboren und beschäftigt sich seit 1996 mit der Bearbeitung von Edelstahl. Gerne ist er nach Absprache bereit, sein Atelier für Interessenten zu öffnen.