Kreis Düren: Kreis schafft Platz für weitere 1100 Flüchtlinge

Kreis Düren : Kreis schafft Platz für weitere 1100 Flüchtlinge

In die ehemalige Kaserne im Gürzenicher Wald, in der zurzeit rund 400 Flüchtlinge untergebracht sind, sollen noch einmal 1100 Menschen eine vorübergehende Bleibe finden. Darauf einigten sich am Dienstag die Bürgermeister im Kreis Düren und Landrat Wolfgang Spelthahn.

Notwendig wird die Entscheidung, weil die Bezirksregierung Köln alle Kommunen aufgefordert hat, spätestens bis Mittwoch je 70 zusätzliche Plätze zur Verfügung zu stellen.

Das ehemalige Munitionsdepot in Gürzenich bietet laut Landrat Wolfgang Spelthahn noch genügend Kapazitäten, alle von der Kölner Bezirksregierung geforderten Flüchtlinge aufzunehmen. „Damit ist für den Kreis mit seinen Kommunen dann das Ende der Fahnenstange erreicht“, sagte Spelthahn. Er gehe davon aus, dass mit dieser zentralen Lösung die Forderung aus Köln für alle übrigen Kommunen im Kreisgebiet abgegolten sei.

Erhebliche Probleme

In Gürzenich sind die Flüchtlinge in einer sogenannten Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht. Sie werden dort nach Zuteilung über das Land NRW registriert und medizinisch untersucht. Zudem stellen sie ihren Antrag auf Asyl. Danach werden sie in der Regel auf andere Städte und Gemeinden verteilt.

Aus logistischen Gründen sei es mit Blick auf die Betreuung das Sinnvollste, die Flüchtlinge an einem zentralen Ort unterzubringen. Schon jetzt haben einzelne Kommunen erhebliche Probleme beispielsweise Etagenbetten zu finden. Ebenso sei es schwer, genügend Dolmetscher und Ärzte zu finden, bisweilen stellt auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln eine Herausforderung dar, weil selbst professionelle Caterer angesichts der Massen überfordert sind.

„Wir können in Gürzenich alles vorhalten“, sagt der Landrat. Die Einrichtung wird vom Malteser Hilfsdienst betrieben. Der Verband habe ausreichend Möglichkeiten, die Menschen zu versorgen. Spelthahn sagte aber auch, dass es für die Kommunen immer schwerer werde. Bund und Land seien in der Pflicht, ausreichende Rahmenbedingungen zu schaffen, vor allem finanzieller Art. Außerdem müsse sich europaweit die Verteilung ändern. Mit den Erstaufnahmeeinrichtungen in Gürzenich, Linnich und an der Rölsdorfer Cornetzhofschule seien im Kreis Düren 2150 Flüchtlinge untergebracht. Das sei fast so viel, wie „ganz Frankreich aufgenommen hat“.

Spelthahn sagte überdies, dass nicht nachvollziehbar sei, dass die Kölner Bezirksregierung, wie vergangenen Freitag geschehen, von allen Kommunen 70 weitere Plätze fordere — unabhängig von ihrer Größe. So müsste die Millionen-Stadt Köln 70 Plätze bereitstellen, und die 4400-Einwohner-Stadt Heimbach ebenso.

„Inhaltlich unklar“

Das Schreiben der Bezirksregierung sei zudem inhaltlich unklar geblieben. Man rätsele, ob es sich um ein Hilfeersuchen oder um eine Anweisung handele. Einige Kommunen im Kreis Düren haben bereits über das Wochenende versucht, nach geeigneten Gebäuden zu suchen, andere reagierten zunächst nicht. Außerdem sei nicht ersichtlich gewesen, ob die geforderten Plätze als Erstaufnahme oder als Notaufnahme gelten sollten. Dies spiele für die Kosten eine Rolle.

Für eine Erstaufnahmeeinrichtung wie Gürzenich habe es zunächst geheißen, das Land übernehme die kompletten Kosten. Nun sei davon die Rede, es würde nur erstattet, was notwendig sei. „Was ist notwendig?“, fragt Spelthahn. Der Kreis habe Kosten, die ihm mit Blick auf die Gürzenicher Einrichtung entstanden seien, bis heute nicht ersetzt bekommen. Wann und in welcher Zahl die zusätzlichen Flüchtlinge nach Düren kommen, ist derzeit unklar, weil Zuteilungen über das Land oft nur spontan erfolgen können — abhängig davon, wie viele Flüchtlinge nach NRW kommen.

(inla)