Hückelhoven: Kraftvoller Ruf der Farben: Johannes Reul stellt seine Arbeiten vor

Hückelhoven : Kraftvoller Ruf der Farben: Johannes Reul stellt seine Arbeiten vor

„Einen so sensilblen Umgang mit Farbe habe ich noch selten genug gesehen. Auch ein fanales Rot oder ein gleißendes Blau wirken auf mich weder gezwungen noch provozierend”, so charakterisierte der Aachener Kunsthistoriker und -kritiker Stefan Skowron die Arbeiten des Erkelenzer Künstlers Johannes Reul.

Zur Eröffnung von dessen Ausstellung „Ruf der Farbe” hatte der Kunstverein Canthe ins Alte Rathaus in Ratheim eingeladen. Und viele waren diesem Ruf gefolgt, wie der Canthe-Vorsitzende Dr. Hans Latour in seiner Begrüßung erfreut feststellte. Johannes Reul macht die Farbe zum Thema seines künstlerischen Schaffens, wobei er bei aller Abstraktion nicht auf Bezüge zur Realität verzichtet, so dass durchaus die Illusion von Tiefe, Nähe, Höhe und Weite entsteht und die meist mit Acryl auf Leinwand gemalten Bilder keinesfalls als sinnfreie Kunstäußerungen verstanden werden dürfen.

Aber immer wieder und ausschließlich ist es die Farbe, die sich unabhängig von der ihr zugeteilten Gestaltungsausgabe durchsetzt, wobei die mögliche rational bestimmte Konstruktion in den Hintergrund tritt und der Intuition Platz macht. Gleichermaßen einfühlsam und kenntnisreich führte Stefan Skowron, der die künstlerische Entwicklung von Johannes Reul seit vielen Jahren begleitet, in die Ausstellung ein, ohne die Besucher auf eine bestimmte Sehweise festlegen und ihnen vorschreiben zu wollen, wie sie die gut drei Dutzende Werke zu betrachten hätten.

Ausgehend von den Vorgängen beim Auftauen eines Sees nach langer Winterzeit und den dabei entstehenden Farbenspielen bekannte Skowron (um im Bild zu bleiben) Farbe: „Es ist jene mir nicht fremde, mir hingegen wohl vertraute Natürlichkeit von Formen und Farben, die mir seine Bilder auf eine Weise nahe stehen lassen, als wüsste ich, woraufhin sie gemalt worden, was sie zeigen, wem sie gewidmet sind.” Johannes Reul sei nicht danach, ein Abbild zu schaffen von Dingen, die passierten, sondern resultiere geradewegs aus seinem malerischen Tun, das wiederum seinen Anfang nehmen könne aus einer Reise, aus der Kraft der Farbe selber oder aus einer Form.

Aus diesem Initialstadium ergäben sich dann die Diskussion und das Ausfragen nach allen gegebenen Möglichkeiten. Und bei dieser Tätigkeit gehe es nicht um die Suche nach dem Geniestreich, sondern um stetes Herausfordern, Suchen und manchmal auch Abweisen. „Ein Künstler muss schaffen. Die Kunst ist sein Handwerk”, diesem Wort Max Liebermanns fühle sich Johannes Reul verpflichtet, und er folge dieser Maxime. Und die so entstandenen Arbeiten fügten sich als Unikate manchmal auch folgerichtig zu Serien zusammen.