Hückelhoven-Hilfarth: Korbmachermuseum im Kloster

Hückelhoven-Hilfarth : Korbmachermuseum im Kloster

Was den Bergleuten in Hückelhoven recht ist - das können die Hilfarther Korbmacher schon lange: Seit einigen Wochen sind sie dabei, sich geeignete Räume herzurichten, um Arbeitsgeräte, Maschinen und andere Gegenstände ihres inzwischen ausgestorbenen Handwerkes fachgerecht und dauerhaft aufzubewahren und Besuchern zugänglich zu machen.

Kurz: Sie schaffen sich ein Museum. „Wir werden Reinhardt Blank nie vergessen, dass er uns die Räume an der Marienstraße für unsere Exponate zur Verfügung gestellt hat”, sagt Friedel Fell. „Aber die Fläche dort ist einfach zu klein für uns geworden.” Fell ist Vorsitzender des Historischen Vereins der Korbmacher in Hilfarth. Auf der Baustelle an der Nohlmannstraße 22, dem künftigen Domizil des Vereins, spielt der Vorsitzende allerdings nur die zweite Geige.

Paul Nobis gibt hier den Ton an, wird von den rund 20 Mit-Arbeitern als „Chef” akzeptiert. Das sind fast ausnahmslos gestandene Handwerker: Schreiner, Schlosser, Elektriker, Anstreicher. „Als es mit dem Korbmacherhandwerk zu Ende ging, mussten die meisten von uns einen neuen Beruf erlernen”, sagt Friedhelm Krings, Schriftführer im Historischen Verein. Alles Fachleute also, die jetzt als Rentner gerne und so gut es noch geht ihre Fertigkeiten in der Freizeit in das neue Projekt des Vereins einbringen.

Seit März diesen Jahres arbeiten sie täglich im und am Gebäude: „1200 Stunden haben wir bis heute hier gebrasselt”, sagt Paul Nobis. Zunächst musste das Wohngebäude mitsamt Speicher selbst und auch die dazu gehörigen Stallungen sowie die Scheune entrümpelt werden. „Es ist unbeschreiblich, was da alles rumlag”, sagt Friedhelm Krings. „Wir sind mit Wagen angefahren, haben draufgeschmissen und sind wieder abgefahren. Zigmal am Tag.”

Das Gröbste ist jetzt wohl geschafft. Auch die Pläne, wie das Museum der Korbmacher einmal aussehen soll, sind von Mitgliedern des Vereins gezeichnet worden. Alles immer in Absprache mit Verantwortlichen der Stadt, denn das komplette Gebäude an der Nohlmannstraße steht unter Denkmalschutz. „Das Haus Nummer 22 an der Nohlmannstraße ist das Wohngebäude des alten Franziskanerinnen-Klosters und wahrscheinlich das älteste in Hilfarth erhaltene Gebäude”, weiß Hilde Königs, Beisitzerin im Historischen Verein.

Aus dem Brachelener Erbbuch - Hilfarth gehörte zur katholischen Mutterpfarre Brachelen, ehe es 1803 zur selbstständigen Pfarre erklärt wurde - geht hervor, dass das Kloster bereits 1541 bestanden hat. Napoleon löste dann auch im Rheinland alle Kirchengüter auf, der Klosterbezirk fiel an die Zivilverwaltung von Hilfarth, die es zum größten Teil an den Bürger Johann Christoph Hensen verkaufte.

Die Klosterkirche mit dem angrenzenden Wohnhaus wurden abgegrenzt und der neu gegründeten Pfarre geschenkt. Zweimal noch wechselte das Haus an der Nohlmannstraße 22-24 den Besitzer, ehe es wieder der Kirche zufiel. Und die hat das Gebäude nun auf zehn Jahre den Hilfarther Korbmachern vermietet. „Das ist eine unwahrscheinliche Wertsteigerung für die Kirche, was die hier machen”, sagt Gustav Dieck, als er einen Blick auf den aktuellen Stand der Dinge in dem zukünftigen Museum der Korbmacher wirft.

Dieck ist seit vielen Jahren Hilfarths Stadtverordneter und außerdem im Kirchenvorstand von St.Leonhard. Hans Strömer „Mädchen für Alles” auf der Baustelle, geht noch einen Schritt weiter: „Wenn wir das hier nicht in Angriff genommen hätten, wäre das Haus verfallen.” So aber wird es mächtig aufpoliert. „Ende des Sommers wollen wir von der Marienstraße hierher umgezogen sein”, sagt Friedhelm Krings, im Dezember läuft dort der Mietvertrag aus.

Bis dahin allerdings sollen alle Räume und auch die Scheune im Hof so hergerichtet sein, dass die Korbmacher Besucher empfangen können. Aber nicht nur die Räumlichkeiten werden hergerichtet - auch der Hof des Anwesens soll nach den Vorstellungen der Korbmacher demnächst für Veranstaltungen genutzt werden: „Hier könnten im Sommer Konzerte stattfinden”, sagt Friedhelm Krings. Bis das soweit ist, liegt freilich noch eine Menge Arbeit vor den handwerkelnden Korbmachern: Wände und Heizkörper streichen, Wasserleitungen und Abflüsse legen. Was eben so anfällt.