Kommentiert: Clemens setzt ein Signal

Kommentiert: Clemens setzt ein Signal

Neun neue Mitglieder konnte die Wassenberger SPD noch Ende des Jahres werben. Jetzt sind eben drei ausgetreten.

Unterm Strich bleibt also ein Zuwachs von sechs. Mathematisch betrachtet könnten die Wassenberger Genossen also durchaus mit ihrer Entwicklung zufrieden sein. Politisch betrachtet gleicht das, was sich derzeit bei den Roten abspielt, wohl eher einem Desaster.

Nicht nur, dass drei Fraktionsmitglieder von der Fahne eilen, einer von ihnen - und nicht gerade ein politisches Leichtgewicht - nennt auch noch „unüberbrückbare menschliche und politische Differenzen” mit dem Bürgermeister als Grund.

Im Jahr der Kommunalwahl bedeutet das für den Amtsinhaber und Kandidaten der Wassenberger SPD mehr als nur ein Tritt vor die Kniescheibe.

Die Situation im Wassenberger Rat erreicht eine neue Dimension. Hatte Bürgermeister Manfred Erdweg in den letzten Jahren ohnehin einen schweren Stand, weil er stets im Rat gegen eine Mehrheit aus CDU und NWI anrennen musste, so halten ihm jetzt nicht einmal mehr die eigenen Leute die Stange.

Er wolle keine schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit waschen, erklärte Hilmar Clemens als Begründung dafür, dass er nicht die Katze aus dem Sack ließ. Politisch und menschlich zweifellos korrekt.

Dennoch dürfte ein altgedienter Politstratege wissen, dass derlei Formulierungen stets Raum für Spekulationen bieten. Ebenso wie der Umstand, dass Clemens noch vor Wochen offenbar seine Parteigenossen Barten und Thüring zum Verbleib in der Fraktion bekniete, jetzt jedoch selber das Handtuch wirft.

Wer die Formulierung „menschliche Differenzen” wählt, haftet dem Kontrahenten - ob bewusst oder unbewusst - einen selbst empfundenen Makel in dessen Persönlichkeit an. Clemens stellt also nicht nur das politische Gebaren des von ihm ehemals geförderten Bürgermeisters in Frage, er setzt damit ein deutliches Signal, dass er diesem auch die charakterlichen Eigenschaften abspricht, die er als Bürgermeister besitzen sollte.

Es weht ein rauer Wind in Wassenberg.