Mittelalterkult in Gangelt: Klingendes Spiel und gezogenes Schwert

Mittelalterkult in Gangelt : Klingendes Spiel und gezogenes Schwert

Wenn die Diplomatie nicht mehr greift, dann gibt es am Ende eine flächendeckende Keilerei. Mit Blick auf die Lage in der Welt hat sich also nicht so viel verändert vom Mittelalter bis heute. Allerdings floss bei den Feldschlachten im Rahmen des neunten Gangelter Ritterfestes so gut wie kein Blut — das ganze Spektakel diente nur der Unterhaltung des Publikums.

Obwohl das vergangene Wochenende eines mit einem vielfältigen Unterhaltungsangebot (Schützenfeste in Gillrath und Bocket, Kaiserfest in Hastenrath, Feuerwehrfest in Wehr und einiges mehr) war, fand das Spektakel am Rande des alten Burgstädtchens wieder seine Gäste. „Voll ist es“, war das, was man hörte, wenn man die Verantwortlichen fragte, und was man erlebte, wenn man sich seinen Weg durch die Zeltstadt bahnte.

Aufgrund des neuen Baugebietes „Gangelt-Nord V“ war das Platzangebot im Vergleich zum Vorjahr etwas eingeschränkt. Das empfand aber wohl niemand als echten Nachteil; die Enge machte es gemütlicher, heimeliger und geselliger. Einzig die, die das Pech hatten, mit ihrem Zelt einen Platz in der Nähe eines der Bäume auf der Streuobstwiese zugewiesen zu bekommen, konnten am Ende bestätigen, dass es in diesem Sommer über die Maßen viele Wespen gibt.

Schausteller, Handwerker, Freizeitritter und jede Menge Angebote für Auge, Ohr und Gaumen wurden miteinander kombiniert und das ist — neben dem freien Eintritt zu allen Veranstaltungen — wohl eines der Erfolgsrezepte beim Historienspektakel. 112 teilnehmende Gruppen, Heerlager und Händler sorgten alleine schon für 1000 Leute vor Ort. Dabei hatte das Treffen wieder mit einem Fackelzug am Freitagabend begonnen. Man glaubt ja gar nicht, wie pünktlich die Rittersleut’ sind: St. Nikolaus schlug gerade 21 Uhr, da marschierte eine Gruppe — so groß wie nie zuvor — von der Festwiese zum Rathaus. Stadtführerin Monika Tholen hatte die Gäste begrüßt und das Nachtwächterlied gesungen.

Wohlhabendere Figuren hingegen waren sicher zu Pferde unterwegs, ... Foto: Hamacher

Damit brachte sie aber keinen „in die Federn“. Fackeln wurden entzündet, und schon gab es die ersten wunderbaren Bilder des Umzugs. Das erinnerte an das Lied von den „Blauen Dragonern“: Die zogen „mit klingendem Spiel durch das Tor“ (Bruchtor), „Fanfaren sie begleiten“. Die Fanfaren wurden am Freitag durch Leiern ersetzt, die für heutige Ohren nach „Gejümer“ klingen. Dann, um das Lied abzuschließen, ging es „hell zu den Hügeln empor“, wie es in Gangelt heißt, wenn der leichte Anstieg der Bruchstraße zu bewältigen ist.

Zu den Spielleuten von „Saitentanz“ und „Spielmannsfeuer“, gesellte sich die Dudelsackkombo „The Castle Pipers“, die aber nicht etwa aus Schottland, sondern aus Wassenberg angereist war. Auf dem Turnierplatz gab es ein erstes Ritterturnier zu Pferde, an dem der arme Bettler auf den eigenen zwei Beinen teilnehmen musste, damit aber den Ehrenpreis gewann.

Dann eröffnete Bürgermeister Bernhard Tholen (CDU) den Markt offiziell im Rahmen der Begrüßung der zahlreichen Heerlager. War das ein herrliches, ein buntes Bild und ein frohes Treiben. Es folgte eine turbulente, wie immer verspätete Feldschlacht mit der eingangs erwähnten Keilerei. Anschließend gaben die Reiter nochmals ihr Bestes. Wer sich nun — ob Gast oder Ritter — staubig fühlte, dem wurden gleich zwei Zuber zum Bade angeboten. Reichlich wurde davon Gebrauch gemacht.

... während schon die Jüngsten sich mit Pfeil und Bogen übten. Foto: Hamacher

Besonders stimmungsvoll ist das Ritterfest in Gangelt dann, wenn die Sonne untergeht und ungezählte Kerzen und Fackeln den Abend und die Zelte erhellen. Dann sieht man allerdings auch nicht ganz stilecht Gewandete an E-Zigaretten ziehen, leuchtende Tablets benutzen und mit Handymodellen telefonieren, bei denen zumindest fraglich ist, ob es sie zu Zeiten der Ritter schon gab.

Der beliebten Nachtwächterführung von Monika Tholen folgte dann im Dunkeln noch ein Schattenkampf auf der Festwiese. Danach kehrte langsam Ruhe ein — wenn man vom Treiben rund um die ein oder andere Taverne auf dem Gelände absieht. Am Sonntag waren die Ritter zum Gottesdienst eingeladen.

Dann folgte ein ähnliches Programm wie am Samstag. Bleibt zu hoffen, dass beim zehnten Ritterfest im kommenden Jubiläumsjahr die technischen Probleme und die unnötigen Verzögerungen im Programm endlich der Vergangenheit angehören.

Bereits am Freitagabend war der Fackelzug durchs Bruchtor und die Gemeinde gezogen. Foto: Hamacher

Hier geht es zur Bilderstrecke: Buntes Treiben beim neunten Gangelter Ritterfest

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