Kreis Heinsberg: Kirchenchöre sollen zukunftsfähig sein

Kreis Heinsberg : Kirchenchöre sollen zukunftsfähig sein

„Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Kirchenchöre aussterben. Doch wenn wir eine lebendige Kirchenmusik haben wollen, müssen wir andere Wege gehen.”

Dieses Resümee zog Marion Peters vom Vorstand des Katholikenrates der Region Heinsberg, nachdem die Mitglieder und Gäste, darunter auch zahlreiche Chorleiter, bei der Vollversammlung des Katholikenrates im Pfarrzentrum Burg in Hückelhoven die Situation der Chöre und der Kirchenmusik in der Region aus Sicht der Pfarrei sowie aus der Perspektive der Gemeinschaft der Gemeinden geschildert und bewertet hatten.

Zusammengefasst ergab sich dieses Bild: Während einige recht zufrieden sind, plagen andere Nachwuchssorgen. Generell sind die Chöre überaltert. Bei fusionierten Pfarren ergeben sich Konflikte, wenn auch Chöre fusionieren wollen oder sollen. Dagegen gibt es Beispiele für gelungene Kooperationen von Chorleitern und Chören sowie das Modell des Projektchores. Häufig fehlen Männerstimmen sowie Gelder zur Finanzierung des Chorleiters.

Dass es für die Kirchenchöre in Zukunft zunehmend schwieriger wird, davon zeigte sich der Referent des Abends, Professor Michael Hoppe von der Musikhochschule Köln, Abteilung Aachen, überzeugt. Hoppe, der zugleich Kirchenmusikreferent im bischöflichen Generalvikariat und aktiver Kirchenmusiker in einer Aachener Pfarrei ist, beleuchtete aus bistümlicher Sicht die Perspektive der Kirchenchöre. „Vieles, was Sie alle sagten, sehe ich genauso”, sagte er.

Er gab zu bedenken, dass es im Bistum Aachen derzeit zwar 22.000 Menschen gebe, die in der Kirchenmusik tätig seien, wovon mit 14.000 Leuten die Chöre die größte Gruppe seien, doch im Vergleich zum Jahr 2006 würden die Zahlen zurückgehen. „Jedoch nicht so weit, wie ich erwartet habe”, so Hoppe. Er prognostizierte, dass es in Zukunft Kirchenchöre geben werde, die für sich entscheiden würden, aufzuhören.

Der Professor gab eine ganze Reihe von Anregungen, um zukunftsfähig zu bleiben. So mahnte er, nicht an einem bestimmten Repertoire von Liedern festzuhalten, sondern neben dem traditionellen Liedgut auch offen für Neues wie Gospel oder anglikanische Chormusik zu sein.

Zu den Strukturen der Chöre bezog er dahin gehend Stellung, dass er Zwangsfusionen ablehne und gemeinsame Proben von Kirchenchören - auch generationenübergreifend - unter Wahrung der Selbstständigkeit als gutes Modell ansehe. Zudem sprach er sich für gemeinsame Projekte mehrerer Chöre aus.Seine Vorstellungen finden sich in einem von ihm entwickelten Kirchenmusikkonzept für das Bistum Aachen wieder, „dessen Umsetzung jedoch bisher gescheitert sei”, wie Hoppe betonte. Vor allem da die vorgesehenen 72 Stellen an hauptamtlichen Kirchenchorleitern nicht gesichert seien.

Sorge bereite ihm zudem der kirchenmusikalische Nachwuchs, so Hoppe weiter. Auch wenn derzeit die Studentenzahlen im Bistum Aachen noch gut seien, so befürchte er ein Einbrechen, wie es bereits in den Nachbardiözesen geschehe. Es würden kirchenamtlich die falschen Signale gesetzt. Bei den Studenten sei inzwischen angekommen, dass die Ausbildung zum Kirchenmusiker keine lebenslange Berufsperspektive biete. Deshalb müsse viel mehr noch im Bereich der Fortbildung für ehrenamtliche Kirchenmusiker getan werden, sagte der Professor. Er verwies auf die Kirchenmusikseite im Bistum Aachen im Internet, auf der auch für die Region Heinsberg, alle Fortbildungsveranstaltungen zu finden seien.

Schließlich betonte Hoppe, dass aus finanziellen Gründen die Kirchenmusik nicht flächendeckend abgesichert werden könne. Deshalb müsse eine Schwerpunktsetzung mit kirchenmusikalischen Zentren erfolgen.