Erkelenz-Borschemich: „Kein neuer Ort, sondern nur ein Stadtteil”

Erkelenz-Borschemich : „Kein neuer Ort, sondern nur ein Stadtteil”

Je konkreter die Umsiedlung wegen des heranrückenden Tagebaus Garzweiler II wird, um so größer werden die Bedenken der Betroffenen, ob sie nicht doch letztendlich als die großen Verlierer des wirtschaftlichen Unternehmens dastehen werden.

Die so genannte Sozialverträglichkeit der Umsiedlung, die eine unabdingbare Voraussetzung für die Genehmigung des Braunkohlenplans Garzweiler II war, wird mehr und mehr in Frage gestellt. Dies wurde einmal mehr deutlich bei der Veranstaltung der Stadt Erkelenz in der Mehrzweckhalle in Borschemich, bei der die Verwaltung über die anstehende Grundstücksvormerkung für den Umsiedlungsstandort Erkelenz-Nord informierte.

Eine Liste mit den Bauparzellen wurde gereicht, Informationen über die einzelnen Lagen und Vorschriften wurden gegeben, damit die Betroffenen in der Lage sein sollten, sich ein Grundstück am neuen Ort „auszusuchen”.

Doch es gibt auch Borschemicher, die jetzt schon am neuen Ort kein ihnen genehmes Grundstück finden. Einer von ihnen ist Herbert Boss. Er hat in Borschemich ein Grundstück mit einer Größe von 2500 Quadratmetern. Diese Größe sollte auch die Umsiedlungsfläche im neuen Ort haben, so sein ausdrücklicher Wunsch, den er bei allen Befragungen und allen Verfahrensbeteiligten immer wieder mitgeteilt hat. Ergebnis seiner Bemühungen: „Niemand ist auf meine Wünsche eingegangen”, beklagt Boss sich.

Es gebe zwar entsprechende Flächen im Plan, aber sie lägen an Stellen im neuen Ort, an die er nicht ziehen will. Es könne nicht sein, dass er sich verschlechtern müsse.

Er sei kein Einzelfall, glaubt er. „Ich weiß aus vielen Gesprächen mit meinen Nachbarn, dass viele sich nicht für den neuen Ort entscheiden werden, wenn nicht auf deren Wünsche eingegangen wird.”

Von einer gemeinsamen, sozialverträglichen Umsiedlung könne daher nicht mehr die Rede sein. Es könne daher auch kein neues Borschemich geben. „Es gibt keinen neuen Ort, es gibt einen neuen Erkelenzer Stadtteil.”

Seit der Umfrage der Bezirksregierung 2001 werde nicht bedarfsgerecht geplant.

„Man stellt sich quer, wenn man Änderungswünsche bezüglich der Grundstücke hat, und versucht nicht, die Wünsche der Bewohner zu verwirklichen.” Gerade dies sei aber nach der Erkelenz-Erklärung ein Ziel. Er habe deswegen auch mit Erwin Mathissen, der als Bürgermeister die Erkelenz-Erklärung erzielt hat, sprechen wollen. „Von ihm habe ich aber nie etwas gehört.”

Wenig sozialverträglich sei auch das Verhalten der katholischen Kirche. „Hier ist das Bistum nicht gewillt, die bisher zur Dorfgemeinschaft wichtigen Einrichtungen wieder neu zu erstellen”, glaubt Boss zu wissen.

„Ohne eigene Pfarrgemeinde gibt es auch keine Schützenbruderschaft. Damit bricht dann der nächste Pfeiler der Gemeinschaft fort”, nennt er ein Beispiel.