Karken: Karkener Pfarrkirche muss saniert werden

Karken : Karkener Pfarrkirche muss saniert werden

Im Jahr 2001 feierte die Pfarrgemeinde St. Severinus Karken das 100-jährige Bestehen ihrer Pfarrkirche, die zugleich ein Wahrzeichen des Ortes ist.

Das Bauwerk hat die Jahrzehnte jedoch nicht spurlos überstanden. So sind nun, um die Substanz zu erhalten, wie es der Wassenberger Architekt Professor Ludwig Rongen, formulierte, „Maßnahmen, die weit über einen neuen dekorativen Anstrich hinausgehen” mittelfristig notwendig. Rund 202.500 Euro wurden für die dringendsten Arbeiten veranschlagt, mit denen bereits im Mai begonnen werden soll.

So muss nach Expertenmeinung zunächst der sehr dichte Dispersionsanstrich aus den 70er Jahren, inzwischen längst unansehnlich geworden, entfernt werden.

Diese Form des Anstrichs, so erläuterte der in puncto Kirchensanierung erfahrene Architekt auch dem Kirchenvorstand und Pfarrer Dr. Georg Giesen, mache ein Ausdiffundieren der Feuchtigkeit in den teils meterdicken Außenwänden unmöglich.

So würden Schadstoffe wie Sulfate und Nitrate transportiert und gespeichert, die in letzter Konsequenz nicht nur dem auf Trasskalk basierenden Oberputz schadeten, sondern auch dem Mauerwerksgefüge in hohem Maße abträglich seien. Als deutliches Indiz verwies er auf Farbablösungen und teilweise Putzschäden im Sockelbereich des Kircheninneren.

Sanierung in drei Schritten

Das Entfernen der Farbschichten als erster Schritt der Sanierungsmaßnahme ist nur durch mühevolles Abbeizen möglich und ist ganzflächig bis hin zu den Gewölbeflächen erforderlich. Im zweiten Schritt wird der durch Nitrate und Sulfate belastete Putz - je nach Konzentration bis mindestes 80 Zentimeter über Salzbefall - entfernt.

Mit einem Salzspeicherputz in zwei Lagen (Sanierungsputzsystem) werden die Flächen neu aufgeputzt. Als dritter und letzter Schritt folgt ein atmungsaktiver Silikat-Anstrich. Entschieden habe man sich für ein bewährtes mineralisches Beschichtungssystem, das die Oberfläche auf Jahrzehnte hin in einem schadensfreien Zustand erscheinen lassen werde, so der Experte.

In Zeiten sozialen Problembewusstseins wird man in Karken dekorative und kostspielige Ausmalereien nun in sehr bescheidenem Maße vornehmen. Vorgesehen ist einfachste architekturunterstützende Begleitmalerei. Bei der Planung der Sanierung hat man jedoch auch weiter gedacht.

„Sollten im Rahmen der Abbeizmaßnahmen alte Malereien, im Fachjargon als Befunde bezeichnet, von Bedeutung zu Tage treten”, so war vom Architekten zu erfahren, „werden diese zunächst gesichert und reversibel überstrichen.” So hätten nachfolgende, eventuell finanzkräftigere Generationen die Möglichkeit, noch Wiederherstellungsmaßnahmen durchzuführen.

Zusammenarbeit von Architekten und Gemeinde

Die Rongen-Architekten aus Wassenberg, zu denen neben Professor Ludwig Rongen auch Reiner Wirtz und Dipl. Ing. Friedhelm Lindgens gehören, streben auch für die Sanierung der Pfarrkirche St. Severinus eine enge Zusammenarbeit mit Kirchenvorstand und Kirchengemeinde an.

Immerhin können sie bereits auf eine Vielzahl sanierter und in erheblichem Umfang neugestalteter Kirchen im Kreisgebiet verweisen.

Mit einem aufwendigen, auch die letzten Stellen des Deckengewölbes erschießenden Innengerüst-Aufbau starten die Arbeiten im Mai und sollen im November beendet sein.