Region Aachen: Kanal undicht: Städte warnen vor Neppern

Region Aachen : Kanal undicht: Städte warnen vor Neppern

Grundstückseigentümer müssen Abwasserleitungen bis zum 31. Dezember 2015 auf Dichtheit überprüfen lassen. Dies schreibt das Landeswassergesetz vor. Nicht alle Kommunen haben bisher reagiert und ihre Abwassersatzungen angepasst, denn auch auf sie kommen Kosten zu. Die Höhe ist ungewiss.

Eschweiler, Alsdorf und Würselen haben sich einem landesweiten Netz angeschlossen, in dem Standards für die Dichtheitsprüfungen festgelegt werden. Sie wollen die Bürger schützen, Neppern ins Netz zu gehen. Denn durch das neue Gesetz entsteht ein großer Markt. Ein Beispiel: Im Schnitt kostet eine Dichtheitsprüfung 500 Euro. Alleine in Eschweiler befinden sich 14.000 bebaute Grundstücke.

Unklar ist vielerorts, welche Standards an die Prüfungen angesetzt werden müssen. Alsdorf, Würselen und Eschweiler sind mit weiteren 51 Kommunen aus Nordrhein-Westfalen zum „Kommunalen Netzwerk Grundstücksentwässerung” (KomNet GEW) zusammengeschlossen. Sie werden vom gemeinnützigen Institut für Unterirdische Infrastruktur (IKT) beraten und unterstützt. Das in Gelsenkirchen ansässige Institut untersucht analog zur „Stiftung Warentest” Verfahren und Materialien in der Abwasserwirtschaft. „Die Kommunen haben natürlich die Möglichkeit, die Fristen zu verlängern”, berichtet IKT-Projektleiter Marco Schlüter.

Dies ist vielerorts auch geschehen, denn die Kommunen sitzen mit den Bürgern im Boot: Schließlich müssen auch sie ihre Abwasserleitungen alle 15 Jahre überprüfen lassen. In Baesweiler etwa ist deswegen eine Satzung verabschiedet worden, die die Stadt in 15 Bezirke aufteilt und festlegt, in welchem Bezirk wann die Dichtheitsprüfung gemacht werden muss.

So wird die turnusmäßige Prüfung der öffentlichen Abwasserleitungen in einem Bezirk mit den privaten Anschlüssen verknüpft. Begonnen wird nächstes Jahr. Der letzte Bezirk ist 2024 dran. Den Hausbesitzern bietet die Stadt an, einen Kontakt zu der Firma zu vermitteln, die den öffentlichen Teil des Abwasserkanals vor der Haustür prüft. „Das ist nicht zwingend”, betont Baesweilers Technischer Beigeordneter Peter Strauch, „aber die Privatleute können darauf zurückgreifen.”

Eschweilers Technischem Beigeordnetem Hermann Gödde ist bewusst: „Es kommt auf die Bürger eine hohe Belastung zu.” Vor allem Hauseigentümer mit geringeren Einkommen wie Rentner könne die Prüfpflicht empfindlich treffen. Ist eine Reparatur der Abwasserleitung erforderlich, erreicht die Rechnung schnell einen vierstelligen Betrag. Umso mehr wolle man vermeiden, dass unseriöse Anbieter einen schnellen Euro verdienen. Dort setzt das Netzwerk an. Einzelne Prüfer werden zertifiziert, ihre Namen werden im Internet veröffentlicht.