Heinsberg: Kampf um die besten Nistplätze in vollem Gange

Heinsberg : Kampf um die besten Nistplätze in vollem Gange

Dem Naturfreund bietet sich in diesen Tagen in der Nähe der Heinsberger Justizvollzugsanstalt ein interessantes Schauspiel.

Die hier seit einigen Jahren brütenden Saatkrähen, etwa 80 Paare, kamen Anfang März aus ihrem Winterquartier zurück - und nach kurzer Zeit waren bereits die ersten Balzhandlungen und der Bau der Nester zu beobachten.

Es tobt ein lautstarker Kampf um die besten Nistplätze in den Pappelkronen. Gerne stiehlt man sich gegenseitig den Niststoff, weshalb einer der „Ehepartner” ständige Wache hält.

Hoch in den Wipfeln ist das in jedem Jahr aus dünnen Ästchen neu gebaute, locker gefügte Nest zwar gegen viele Feinde geschützt, jedoch um den Preis, dass es nur ein dem Wind und Wetter ausgesetztes Leben zu bieten vermag.

Bauen die Krähen in den höchsten Wipfeln, so ist nach Volkes Meinung ein warmer Sommer zu erwarten.

Wenn während der Wintermonate hunderte von Saatkrähen als Wintergäste aus nördlichen Regionen auf Futtersuche die heimischen Feldfluren durchkämmen, täuscht dies darüber hinweg, dass die Saatkrähen auf dem Rückzug sind. Als ein vom Aussterben bedrohter Vogel wurde er vom Bund für Vogelschutz auf die „rote Liste” gesetzt und 1986 zum „Vogel des Jahres” erklärt.

Die Pappellandschaften des Niederrheins sind seit Jahrhunderten das bevorzugte Brutgebiet der Saatkrähen, deren Bestand in den vergangenen Jahren von mehr als 100 000 Paaren auf 6500 Paare zurückgegangen ist. Infolge anhaltender Bekämpfungsmaßnahmen ging der Brutbestand der Saatkrähe im Gebiet des Niederrheins innerhalb von fünf Jahrzehnten um 95 Prozent zurück.

Im ganzen Land Nordrhein-Westfalen zählt man gerade noch 90 Brutkolonien. Dass sich die Saatkrähen ausgerechnet das Heinsberger Land - außer in Heinsberg selbst brüten sie noch in der Nähe des Oberbrucher „Glanzstoff”-Werkes - zu Brutstätten auserkoren haben, ist also ein glücklicher Zufall.

Die immer noch weit verbreitete Meinung, die Saatkrähe fresse im Herbst und Winter die frischeingesäten Äcker kahl, hält sich auch heute noch hartnäckig. Dabei ist seit langem bewiesen, dass der Vogel Engerlinge, Mäuse, Schnecken und Würmer als Nahrungsmittel bevorzugt.

„Saatkrähen”, so stellte die nordrhein-westfälische Landesanstalt für Ökologie fest, „ernähren sich zu 75 Prozent von so genannten Schädlingen. Als Allesfresser vernichten sie auf den Feldern schädliche Insekten wirkungsvoller als chemische Mittel”.

Viele Geschichten, die meisten mehr unglaubwürdig als glaubhaft, ranken sich um diesen Vogel, der sich als einziger in unveränderter Gestalt von der Eiszeit bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Einmal gilt die Krähe als Glücksbringer, ein anderes Mal als ausgesprochener Unglücksvogel, dessen Schrei von bevorstehendem schlechtem Wetter und auch vom Tod künden soll.

Der germanische Göttervater Odin wurde stets von einer weissagenden Krähe begleitet. „Soatkroa” nennt der hiesige Volksmund die Saatkrähe und überträgt diese Bezeichnung auch auf ein „bösartiges Weib”.

Überall muss die Krähe zu irgendwelchen Vergleichen herhalten, bei Hitze und Kälte: „Et es esu heet, dät de Kroa jaape” oder „Et es esu kaut, dät de Kroa van de Boom valle”. Es heißt auch: „Esu nött (nichtsnutzig) wie en kroa”. Der Volksmund sagt auch: „Een Kroa es schlauer äs drie Düvele”.

Fliegen die Krähen noch spät, so sei schönes Wetter zu erwarten. Der Krähenschrei bedeute Regenwetter: „Wenn die Krähen schrei´n, stellt sich Regen ein”, sagt eine alte Bauernregel, oder: „Wenn die Krähe schreit, ist der Regen nicht weit.”

Das Auftauchen großer Krähenschwärme deutet meist auf einen Wettersturz hin. Und ein Temperatursturz liegt auch in der Luft, wenn sich plötzlich viele Krähen versammeln: „Halten die Krähen Konzilium, so sieh nach Feuerholz dich um.” „Kroa! Kroa! Dr Düvel kömmt dech noa!” riefen wir als Kinder, den Scharen der schwarzen Gesellen nach, wenn sie mit heiserem „krah - krah”, gegen die Macht der Herbststürme ankämpfend, in der Luft still zu stehen schienen.

Das Fliegenkönnen ist den Krähen zwar angeboren, aber die Flugtechnik müssen die flügge gewordenen Jungvögel noch lernen. Und es ist höchst interessant, im Frühsommer den Kräheneltern und ihren Flugschülern beim „Anschauungsunterricht” und beim Üben des „Verbandsfluges” zuzuschauen.