Erkelenz: Kalte Weihnacht neue Erfahrung

Erkelenz : Kalte Weihnacht neue Erfahrung

Abflug in Melbourne, Australien. Ankunft in Düsseldorf, Deutschland.

Sieht auf dem Papier ziemlich unspektakulär aus. Ist es aber nicht. Dazwischen liegen nämlich 22 lange Stunden, tausende von Flugmeilen, mehrere Kontinente und die Ursachen für ein ganz gewaltiges Jetlag.

Letzteres hat Helen Coker mittlerweile ganz gut im Griff, ebenso die im Gegensatz zu ihrer australischen Heimat eher frostigen Temperaturen hier zu Lande. Mehr Probleme macht da noch die deutsche Sprache, denn die ist bekanntlich recht schwierig - trotz Rechtschreibreform.

Normalerweise besucht die 16-Jährige die Tintern Girls Grammar School, eine reine Mädchenschule. Derzeit nimmt sie am Unterricht der Jahrgangsstufe 11 im Cornelius-Burgh-Gymnasium teil. Ein Schüleraustausch macht´s möglich.

Das richtige Abenteuer begann nach der Reise über den Wolken: Seit dem 26. November wohnt Helen bei den Linkens, ihrer Gastfamilie, und geht gemeinsam mit Tochter Christina (17) zur Schule. Vier Wochen dauert die „Feuerprobe” im alten Europa. Von Heimweh kann gar keine Rede sein.

Sagt Helen jedenfalls, und ein Blick in ihr freundlich lächelndes Gesicht bestätigt diese Aussage. Das spricht natürlich für die Geborgenheit ihrer Unterkunft sowie das Einfühlungsvermögen ihrer Gastgeber.

In einem Punkt trafen Helens Erwartungen allerdings nicht zu: „Ich dachte, ich könnte mehr verstehen.” Bereits einige Jahre lang genießt sie Deutsch als Schulfach, jedoch in einem relativ geringen Umfang. „Alle sprechen hier so schnell.”

Was sie dazu bewegt hat, gerade Deutschland als Zielort auszuwählen? Vor allem wegen des Reitsports, kommt die Antwort zügig über ihre Lippen. Selbst Pferdebesitzerin, wollte sie unbedingt einmal das Land kennen lernen, in dem ihre Leidenschaft so populär ist.

Und natürlich gibt es noch einen weiteren Grund: „Ich mag die Sprache!”

Mittlerweile ihre Lieblingsspeise: Spätzle. Ob die schwäbischen Nudeln allerdings eine australische Spezialität namens „Vegimite” ersetzen können? Die Nutella ähnliche, aber salzige Paste mag Helen besonders gern. Anders als viele Nicht-Australier, wie sie weiß. Eine gänzlich neue Erfahrung war für den Gast aus „Down under”, dass man in rund zwanzig Minuten bequem das benachbarte Ausland erreichen kann. Ein Trip in die Niederlande erbrachte den Beweis.

Ein wenig befremdlich ist es für sie, keine Schuluniform tragen zu müssen. So habe sie zuvor etwa noch nie Schülerinnen in „High Heels” gesehen. Wohl eine reine Gewöhnungssache, genau wie Uniformen. „Es ist besser, wenn man morgens nicht darüber nachdenken muss, was man denn anziehen will.”

Das Weihnachtsfest steht vor der Tür und dürfte sicherlich eine interessante Erfahrung werden. „Weihnachten ist ein Familienfest”, betont Gastmutter Michaele Linkens.

„Helen gehört dieses Jahr mit zur Familie.” Da kann auch Gastvater Wlfgang nur zustimmen, der beteuert, zwar nicht so viel Englisch sprechen zu können, dafür aber viel zu verstehen.