Aachen/Kreis Heinsberg: „Jugend debattiert“: Nick Kaspers aus Wassenberg Regionalsieger

Aachen/Kreis Heinsberg : „Jugend debattiert“: Nick Kaspers aus Wassenberg Regionalsieger

Bei öffentlichen Debatten stellt sich häufig die Frage, ob die Beteiligten das Ziel einer solchen sprachlichen Auseinandersetzung nicht längst aus den Augen verloren haben. Jenes nämlich, dass das Publikum am Ende der Diskussion mehr zu einem Thema wissen sollte, als das zuvor der Fall war. Wie es richtig geht, zeigten ausgerechnet die oft belächelten jungen Leute beim Regionalfinale des Wettbewerbs „Jugend debattiert“ im Aachener St.-Leonhard-Gymnasium.

Dabei hatten es die von der Jury vorgegebenen Themen durchaus in sich und hätten andernorts Tür und Tor für allzu simple Antworten geöffnet. Wer das jedoch bei einem Debattierwettbewerb versucht, braucht dort gar nicht erst anzutreten.

Die vier Finalisten in der Sekundarstufe I mussten über die Frage diskutieren, ob Videoüberwachung mit automatisierter Gesichtserkennung flächendeckend eingesetzt werden soll. Dabei bekam jeder Teilnehmer schon vor der Finalrunde seine Position — die nicht unbedingt seine persönliche sein muss — mitgeteilt und hatte Zeit, sich entsprechend darauf vorzubereiten.

So wurde schließlich über gesetzliche Aspekte, Kosten, Arbeitsbelastung von Polizeibeamten, moralische Fragen und über Persönlichkeitsrechte diskutiert — mit allen rhetorischen Kniffen, welche die deutsche Sprache so hergibt.

Am Ende setzten sich Christian Lindt vom St.-Michael-Gymnasium Monschau als Erstplatzierter und Jana Freiburg vom Anne-Frank-Gymnasium Aachen als Zweitplatzierte durch.

In der zweiten Finalrunde war dann die Sekundarstufe II dran, welche über höhere Strafen bei Gewalttaten gegen kommunale Amts- und Mandatsträger debattierte. Auch zu diesem Thema wurden Gesetzesartikel zitiert, Studien angeführt und gesellschaftspolitische Grundfragen in beeindruckender Tiefe diskutiert. Auch wenn es auf diesem Niveau meist nur noch um Nuancen geht, musste die Jury dennoch eine Entscheidung treffen, die letztlich zugunsten von Nick Kaspers von der Betty-Reis-Gesamtschule Wassenberg, dem Erstplatzierten, und von Josefine Jacobs vom Cornelius-Burgh-Gymnasium Erkelenz, der Zweitplatzierten, ausfiel.

Mit in der Jury saß auch die ­Landessiegerin von „Jugend debattiert“ 2017, Veronika Stockem. Sie kennt den Druck, auf großer Bühne in engem Zeitkorsett präzise Argumente zu liefern, und fieberte entsprechend mit: „Man sieht aber schon jetzt sehr gute Ansätze bei den Schülern, wie sie sich Notizen machen und den Mut haben, auch einmal komplexe Aussagen zu formulieren.“

Die Erst- und Zweitplatzierten aus den beiden Altersstufen dürfen nun als Vertreter der Region beim Landeswettbewerb in Oberhausen teilnehmen.

Die Landesqualifikation wird am 4. Mai im Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung in Oberhausen ausgetragen. Das Landesfinale steigt am 9. Mai im Düsseldorfer Landtag. Damit sie dort auch optimal vorbereitet auftreten können, gab es neben der Siegerurkunde für alle vier einen Gutschein für ein professionelles Rhetorik-Seminar dazu. Immerhin nehmen jedes Jahr bundesweit rund 200.000 Schüler an dem Wettbewerb teil, die alle am Ende das Finale auf Bundesebene erreichen wollen.

(rhl)
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