Wassenberg-Myhl: Jünglings-Fahne: Zeichen bewegter Geschichte

Wassenberg-Myhl : Jünglings-Fahne: Zeichen bewegter Geschichte

„Ich habe Euch ein Beispiel gegeben”: In goldfarbenen Lettern, gestickt auf rubinroter Seide, hebt die Gestalt des jungen Jesus die Hand auf einer Fahne der Pfarre St. Johannes Baptist Myhl.

Sie wird voraussichtlich schon im Herbst Mittelpunkt einer Neugestaltung des Seitenaltars im linken Schiff der Pfarrkirche sein.

Die in ihrer textilen und farblichen Gestaltung noch voll intakte, 84 Jahre alte Fahne im früh-nazarenischen Stil ist die Vereinsfahne des 1863 gegründeten Myhler „Jünglingsvereins”, der kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges ein Stiftungsfest beging und zur Erinnerung diese Fahne anschaffte. Sie dokumentiert in ihrer Aussage Neubesinnung und Werteerhalt im christlichen Sinne.

Der vor drei Jahren mit 97 Jahren verstorbene Leo Dreßen trug als erster diese Fahne des Jünglingsvereins bei den vier Prozessionen und bei vielen anderen Anlässen im Jahr.

Leo Dreßen war auch jahrzehntelang der Fahnenträger der traditionsreichen Myhler Schützenbruderschaft St. Johannes Baptist und ein eifriger Mitgestalter bei den Aufführungen des Theatervereins.

Während der Zeit des Nationalsozialismus war das Mitführen christlicher Fahnensymbole bei Aufzügen oder Prozessionen verboten.

Mit dem Erlöschen des Jünglingsvereins wurde auch die Stiftungsfahne immer weniger mitgeführt, zumal der schwere Samt dem Fahnenträger auch einiges an Gewicht auferlegte. Zuletzt stand die schöne Fahne neben dem Marienaltar im linken Seitenschiff.

Die jetzt vorgesehene Einbeziehung der Fahne in die von Pfarrer Heinz Portz und der Gemeinde vorgesehene Neugestaltung des Seitenaltars ist eine recht ungewöhnliche Art der Darstellung.

Der Sockel des Altars aus hellem Sandstein und der konsolenartige Aufbau aus Eichenholz mit einer Schnitzerei der vier Evangelisten bleiben erhalten. Das Holz wird gereinigt und überarbeitet. Darüber kommt die Fahne mit dem Jesus-Wort.

Sie wird von einem schmalen Holzrahmen umfasst, unter entspiegeltem Glas. In welcher Weise die Madonna mit dem Jesuskind in der Mondsichel - eine Schnitzarbeit aus dem 16. Jahrhundert -Ê in die Neugestaltung einbezogen wird, ist zur Zeit noch nicht ganz geklärt.

Auch die Mondsichel-Madonna von Myhl hat eine bewegte Geschichte. Sie fiel, zusammen mit dem künstlerisch wertvolleren „St. Johannes Baptist” und weiteren Schnitzarbeiten, wie den hohen Aufsätzen der Seitenaltäre, dem wurmstichigen Hauptaltar und dem Predigtstuhl, einer umfassenden „Entrümpelung” Mitte der 50-er Jahre zum Opfer.

Ein Altmyhler Bürger, der die Mondsichel-Madonna für eine Mark erworben hatte, stellte sie später der Gemeinde wieder zur Verfügung. Der „St. Johannes” steht heute wieder auf dem Altar des rechten Seitenschiffes. Teile der ehemaligen Kanzel wurden in den 70-er Jahren zur Konsole für den Marienaltar verwendet.

Die finanziellen Mittel für die jetzt anstehende Neugestaltung werden aus dem Erlös des Pfarrfestes, das kürzlich stattfand, und aus weiteren Spenden bestritten.

Besondere Beachtung bei Kunstfreunden finden immer wieder die Kirchenbänke. Die barocken Bänke in den Seitenschiffen haben hohen künstlerischen Wert. Die wesentlich jüngeren Bänke im Mittelschiff haben auffallend schön geschnitzte „Köpfe”.

Von ursprünglich 40 „Köpfen” waren inzwischen nur noch 23 vorhanden. Die 17 neu angeschafften Schnitzereien wurden gesponsert. Die Bankreihen bilden jetzt wieder ein einheitliches, schönes Bild.