Düren/Jülich: Jülicher Sportplatzüberfall: Angeklagte schweigen

Düren/Jülich : Jülicher Sportplatzüberfall: Angeklagte schweigen

„Sie haben eben geredet, jetzt bin ich dran.“ So regelt man das für gewöhnlich unter Erwachsenen, wenn man sich Gehör verschaffen will. Ungewöhnlich wird die Ansage, wenn der Mahner der Zeuge vor Gericht und der Ermahnte der nachfragende Staatsanwalt ist. So geschehen vor dem Dürener Jugendschöffengericht.

Da verantworten sich seit Montag drei Deutsche türkischer Abstammung wegen des Überfalls auf ein Fußballspiel in Jülich im November 2016. Damals hatten rund 20 Männer aus dem Dürener Raum Spieler und Zuschauer der Partie Grün-Weiß Welldorf-Güsten gegen Sportfreunde Düren im Rahmen einer vermeintlichen Racheaktion attackiert. Im Mai wurden sieben Männer vor dem Landgericht Aachen zu Freiheitsstrafen verurteilt, vier davon zur Bewährung. Ein Mann wurde freigesprochen.

Auch damals war der Prozess von ungewöhnlichen Aussagen begleitet. Das fand am Montag seine Fortsetzung. Diesmal klagt die Staatsanwaltschaft Aachen die drei Männer zwischen 20 und 22 Jahren wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung an. Die drei Angeklagten schwiegen am Montag, auch angesichts der Videos, auf denen ihre Beteiligung mutmaßlich stichhaltig erkennbar ist.

Die Verhandlung wurde auf den 26. März vertagt. Dann kommt sie vermutlich zu einem schnellen Ende. Richter Maik Schwanewilm erklärte schon am Montag, die Beweisaufnahme abschließen und zu einem Urteil kommen zu wollen. Dem widersprach Staatsanwalt Guido Schreiner, der weitere Beweisanträge ankündigte und so die Vertagung erreichte.

Die Beweisaufnahme dauerte nicht lange, da das Schöffengericht die Verurteilten aus dem ersten Prozess als Zeugen geladen hatte, ohne zu berücksichtigen, dass die Urteile bis auf einen Fall wegen laufender Revisionen noch nicht rechtskräftig sind. Deswegen hatten die Zeugen das Recht, zuschweigen. Und davon machten sie Gebrauch. Bis auf einen, dessen Urteil auf Bewährung dingfest ist und der deswegen aussagen musste. Er bekräftigte, die aktuell Angeklagten kaum oder gar nicht zu kennen und sie nicht beim Überfall gesehen zu haben. Auf eine Nachfrage von Staatsanwalt Schreiner reagierte er dann nach dem Motto „jetzt rede ich“, und unterstellte ihm, versucht zu haben, ihn in „eine andere Sache reinzuziehen“.

„Ich prügel mich täglich“

Und er begründete, warum er sich an die meisten anderen Angreifer nicht erinnere. „Für mich ist das Alltag. Ich prügel mich täglich.“ Deswegen, und weil der Vorfall „schon zwei Jahre her ist“, könne er sich nicht mehr genau erinnern. Richter Schwanewilm wertete diese Aussage als wenig glaubhaft.

Gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzung kann mit bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft werden. Mit einer solchen Höhe ist jetzt nicht zu rechnen. Die höchste Strafe, die das Landgericht im Mai verhängt hatte, betrug drei Jahre und drei Monate Haft. Wie bei der Beweisaufnahme zu sehen war, waren die drei Angeklagten mutmaßlich an dem Überfall beteiligt und prügelten in unterschiedliche Schwere auf ihre Opfer ein. Allerdings benutzen sie keine Schlagwerkzeuge; so wie der Angreifer, der zu drei Jahren und drei Monaten verurteilt worden war.

Rechtskräftig verurteilt sind bisher zwei Angreifer. Fünf haben nach dem Urteil im Mai Revision eingelegt. Nach wie vor ermittelt die Staatsanwaltschaft noch wenigstens gegen zwei weitere Angreifer. Vermutlich wird der zweite Prozess also nicht der letzte sein.

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