Kreis Düren: Jobmesse „Zeitarbeit”: Arbeitsplatz aus zweiter Hand

Kreis Düren : Jobmesse „Zeitarbeit”: Arbeitsplatz aus zweiter Hand

Der Wunsch des Anrufers war konkret. Präzise Zeitvorstellungen hatte der Mann auch: „Ich brauche drei Fahrer. Bis heute Mittag, 12 Uhr. Sonst bin ich den Auftrag los.”

Dieses Beispiel aus dem Alltag fällt Stefan Grießhaber von der job-com des Kreises Düren ein, wenn er aus der Zusammenarbeit mit Zeitarbeitsfirmen berichtet. Es ist eines von vielen.

Im vergangenen Jahr vermittelten Grießhaber und seine Kollegen 3005 Menschen in eine Arbeitsstelle, davon 360 in einen zeitlich befristeten Job, immerhin zwölf Prozent. Es ist ein wachsender Markt. Im Kreis Düren, so schätzt Stefan Köhnen, Leiter des Arbeitgeber-Service bei der Agentur für Arbeit in Düren, sind derzeit mehr als 50 Personaldienstleister bekannt, davon zirka 30 aktiv.

Diesem Sektor der Arbeitsvermittlung galt am Dienstag die ganze Aufmerksamkeit in zwei Sitzungssälen und im Foyer des Kreishauses. Die Agentur für Arbeit und job-com hatten gemeinsam zur dritten Jobmesse mit dem Schwerpunkt Zeitarbeit eingeladen.

Von den 32 eingeladenen Firmen waren 23 vertreten, sieben mehr als bei der letzten Börse. Und die Resonanz war prächtig. Schon beim Rundgang am Morgen, den Rolf Sackers, Leiter der Agentur für Arbeit, zusammen mit Landrat Wolfgang Spelthahn unternahm, drängten sich zahlreiche Besucher im Kreishaus und vor den Informationsständen. Die Gäste - das war ersichtlich - kamen nicnt zum Zeitvertreib, sondern hatten ein konkretes Anliegen: Sie suchten Arbeit.

Mit diesem Begehren waren sie am Dienstag im Kreishaus richtig. Bereits im Vorfeld der Jobmesse hatten die Agentur für Arbeit und die job-com jeweils 400 ihrer Klienten zu Informationsveranstaltungen verpflichtet. Dort wurde über die Möglichkeiten der Zeitarbeit aufgeklärt, die von den Veranstaltern als reale Chance auf dem Weg in eine zunächst befristete Tätigkeit, aber auch in ein festes Anstellungsverhältnis gesehen wird.

Die Zahlen sprechen für sich: Die Agentur für Arbeit berichtet, dass im ersten Quartal 2007 etwa 30 Prozent der neuen Beschäftigungsverhältnisse über Zeitarbeitsfirmen abgeschlossen wurden. Von den rund 70.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmern im Kreis Düren im Jahr 2007 waren 2008 Personen bei Zeitarbeitsfirmen in Lohn und Brot. In der Arbeitsverwaltung weiß man auch, dass etwa 30 Prozent dieser Jobs in dauerhafte Beschäftigungen münden.

Aus diesem Grund hält man vielfach gehörte Kritik an diesem Umweg in den Arbeitsmarkt für müßig. Der Erfolg spreche für sich, war am Dienstag zu hören.

Was bei manchen Teilnehmern der Messe nicht den Blick auf gewisse Probleme verstellte. Die IG Metall, im Kreishaus mit Info-Stand und Personal vertreten, sieht Leiharbeit ebenfalls als Chance, sagt aber gleichzeitig: „Aufgepasst!” Denn nach den Erfahrungen der Gewerkschafter gibt es mit nicht wenigen Firmen Probleme bei der korrekten Eingruppierung von Mitarbeitern.

Lohnfortzahlung für die Zeit, wenn Folgeaufträge fehlen, sei gleichfalls ein häufiges Streitthema. Und gegenüber klassischen Arbeitsverhältnissen komme es öfter zu arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen, sagt die Gewerkschaft, die Leiharbeit für den zweitbesten Weg in den Beruf hält.

Einen kritischen Ansatz verfolgt auch die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU. Der Kreisverband, der am 31. März, 19 Uhr, im Dürener Post-Hotel zusammentrifft, diskutiert dort über das Thema „Zeitarbeit - Fluch oder Segen für den Arbeitsmarkt?”. Das Eröffnungsreferat hält Stefan Grießhaber, Leiter der Personalvermittlung bei der job-com. Danach spricht die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann. Die Juristin wird von ihrer Partei als Arbeitsmarktexpertin angekündigt.

Für den Mit-Vorsitzenden Rolf Delhougne ist die Leiharbeit „ein legitimer Weg der Arbeitsvermittlung”, der beiden nutze: den Arbeitnehmern und den Unternehmern. Wenn alles korrekt läuft.

Eine ganze Reihe von Personaldienstleistern, die am Dienstag ihre Arbeit vorstellten, haben sich auf bestimmte Berufsgruppen spezialisiert. Doch klassische Betätigungsfelder für Leiharbeiter sind die Metall- und Papierindustrie, das Handwerk, Logistik-Unternehmen wie Speditionen, die Kfz- und die Lebensmittelbranche.

Das Prinzip ist einfach: Die Arbeitszeitfirma schließt Verträge mit Arbeitnehmern und vermittelt sie zu sondertariflich vereinbarten Konditionen. Der Preis für diesen Service ist Verhandlungssache zwischen Dienstleister und Partner-Unternehmen und wird im übrigen vom Wettbewerb bestimmt.