Berlin: Jeder vierte Autofahrer ist schon einmal am Steuer eingeschlafen

Berlin : Jeder vierte Autofahrer ist schon einmal am Steuer eingeschlafen

26 Prozent der befragten Autofahrer sind laut einer TNS-Emnid-Umfrage mindestens schon einmal am Steuer eingeschlafen, und was sie gegen den Sekundenschlaf unternehmen, ist vielfach falsch.

Dabei sind vielen die Anzeichen von Müdigkeit am Steuer hinreichend bekannt oder schon begegnet: 41 Prozent müssen häufig gähnen, 40 Prozent oft blinzeln, da die Augen anfangen zu brennen, und 24 Prozent können sich schwer auf die Straße konzentrieren, da die Gedanken abschweifen.

Trotzdem überschätzen immer noch viele ihre Fähigkeiten, warnen Fachleute des Deutschen Verkehrssicherheitrats (DVR). 45 Prozent der Befragten glauben, Müdigkeit durch ihre Erfahrung ausgleichen zu können, und 43 Prozent der Befragten sind überzeugt, den Zeitpunkt des Einschlafens sicher vorhersehen zu können.

Zusätzlich setzen die meisten bei akuter Müdigkeit auf die falschen Maßnahmen: 60 Prozent der Befragten lassen frische Luft durch das offene Fenster rein, 38 Prozent trinken koffeinhaltige Getränke und 30 Prozent drehen die Musik lauter, um ihre Müdigkeit zu besiegen. „Doch weder durch langjährige Erfahrung noch durch derartige Tricks kann akute Müdigkeit hinter dem Steuer langfristig überwunden werden“, geben die Fachleute zu bedenken.

Darüber hinaus fährt ein Teil der Befragten regelmäßig nachts. Elf Prozent der Befragten sind mehrmals pro Monat und sechs Prozent mehrmals pro Woche während ihrer üblichen Schlafenszeiten unterwegs. Mitten in der Nacht beziehungsweise in den frühen Morgenstunden ist jedoch die Einschlafneigung hinter dem Steuer und damit die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten eines Sekundenschlafes besonders hoch: „Wer kurz einnickt, legt binnen drei Sekunden bei einer Geschwindigkeit von Tempo 100 über 80 Meter im Blindflug zurück. In dieser kurzen Zeit können ein schwerer Unfall verursacht und Menschenleben gefährdet werden“, so DVR-Geschäftsführerin Ute Hammer.

Eine solche Verschiebung des Schlaf-Wach-Rhythmus sollte mit Bedacht erfolgen und von ausreichend Schlaf vor einer Fahrt begleitet werden. Alle, die trotzdem müde werden, sollten eine Pause einlegen, auf einem Parkplatz zehn bis 20 Minuten schlafen oder den Kreislauf durch Bewegung in Schwung zu bringen. „Wer möchte, kann vor dem Kurzschlaf noch einen Kaffee trinken. Das darin enthaltene Koffein wirkt erst nach 30 Minuten, hindert daher nicht beim Einschlafen, erleichtert aber das Wachwerden und verstärkt so den Erfrischungseffekt“, rät Hans-Günter Weeß von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM).

Befragt wurden im Oktober 2016 insgesamt über 1000 Autofahrerinnen und Autofahrer über 18 Jahre, repräsentativ nach Alter, Geschlecht, Region und Bildungsabschluss verteilt. Die Umfrage erfolgte im Auftrag des DVR mit Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) in Berlin.

(amv)