Ist „Papa” nicht da, geht das Geschnatter los

Ist „Papa” nicht da, geht das Geschnatter los

Kreis Heinsberg. Jeden Morgen um 6 Uhr wird Josef „Jupp” Heinen von freudigem Geschnatter begrüßt. Der 54-Jährige tritt seit 13 Jahren in aller Frühe seinen Dienst in der Kiesgrube Davids in Geilenkirchen an und wird hier bereits sehnsüchtig erwartet.

In der Kieswäscherei ist seine „Ersatzfamilie” zu Hause, und für die hält „Jupp” nach Eintreffen schon einige Leckerbissen bereit.

Die Brotstücke und das Futter werden dem Radladerfahrer sofort aus der Hand „weggeschnappt”.

Die Schnäbel, die sich in seiner ausgestreckten Hand zu schaffen machen, gehören zu sechs rund zwei Monate alten Wildenten. Und fünf von den schnatternden Geschöpfen hat Josef Heinen seit der dritten Woche großgezogen.

„Clementine”, Nummer 6, kam später hinzu. Sie nutzt seitdem zu den Fütterungszeiten die „Infrastruktur” der Kiesgrube.

Hier auf und um den Klärteich haben die gefiederten Freunde von Jupp ihre Heimat gefunden. Die ständig vorfahrenden Kieslaster stören das junge Federvieh überhaupt nicht, und bisher ist auch noch keine der Enten einem Fahrzeug zum Opfer gefallen.

Die beiden Erpel, die drei Weibchen und Essensgast „Clementine” leben mit den Lastwagen und wissen ihnen auszuweichen. Erst Mitte August schlüpften die „Spätzünder”. Ihre Entenmutter hatte irgendwo auf dem weitläufigen Gelände der Kieswäscherei ihr Nest gebaut.

Nach etwa drei Wochen tauchte die Entenmama nicht mehr auf, vermutlich ist sie irgendwie ums Leben gekommen. Jetzt waren die fünf Küken alleine ihrem Schicksal überlassen.

Hilfe fand das Quintett bei Josef Heinen, der sich von nun an als Enten-Ersatzmutter betätigte. Alle fünf wuchsen heran und wurden täglich von Jupp und den Lkw-Fahrern mit Schmackhaftem verwöhnt. „Seitdem ich die Enten füttere, habe ich mächtig abgenommen”, schmunzelt Josef Heinen.

Im Gegensatz zu ihm nahmen die fünf noch recht tollpatschigen „Schnatterer” täglich an Gewicht zu. Jeden Tag folgt die lustige Entenschar dem riesigen Radlader mit seinen fast zwei Meter Durchmesser-Rädern auf „Schritt und Tritt”.

Die Tiere sind schlau und haben sich dem Arbeitsrhythmus des Radladerfahrers exakt angepasst. Beim Beladen der anfahrenden Lkw und Langsamfahrten sind die Enten immer in Josef Heinens Nähe.

Wenn der 54-Jährige schnell mit dem Radlader davonfährt, wissen die Schnatterer dies richtig zu deuten: Dann muss Heinen eine weitere Strecke zurücklegen und Verfolgung ist zwecklos. Also bleiben die Enten am Wasser.

Natürlich kann sich der Jupp nicht den ganzen Tag ums liebe Federvieh kümmern, denn er muss ja seine Arbeit verrichten. Die fünf Waisen und die hinzugekommene „clevere” Clementine sind aber mittlerweile zu den Lieblingen aller Lkw-Fahrer avanciert, so dass auch die Trucker ihr Scherflein zur Unterhaltung und Fütterung der Tierchen beitragen.

Dank der Hauptmahlzeit täglich um 6 Uhr und mehrerer Zwischenmahlzeiten im Laufe des Tages sind die Enten zwischenzeitlich zu ansehnlicher Größe herangewachsen.

Und wenn sie in Kürze ihre ersten Flugversuche unternehmen, hofft „Ziehvater” Josef Heinen, dass seine handzahme Entenschar dennoch immer mal wieder bei ihm vorbei schaut.