Hückelhoven: „Ist es schwer, immer objektiv zu bleiben?”

Hückelhoven : „Ist es schwer, immer objektiv zu bleiben?”

„Haben Sie schon mal Prominente interviewt”, will Melanie ganz dringend wissen. „Zum Beispiel den Bürgermeister?”, greift Deutsch-Lehrerin Claudia Vieten unterstützend in das Kollektiv-Interview ein.

Die Korrektur der Schülerin folgt sofort: „Nein, interessante Leute, Frau Vieten.” Dabei können doch auch Bürgermeister sehr interessante Menschen sein, sagt Norbert Schuldei als Redakteur unserer Zeitung. Ebenso gelte das im Übrigen für Kommunalpolitik an sich.

Bei seinem Besuch am Gymnasium prasseln die Fragen der 8d nur so auf ihn nieder. „Wie lange sind Sie schon im Geschäft?”, „Wie viel verdienen Sie?” oder „Ist es schwer, bei manchen Artikeln objektiv zu bleiben?” Die 26 Schülerinnen und Schüler haben sich auf das Treffen gut vorbereitet, nehmen kein Blatt vor den Mund, haken kritisch nach.

Das kommt nicht von ungefähr: Seit mehreren Wochen beschäftigt sich die Klasse mit dem Thema Zeitungsjournalismus - theoretisch sowie praktisch. Kinokritiken gehören bereits zu ihrem schreiberischen Repertoire, Berichte über König Fußball und Interviews mit den „Paradiesvögeln” der Schule, die allesamt in einer eigenen Redaktion entstehen, dem in Beschlag genommenen Computerraum.

Korrigiert und bilanziert

Dort wird mehrmals pro Woche formuliert, korrigiert und bilanziert. Fliegender Wechsel: Jetzt müssen die Jugendlichen einmal Stellung beziehen. „Die Klasse findet das schon ganz O.K.”, entgegnet Pascal auf die Frage, ob es denn auch Spaß mache.

„Echt ätzend” allerdings: Während der Klassenfahrt im Juni sind die Nachwuchs-Journalisten von „Chefredakteurin” Vieten dazu angehalten, kräftig Notizen zu machen. „Das ruft keine positiven Reaktionen hervor.”

Bei Clara indes überwiegt die Freude über die Abwechslung vom „normalen” Schulalltag: „Das ist viel interessanter als Wilhelm Tell oder irgendwelche Gedichte.”

Würde den guten alten Schiller wohl wenig erfreuen. Zu hören bekommt die 8d unter anderem, dass der Beruf des Redakteurs heute immer mehr zu tun hat mit dem „Zusammenbauen” der Zeitung am Computer.

Die „Angst” des Berichterstatters vor dem weißen Bildschirm werden die Schüler bald wohl selber kennen lernen, oder auch nicht, wenn sie zum Abschluss des Projektunterrichts ihre eigene Ausgabe entwerfen und drucken - unabhängig und überparteilich, versteht sich.