Hilfarth: Irrtum des Schiris führt zur Neuansetzung

Hilfarth : Irrtum des Schiris führt zur Neuansetzung

Sportrechtlich war das Urteil, das die Spruchkammer des Fußballkreises Heinsberg unter dem Vorsitz von Reinhold Pillich fällen musste, einwandfrei, sportlich aber wenig befriedigend.

Die Kammer verfügte die Neuansetzung des B-Liga-Spiels zwischen Borussia Hückelhoven und Grün-Weiß Schaufenberg, das Schiedsrichter Jörg Hildebrand aus Wegberg in der 83. Minute abgebrochen hatte.

Das Verfahren gegen den Schiedsrichter wegen unerlaubten Spielabbruchs wurde abgetrennt und an den Kreisschiedsrichterausschuss verwiesen. Leidtragende sind die Spieler von Borussia Hückelhoven, die gegen einen dezimierten Gegner einem klaren Sieg zusteuerten und nun noch einmal von vorne beginnen müssen.

Der Unparteiische hatte beim Stand von 4:1 für Hückelhoven den vierten Schaufenberger des Feldes verwiesen. Ehe der Handelfmeter für die Borussen ausgeführt werden konnte, setzte Hildebrand dem Treiben ein Ende.

Er war in der allgemeinen Hektik der irrigen Annahme, mit sieben Spielern dürfe nicht mehr weitergemacht werden. Diesen Irrtum gestand er später ein. GW Schaufenberg legte Einspruch gegen die Spielwertung ein mit dem Ziel einer Neuansetzung.

Kernpunkt für die Entscheidung der Kammer war die Frage, ob der Schiedsrichter den Abbruch nur auf die dezimierte Schaufenberger Mannschaft stützte oder ob er auch bedroht worden war. Eine Zuschauergruppe von fünf bis sechs Leuten, die der Schiedsrichter aber nicht eindeutig einer Mannschaft zuordnen konnte, hatte von außen Hektik in das eigentlich ruhige Derby gebracht.

Einen dieser „ungebetenen Gäste” hatte Hildebrand der Anlage verwiesen. Doch der kam wieder, und das Spiel wurde unterbrochen, bis der Störenfried das Feld endgültig geräumt hatte.

Ruhe kehrte aber nicht mehr ein. Nach dem dritten Platzverweis gegen Schaufenberg hatte Hildebrand Grün-Weiß-Trainer Herbert Jagusch die Möglichkeit eingeräumt, seine Spieler zu beruhigen.

Platzverweis Nummer vier, ein Handspiel auf der Torlinie, führte zu Diskussionen. Der wegen des Handspiels des Feldes verwiesene Walter Neuhs rannte Richtung Schiedsrichter. Hildebrand war völlig irritiert, als ein Teil der Schaufenberger Spieler meinten, mit sieben Leuten dürfe das Spiel nicht fortgesetzt werden.

Nach dem Abbruch sei er von Zuschauern beschimpft und bedroht worden und musste von Hückelhovener Ordnern vom Platz geführt werden.

Angst habe er gehabt wegen der Zuschauer, gab Hildebrand ehrlich zu, von den Spielern habe er sich aber nicht bedroht gefühlt. „Die Schaufenberger Spieler haben mich lediglich irritiert, aber nicht gezielt um den Spielabbruch gebeten; es war meine Schuld, ich hätte nicht abbrechen dürfen”, erklärte der Schiedsrichter.

Borussias Spielführer Rainer Müller meinte, der Schiedsrichter hätte wegen der Dezimierung der Schaufenberger und wegen der Bedrohung abgebrochen. Sein Mitspieler Achim Mühlenberg: „Die Schaufenberger ließen ihm keine andere Wahl als abzubrechen”.

Die Kammer hatte aber keine andere Wahl, als die Neuansetzung zu verfügen. Denn in der Spielordnung heißt es, dass ein Spiel neu anzusetzen ist, wenn der Abbruch aus einem Grund erfolgt, der keinem Verschulden beider Mannschaften zuzuschreiben ist.

Der Schiedsrichter sei einem subjektiven Irrtum unterlegen. Schaufenbergs Vorsitzender Jürgen Schmidt betonte, der Einspruch richte sich nicht gegen Borussia Hückelhoven, sondern gegen Schiedsrichter und Schiedsrichter-Ansetzer. Das Urteil nahm er sofort an. Sein Namensvetter Herbert Schmidt, Vorsitzender von Borussia Hückelhoven, bat sich Bedenkzeit aus.