Städteregion: Integrationskonzept der Städteregion schreibt Leitlinien fest

Städteregion : Integrationskonzept der Städteregion schreibt Leitlinien fest

„Miteinander leben — gemeinsam Zukunft gestalten“ ist das aktuelle Integrationskonzept für die Städteregion überschrieben. Auf 140 Seiten wird darin dargelegt, wie sich das Zusammenleben von Deutschen und Migranten derzeit gestaltet und wo es Handlungsbedarf gibt.

Die Themen sind dieselben, die seit Jahrzehnten genannt werden, wenn über Integration diskutiert wird: Es geht um Bildung und Sprache, Arbeit, Wohnen und gesellschaftliche Teilhabe, aber auch um Kultur und Religion sowie Sicherheit.

Mehr als ein Jahr lang hat das Kommunale Integrationszentrum unter Leitung von Timur Bozkir an der Fortschreibung des alten Konzeptes aus dem Jahr 2009 gearbeitet. Aber nicht im stillen Kämmerlein, sondern in einem breit angelegten Beteiligungsprozess.

Einbezogen waren unter anderem Politik und Verwaltung der Städteregion sowie der zehn Kommunen, Wohlfahrtsverbände, der Arbeitskreis der Integrationsbeiräte, die Bezirksschülervertretung, Migrantenselbstorganisationen und je nach Thema Vertreter weiterer Verbände und Institutionen wie Regiosportbund, Schulen, Hochschulen, Kammern, Gewerkschaften, Polizei sowie Moschee- und Kulturvereine. „Integration geht ja uns alle an“, begründet Timur Bozkir den Ansatz, möglichst alle, die im weitesten Sinne mit Integration zu tun haben, frühzeitig mit ins Boot zu holen.

Wer ist ein Migrant?

Die Idee dahinter: Wer an der Entwicklung des Konzeptes beteiligt ist, fühlt sich auch eher für dessen Umsetzung mitverantwortlich. Außerdem, so Bozkir, habe man so von vornherein verschiedene Perspektiven berücksichtigen und von den Erfahrungen vor Ort profitieren können. Zumal Aachen, Baesweiler und Eschweiler bereits eigene Integrationskonzepte haben, die derzeit ebenfalls überarbeitet werden.

Auch wer sich noch nicht so intensiv mit dem Thema Integration beschäftigt hat, findet in dem aktuellen Werk eine Fülle von Informationen. Etwa zu der Frage, wer eigentlich ein Migrant bzw. ein „Mensch mit Migrationshintergrund“ ist, oder dazu, wie der Begriff „Integration“ zu verstehen ist. „Die Begriffsklärung ist wichtig, damit jeder weiß, worüber wir sprechen“, sagt Bozkir.

Bis vor einigen Jahren habe man meist nur die Nationalität als Unterscheidungsmerkmal genommen. Doch wichtiger als die Nationalität sei in vielen Fällen — etwa bei der Beurteilung von Bildungschancen —, ob jemand einen Migrationshintergrund habe. Sei es, dass er als Kind nicht-deutscher Eltern in Deutschland geboren oder aufgewachsen ist oder ein nicht-deutsches Elternteil hat.

So hat in der Städteregion jeder vierte Einwohner einen Migrationshintergrund, aber nur jeder Achte ist Nichtdeutscher. Hinzu kommt laut Bozkir, dass es „den Migranten“ genau so wenig gibt wie „den Deutschen“. In beiden Gruppen gebe es Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensauffassungen, Werten, Wünschen und Zielen. „Man muss also immer genau sagen, wen man mit welcher Maßnahme erreichen will.“

Was ist Integration?

Und man muss definieren, wie der Begriff „Integration“ zu verstehen ist. Das ist angesichts der Flüchtlingssituation seit zwei, drei Jahren ein mitunter heiß diskutiertes Thema. Geht es darum, dass sich Zuwanderer „uns“ anpassen müssen? Aber wessen Normen, wessen Wertekanon ist dann mit „uns“ gemeint? Dass Zuwanderer die deutsche Sprache lernen sollten und das hiesige Rechtssystem akzeptieren müssen, stehe dabei außer Frage, sagt Bozkir.

Aber müssen sie ihre Kultur, ihre Religion, ihre Lebensauffassungen über Bord werfen, um akzeptiert zu werden? Oder erkennt man die Chancen, die in der Unterschiedlichkeit, in der Vielfalt liegen? Spannende Fragen, die im Integrationskonzept eindeutig beantwortet werden: Die Vielfalt bietet Chancen, sie ist aber auch eine Herausforderung — und zwar für alle.

Sieben Handlungsfelder

Dies muss man im Hinterkopf haben, wenn man sich die sieben Handlungsfelder anschaut, die im Integrationskonzept beschrieben sind. Zu jedem Thema — Sprache/Bildung, Arbeit/Weiterbildung, Wohnen/Soziales, Gesundheit/Sport, Ehrenamt, Sicherheit und Kultur/Religion — gibt es einleitend allgemeine Informationen sowie eine Beschreibung der Situation in der Städteregion. Daran anschließend finden sich Leitlinien, die allesamt mit dem Satz „Wir als Region setzen uns dafür ein, dass“ beginnen. Mit „Region“ ist dabei nicht die Verwaltung der Städteregion gemeint, sondern alle Menschen, die an Integration in welcher Form auch immer beteiligt sind.

Eine der zehn Leitlinien im Handlungsfeld „Sprache“ lautet beispielsweise, Mehrsprachigkeit als Ressource anzuerkennen und zu fördern. In einer der sechs Leitlinien im Handlungsfeld „Kultur/Religion“ geht es darum, „kulturelle Verschiedenheit auf Grundlage des Grundgesetzes und eines humanistischen Menschenbildes als Bereicherung“ anzusehen und „das Verbindende ins Zentrum der Aufmerksamkeit“ zu rücken. Und in den Leitlinien zum Handlungsfeld „Sicherheit“ geht es unter anderem darum, dass Behörden „aktiv am Abbau von Ängsten mitwirken“, es geht um bessere Kooperation und um respektvollen Umgang miteinander.

Aus diesen Leitlinien sind Handlungsempfehlungen abgeleitet, die sich an unterschiedliche Akteure wenden. Denn die Umsetzung liegt meist nicht in der Hand der Städteregion selbst, Integration erfolgt in den Kommunen, in Schulen und Vereinen. „Jetzt fängt die Arbeit eigentlich erst an“, sagt Timur Bozkir. „Die Kommunen müssen schauen, was für sie passt, wo sie den größten Handlungsbedarf für sich sehen. Dabei unterstützen wir sie natürlich gerne, soweit wir das können.“

Personell ist das Integrationszentrum mittlerweile mit etwa 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ganz gut aufgestellt, vor allem im Fachbereich „Integration durch Bildung“, den Fattaneh Afkhami leitet. Dessen vielfältige Unterstützungsangebote werden von Lehrerinnen und Lehrern aller Schulformen gerne und sehr rege angenommen.

In der Städteregionsverwaltung ist das Integrationskonzept übrigens mit allen Ämtern abgestimmt worden, betont Timur Bozkir. „Deshalb sind die Leitlinien auch für alle Ämter gültig. Auch das Ausländeramt, das ja schon mal in der öffentlichen Kritik steht, muss nach diesen Leitlinien arbeiten.“