Erkelenz: Ingolf Lück bringt sein Bier selbst mit

Erkelenz : Ingolf Lück bringt sein Bier selbst mit

Christian Pape bekommt anscheinend gerne Besuch. Dass er dafür auf die Bühne steigt und gleich eine Show daraus macht, freut vor allem das Publikum. Auch bei der zweiten Auflage von „Pape kriegt Besuch” war die Stadthalle wieder bis auf den letzten Platz besetzt.

Denn in der gemütlichen Wohnzimmerecke nahm diesmal ein „großer Alter” der Comedyszene Platz: Ingolf Lück. Dem Publikum ist Lück seit den 80er-Jahren bekannt. Sein Gesicht hat sich eingeprägt. Durch die WDR-Musiksendung „Formel eins” und jahrelang als Ancorman der „Wochenshow” ist Lück bekannt. Der Schauspieler führt aber auch Regie und inszeniert Bühnenstücke.

Auf Papes Sofa konnten ihn die Zuschauer von seiner persönlichen Seite kennen lernen. Die erste halbe Stunde gehörte aber dem Gastgeber. Zusammen mit Bernd Bimmermann als kleinste Bigband der Welt und seiner angebeteten Assistentin „Mandy” präsentierte Pape einen Ausritt in die große kleine Welt von Erkelenz. Dass er dabei etwa 14 Mal zu oft ein von Kopfnicken begleitetes „Stimmt„s, Peter?” in die erste Reihe zum Bürgermeister schickte, sei verziehen. Denn sonst stimmte alles.

Gemeinsam mit den „Gospel Girls Gerderhahn”, ehemals „Gospel Girls Grambusch” präsentierte er den alten Karnevalshit „Das Alte Rathaus”. In den 70er-Jahren wurde es von Heinz Forg gesungen, der gemeinsam mit dem Texter Theo Kallentin im Publikum saß. Im Original werden die Rathausarkaden jedoch nicht zum öffentlichen Pissoire umfunktioniert. Über seine Idee, im Alten Rathaus Ü30- und 99-Cent-Partys zu veranstalten, könnte man ja nachdenken, wenn es im Haushalt eng wird.

Ansonsten gab es durchaus wichtige Tipps. Zum Beispiel, dass gesunde Ernährung durchaus lecker sein kann, wenn man das Gemüse durch Fritten und Mayo ersetzt. Gekonnt war seine gesungene Hommage an die Schwiegermutter auf die Melodie eines herzzerreißenden Werbespots.

Dann kam Lück. Der spielte auf den geringen Bierbestand bei der Premiere mit Mirja Boes an und hatte eine Flasche Kölsch dabei, trank selber aber lieber Wasser. Und bissig präsentierte sich der 51-jährige. „Wenn ich groß im Geschäft wäre , müsste ich ja nicht in Erkelenz auftreten”, unterbrach er die entsprechende Aufwärmfrage Papes. Dann erfuhren die Zuschauer aber doch Persönliches. Zum Beispiel dass der gebürtige Bielefelder mit 15 eine Heidelbeerjoghurt-Diät gemacht hat, weil er zu dick war und noch heute über Fettabsaugung nachdenkt.

Heute besitzt der zweifache Vater übrigens auch einen Fahrradverleih auf Langeroog, obwohl er nicht gerne mit dem Rad unterwegs ist. Dann wurde gemeinsam darüber spekuliert, ob es den Ort Bielefeld tatsächlich gibt, in dem ja bekanntlich Elvis, Jim Morrison und neuerdings auch Michael Jackson leben. Auch erfuhren die Zuschauer, dass weibliche Meerschweinchen Samendepots im Körper anlegen können, um jederzeit schwanger zu werden, während die Männchen im Käfig nebenan quasi Amok laufen.

Da das streckenweise nicht so ergiebig war, kümmerte sich Pape auch gerne um „Mandy” oder ließ seine Kommentare in Richtung Bimmermann und Bürgermeister ab. Natürlich bekam Lück auf die Möglichkeit, sich dem Publikum mit Auszügen aus seinem Stück „One Way Man” auch solo zu präsentieren. Dabei beschrieb er zum Beispiel das Gefühl, wie es ist, „wenn man die Hand voller Assen hat, die ganze Welt aber Schach spielt”.

Die spontane Mischung aus Show und Talk kommt beim Publikum jedenfalls gut an. „Das Schöne ist, dass man nicht weiß, was einen erwartet”, betonte Bürgerfunker Jürgen Böhme und brachte den Reiz der Veranstaltung auf den Punkt. Am 3. März 2010 geht´s weiter. Dann bekommt Pape Besuch von Uwe Lyko, besser bekannt als Herbert Knebel. Auf der Couch lernt das Publikum dann den Mann hinter der Kunstfigur aus dem Ruhrpott kennen.