Städteregion: Industriekreuz Weisweiler und Güterzentrum Stolberg gehen getrennte Wege

Städteregion : Industriekreuz Weisweiler und Güterzentrum Stolberg gehen getrennte Wege

An den ambitionierten Zielen ändert die Feststellung von Markus Terodde nichts. Gleichwohl kam sie ziemlich unverhofft: „Die ursprüngliche Idee war, dass wir das Industriekreuz Weisweiler-Inden und das Güterverteilzentrum Stolberg miteinander verbinden“, blickte der für Strukturentwicklung zuständige städteregionale Dezernent im Ausschuss für regionale Zusammenarbeit zurück. „Heute wissen wir aber, dass es sich um zwei getrennte Projekte mit zwei getrennten Umsetzungsszenarien handelt.“

Das waren die jüngsten Erkenntnisse, die Terodde in Vertretung von Städteregionsrat Helmut Etschenberg von der Aufsichtsratssitzung der Innovationsregion Rheinisches Revier (IRR) mitgebracht hatte. Und es handelt sich wohl auch um eine der Quintessenzen aus der vom NRW-Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie, zu der in Kürze ein Abschlussbericht veröffentlicht werden wird. Die beiden „Leuchtturmprojekte“ sollen demnach also separat entwickelt werden.

Und möglicherweise auch in einem unterschiedlichen Tempo. „Das hängt ganz von den verantwortlichen Kommunen ab“, antwortete Markus Terodde auf eine entsprechende Frage von Axel Wirtz (CDU) im Ausschuss. Immerhin konnte der Dezernent den stellvertretenden Städteregionsrat beruhigen.

Der befürchtete eine Benachteiligung seiner Heimatstadt Stolberg, wenn die Stadt Eschweiler mit dem Kraftwerksbetreiber RWE allzu eng und damit auf Kosten von Stolberg kooperieren werde. „Da wir von einer integrierten Entwicklung Abstand nehmen, wird RWE auch nicht beim Güterverteilzentrum dabei sein.“

Dass es sich bei besagtem Zentrum um ein „wertschöpfendes“ handeln müsse, darauf legte der Stolberger Dieter Wolf großen Wert. „Wir wollen dort Arbeitsplätze schaffen“, erklärte der Christdemokrat. Aus Sicht der städteregionalen Verwaltung müssen dafür aber zunächst die verkehrstechnischen Voraussetzungen geprüft und geschaffen werden.

„Eine der zentralen Fragen lautet, wie dieses Gebiet angebunden ist“, betonte Terodde. Oder noch angebunden werden muss: „Ohne die Realisierung des dritten Bauabschnitts der L 238n und den Anschluss an die Autobahn wird nichts gehen“, ist der Dezernent sicher.

Vergleichbare Probleme sind in Weisweiler nicht zu befürchten, die Infrastruktur ist dank der aktuellen Nutzung sehr gut. Inhaltlicher Schwerpunkt für die Zukunft soll nach Aussage der Städteregion eine gewerblich-industrielle Nutzung sein, die neben einem Gaskraftwerk kleinere und mittlere produzierende Unternehmen umfasst sowie „zukunftsorientierte Forschung“, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen oder dem Forschungszentrum Jülich.

Anrechnen oder nicht?

Hinter den Kulissen intensiv diskutiert wird offenbar derzeit, inwieweit die frei werdenden Flächen in Weisweiler sowie die zu erschließenden in Stolberg in das gemeinsame Gewerbeflächenmanagement der zehn regionsangehörigen Kommunen einfließen soll bzw. kann. Dieses wird die Städteregion zum 1. August mit Schließung der eigenen Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Agit übertragen. Markus Terodde legt sich bereits fest: „Nach unserer Vorstellung dürfen die Flächen nicht auf den regulären Bedarf angerechnet werden. Sie werden reichen, um den durch den Strukturwandel bedingten Bedarf zu decken. Mehr aber nicht.“

Will heißen: Der erst vor wenigen Monaten ermittelte Mangel an nutzbaren Gewerbeflächen wird sich weder durch die Entwicklung eines Industriekreuzes auf und neben dem RWE-Gelände in Weisweiler noch durch den Aufbau eines Logistikzentrums am Stolberger Hauptbahnhof beheben lassen. Obwohl es sich in der Summe um nicht weniger als 237 Hektar Flächenpotenzial handelt.

Defizit in acht Kommunen

An der Tatsache, dass in acht der zehn regionsangehörigen Kommunen — die Ausnahmen bilden Alsdorf und Eschweiler — der bis zum Jahr 2035 prognostizierte Bedarf an Gewerbeflächen nicht mit den derzeit vorhandenen Reserven gedeckt werden kann, wird sich demnach durch die beiden „Leuchtturmprojekte“ des Strukturwandels nichts ändern. Die Lücke zwischen dem in der Summe für die Städteregion prognostizierten Bedarf von 503 Hektar und den vorhandenen Reserveflächen von nur 425 Hektar muss demnach anderweitig geschlossen werden.

Was die „Leuchttürme“ angeht, kündigt Markus Terodde die baldige Veröffentlichung der Machbarkeitsstudie an. „Die Abstimmungsgespräche mit den Prozesspartnern laufen“, berichtet der Dezernent und verweist auf die Chance, die sich aus dem vom Bund aufgelegten Programm „Unternehmen Revier“ zur Unterstützung der im Strukturwandel stehenden Braunkohleregionen ergibt. Vier Millionen Euro will das Wirtschaftsministerium jährlich zur Verfügung stellen. Und für Markus Terodde steht fest: „Wir müssen jetzt Gas geben und die Projekte so entwickeln, dass wir für sie auch Fördermittel aus diesem Topf erhalten.“

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