Hückelhoven: In 30 Jahren mehr als 1400 Uhren gesammelt

Hückelhoven : In 30 Jahren mehr als 1400 Uhren gesammelt

Bei 1400 hat er aufgehört zu zählen. Wie viele Uhren ihr vor zwei Jahren verstorbener Mann da im Laufe von rund 30 Jahren mit Leidenschaft gesammelt hat, das weiß Angela Schmitz nicht wirklich. „Auf alle Fälle war der Raum im Keller vollgestellt und vollgehängt mit Uhren”, sagt sie.

Zeitmesser jeder Art sind in der Sammlung des Helmut Schmitz zu finden: Armbanduhren natürlich, Taschenuhren selbstverständlich, aber auch Stechuhren, Kaminuhren, Ringuhren, Wandarmbanduhren, Stempeluhren, Bahnhofsuhren, Kuckucksuhren oder Pendeluhren - er hat sich für jedwede Art von Zeitmessgerät, das ihm in die Finger kam, interessiert.

Ja, die Zeit ist ein Phänomen, das die Menschen schon seit „Urzeiten” beschäftigt. Philosophen sowieso - „Die Zeit ist nicht etwas, was für sich selbst bestünde. Die Zeit ist lediglich eine subjektive Bedingung unserer menschlichen Anschauung” zum Beispiel hat Immanuel Kant in der „Kritik der reinen Vernunft” postuliert - und Naturwissenschaftler - die Zeit wird durch die Verteilung der Massen und Energien in ihr gekrümmt, wenn man Albert Einstein und dessen Relativitätstheorie folgt - natürlich auch. Aber war der Uhrensammler Helmut Schmitz auch von der Zeit fasziniert, war das sein Antrieb, Messgeräte für die Zeit anzuhäufen?

„Ich glaube nicht”, sagt seine Frau Angela. „Es war wohl eher der Sammeltrieb, dem er folgte.” Die mindestens 1400 Uhren („Es sind ganz sicher sehr viel mehr”, glaubt Angela Schmitz) waren in einem 27 Quadratmeter kleinem Kellerraum gehortet. Sie hingen an der Wand, standen auf Tischen und Konsolen oder tickten in Regalen vor sich hin. „Die waren alle funktionstüchtig und wurden auch regelmäßig gewartet, gestellt, gesäubert, geschraubt oder gedreht. Mein Mann war jeden Abend im Keller und fummelte an den Uhren rum”, sagt die Frau des Sammlers.

Was ihr manchmal peinlich war: „Wir hatten einmal vom Familienbildungswerk zwei Ehepaare aus Wildau zu Gast. Die haben wir im Keller einquartiert. Einer der beiden Männer kam nach ein paar Stunden hoch. Das sei ja nicht zum Aushalten, das Geticke, das mache ihn noch bekloppt, dabei könne doch kein Mensch schlafen.” Aber sie hat ihn gewähren lassen, hat weiter zugeguckt, wie er immer mehr Uhren anschleppte. „Was ich nach seinem Tod damit mache, wäre ihm egal”, sagt Angela Schmitz. Als sie hinzufügt: „Nur seine Armbanduhr und die Uhr, die er von seinem Arbeitgeber zum Jubiläum geschenkt bekommen hat, die soll ich unbedingt aufheben”, hat sie Tränen in den Augen. So schnell heilt die Zeit Wunden wohl doch nicht.

Im Wohnzimmerschrank sind noch immer die Arbeitsgeräte und Ersatzteile, mit denen Helmut Schmitz an den Uhren hantierte, gehortet. Da finden sich Kupplungshebelstifte, Sperrklinkenfedern, Aufzugswellen, Winkelhebel, Winkelhebelfederschrauben, Zeigerstellräder, Kronradkerne, Zugfedern, oder Federhaustrommeln - eben alles, was man so braucht, um Geräte zu warten, mit deren Hilfe man die Zeit irgendwie messen oder einteilen kann.

Ja, die Zeit. Helmut Schmitz hatte zwar jede Menge Instrumente, sie zu messen. Der Zeit auf die Spur kommen wollte er wohl nicht - es wäre ohnehin ein aussichtsloses Unterfangen gewesen. Da haben sich schon größere Geister als der gelernte Betonfacharbeiter abgemüht. Obwohl: Es gibt eine Definition des unfassbaren Phänomens Zeit, dem wohl niemand widersprechen kann: „Zeit ist der Weg der Natur um zu verhindern, dass alles auf einmal passiert”. Wer hat das noch mal so gesagt? Nein, Helmut Schmitz wars nicht - Oder doch?