Im Visier: Schulwege und „Disco-Routen”

Im Visier: Schulwege und „Disco-Routen”

Kreis Heinsberg. 6546 Verkehrsunfälle haben sich im vergangenen Jahr im Kreis ereignet. Dies ist eine Zunahme um gut drei Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Diesen Zahlen konnte Polizeidirektor Günther Hamacher, als er am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Heinsberg die Verkehrsunfalllage 2004 präsentierte, aber gleich eine positive Entwicklung entgegensetzen: Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschäden sank von 1015 um knapp vier Prozent auf 976.

Traurig: Die Zahl der Todesopfer stieg vom historischen Tiefstand elf auf 14; unter ihnen waren alleine sieben junge Erwachsene. Hingegen gingen die Zahlen der Schwerverletzten (von 255 auf 247) und Leichtverletzten (von 1037 auf 1019) zurück.

Betrachtet man die so genannte Häufigkeitszahl (Zahl der Verunglückten je 100000 Einwohner), so liegt der Kreis Heinsberg mit 500 allerdings über dem Durchschnitt in Nordrhein-Westfalen (478).

Kinder

Mit 150 verunglückten Kindern hat der Kreis 2004 seinen niedrigsten Wert verzeichnet; seit 1996 liegen Vergleichszahlen vor (1996: 190, 1999: 203, 2003: 153).

Dies sei zwar erfreulich, stellten Polizeidirektor Hamacher und Landrat Stephan Pusch als Behördenleiter fest. Pusch verwies vor allem auf die gute Präventionsarbeit in Schulen.

Doch Hamacher weiß, dass die Zahl immer noch auf einem hohen Level liegt: Mit der hoch gerechneten Häufigkeitszahl (Zahl der verunglückten Kinder je 100.000 Kinder-Einwohner) liegt der Kreis mit 337 höher als der Landesschnitt (319).

Die Zahl der Schulwegunfälle kletterte im Kreis von 33 auf 37 in die Höhe. Da sei weiter Handlungsbedarf gegeben, monierte Hamacher insbesondere, dass manche Eltern sich selbst im Auto besser sichern würden als ihre mitfahrenden Kinder. Dabei wären schlimme Unfallfolgen im Falle eines Falles oft vermeidbar.

Junge Fahrer

Die Zahl der verunglückten jungen Erwachsenen - ganz offensichtlich als Folge des Projektes „Junge Fahrer” zwischenzeitlich deutlich gesunken auf 244 in 2001 und 247 in 2002 - ist wieder auf früheren Höhen angelangt: mit 281 in 2003 und 279 in 2004.

Der Kreis Heinsberg landet da mit seiner Häufigkeitszahl von 1385 (bei einem NRW-Schnitt von 1142) in einer landesweiten Tabelle aller 49Behörden auf dem alles andere als erfreulichen viertschlechtesten Platz. In dieser Altersgruppe bleibt Geschwindigkeit weiterhin die Unfallursache Nummer 1.

Bei den Senioren hingegen liegt die Zahl der Verunglückten mit 105 (Häufigkeitszahl: 245) leicht unter dem Landesvergleichswert (HFZ: 247).

Weniger Fußgänger (2004: 88 / 2003: 103) und Radfahrer (224/252), konstant viele Kradfahrer (99/99), aber mehr Mofa- und Mopedfahrer (117/110) sind verunglückt.

142-mal war Alkohol die Unfallursache (2003: 153), 462-mal die Geschwindigkeit (2003: 448). Weiter in die Höhe schnellte die Zahl der Unfälle mit Flucht: von 1161 auf 1225. Die Aufklärungsquote sank von 59,4 auf 54,9 Prozent.

Intensiver Überwachungsdruck (möglich dank Verstärkung) hatte beim Projekt „Junge Fahrer” die Unfallzahlen dieser Altersgruppe gesenkt. Längst muss die Polizeiführung wieder mit ihrem normalen Kräfteaufgebot agieren.

Doch mit Blick auf die Zahlen verunglückter Kinder und verunglückter junger Erwachsener erklärte Polizeidirektor Hamacher auf Nachfrage, dass - neben den Kontrollen in der Fläche - Schulwege und „Disco-Routen” weiterhin gezielt überwacht werden sollen.

Am Montagvormittag wurde im gesamten Kreisgebiet überprüft, ob Autofahrer die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten vor allem an Schulen und Kindergärten einhielten.

Bei den Kontrollen fielen insgesamt 80 Autofahrer auf, da sie zu schnell unterwegs waren. Die Folge: 64 Verwarnungsgelder, 14 Ordnungswidrigkeitenanzeigen und zwei Fahrverbote.

In den vergangenen Tagen wurden bei Kontrollen im Kreisgebiet eine Fahrerin unter Alkoholeinfluss in Hückelhoven gestoppt.

Der Betroffenen wurde die Weiterfahrt untersagt und Anzeige erstattet. Weiterhin ist ihr eine Blutprobe entnommen worden. In Erkelenz und Hückelhoven wurde jeweils ein Verkehrsteilnehmer ohne gültige Fahrerlaubnis ertappt.