Im Passivgeschäft ausgesprochen aktiv

Im Passivgeschäft ausgesprochen aktiv

Kreis Heinsberg. Von einer positiven Entwicklung und Zufriedenheit mit den Zahlen des Jahres 2004 sprach Dr.Veit Luxem, Sprecher der Volksbanken und Raiffeisenbanken im Kreis Heinsberg, bei der Bilanz-Pressekonferenz am Freitag im Hückelhovener Hotel „Am Park”.

Die Genossenschaftsbanken hätten 2004 dazu genutzt, ihre anerkannt große Beratungskompetenz weiter auszubauen. „Und wir sind dabei sehr erfolgreich gewesen”, freute sich Luxem über ein „absolutes Boomjahr” im Beratungsbereich.

Diesem Boom bei Lebensversicherungen, Fondssparverträgen und Bausparen habe ein leichter Rückgang bei den Einlagen gegenüber gestanden.

Gefälle im Kreisgebiet

Im Kreditgeschäft setzten die Genossenschaftsbanken nach Angaben ihres Sprechers weiterhin auf nachhaltiges Wachstum. Dass das Wachstum bei den Ausleihungen nur gering ausfalle, liege eindeutig an der Investitionszurückhaltung.

Konstatiert wurde in diesem Zusammenhang eine sehr unterschiedliche Entwicklung bei den einzelnen Banken - mit einem Gefälle im Kreisgebiet. Während im Norden die Investitionsbereitschaft zurückgegangen sei, hätten die Banken im Heinsberg-Geilenkirchener Raum ein Plus bei Krediten verzeichnet.

„Alles in allem ist die addierte Bilanzsumme der zehn Genossenschaftsbanken im Kreis Heinsberg um 1,9 Prozent auf zwei Milliarden Euro zurückgegangen”, berichtete Luxem. „Das von uns betreue Kundenvolumen beträgt nun 3,5 Milliarden Euro.”

Die Banken haben die Kosten im Auge, sprechen über Kooperationen und verhandeln über Fusionen: Während eine solche zwischen Volksbank Erkelenz-Hückelhoven und Volksbank Wegberg perfekt ist, laufen Verhandlungen zwischen Raiffeisenbank Heinsberg und Raiffeisenbank Selfkant.

Die Zahl der Geschäftsstellen ging um vier auf 61 zurück. Die Zahl der Mitarbeiter wurde um 47 reduziert: Zurzeit zählen die Banken 505 Vollzeitmitarbeiter, 117 Teilzeitkräfte und 56 Auszubildende.

Die Förderung ihrer 28.448 Mitglieder sehen die Bankvorstände als zentrale Aufgabe an. Vor allem jüngere Menschen sollen zukünftig für die genossenschaftliche Idee begeistert werden.

„Wir waren im so genannten Passivgeschäft ausgesprochen aktiv und sehr erfolgreich”, freute sich Luxem. Es wird vorgesorgt: Die Zahl der im Jahresverlauf abgeschlossenen Lebensversicherungsverträge (R+V) schnellte auf 3636 mit einer Versicherungssumme von über 87 Millionen Euro in die Höhe.

4521 Schwäbisch-Hall-Bausparverträge mit einer Bausparsumme von fast 134 Millionen Euro wurden in 2004 unterschrieben. Die Erfolge in der Beratung wirken sich positiv auf die Provisionsergebnisse der Banken aus, andererseits finden sich die von den Kunden investierten Gelder nicht mehr nur in den bilanzwirksamen Einlagen wieder. Diese sind um 1,6 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro gesunken - als Teil des betreuten Kundenvolumens in Höhe von 2,0Milliarden Euro auf dieser Seite.

Die Zahl der Wertpapierkonten ist leicht auf 10.653 zurückgegangen. Als „bemerkenswert” bezeichnete Luxem die Entwicklung im Fondsgeschäft. Die Kontenzahl beim Verbundpartner Union Investment sei um fast sieben Prozent auf 31.160 gestiegen.

Im Aktivgeschäft, bei den ausgegebenen Krediten, meldeten die Banken ein leichtes Plus von 0,3 Prozent. Die Gesamtausleihungen beliefen sich zum Jahreswechsel auf 1,243 Milliarden Euro. Auf hohem Niveau habe sich de Nachfrage nach Wohnbaufinanzierungen stabilisiert: Insgesamt wurden 2074 Finanzierungen mit einem Volumen von 140 Millionen Euro abgewickelt.

„Klartext”

„Klartext” sprach Luxem mit Blick auf das Kreditgeschäft: „Es gibt keine Kreditklemme!” Vielmehr bewege sich die Bereitschaft des Mittelstandes auch im Kreis Heinsberg, unternehmerische Risiken einzugehen und zu investieren, derzeit auf niedrigstem Niveau. Anders sei auch der Rückgang der Förderanträge an die öffentliche Hand nicht zu erklären.

„Hier muss ein besseres konjunkturelles Umfeld geschaffen werden”, lautete der Appell an die Politik. „Das Kreditengagement im Mittelstand ist und bleibt unser Kerngeschäft!”

Aber auch gesamtgesellschaftlich fühlen sich die Genossenschaftsbanken verpflichtet: Neben 133.000 Euro aus Zweckertragsmitteln des Gewinnsparens wurden Spenden in Höhe von insgesamt 40.000 Euro geleistet.