Hortensien sind wieder "in"

Hortensien sind wieder "in"

Manche stilisieren ihn zum "schönsten Tag im Leben" hoch, den bevorstehenden Weißen Sonntag, so genannt nach den weißen Gewändern, mit denen in der frühen Kirche die Täuflinge am ersten Sonntag nach Ostern ins Taufwasser hinabstiegen.

Vielleicht ist es im Zusammenhang mit dem Thema dann ketzerisch, wenn man bedauert, dass es im weiteren Leben von Zehn- bis Elfjährigen nichts Schöneres mehr gibt. Auf jeden Fall führt insbesondere bei den Mädchen dieser Tag zu einer bisher ungewohnten Orgie aus Organza, Spitze und Seide. Manche evangelische Freundin möchte ob dieses weißen Traum(a)s am liebsten katholisch werden.

Der Unterschied zu Prinzessinnen aus königlichem Geblüt oder zu Bürgerlichen, die auf Grund ihrer Heirat in den Adelsstand aufsteigen, ist nur, dass die weiblichen Kommunionkinder oben herum etwas mehr haben. Und dann sind die Kirchen an diesem Tag so voll wie sonst nur an Weihnachten oder zu Katastrophenzeiten. Natürlich muss die Freude über die gemeinsame Kommunion (was früher Erstkommunion hieß) auch eine Entsprechung im Essen und Trinken finden. Schließlich gibt es Parallelen zum himmlischen Hochzeitsmahl.

Vor allem die Kalorien- und Cholesterin-bewehrten Kuchen und Torten könnten sogar einen eingefleischten (obwohl "Fleisch" hier unangebracht ist) Asketen um seine guten Vorsätze bringen und wenigstens für einen Tag (wieder) zum Genuss-Menschen machen. Aber was soll diese Spötterei? Der Weiße Sonntag ist ein schönes Familienfest, an dem sich Verwandte versammeln, die sich längst aus den Augen verloren hatten. Und, was heute an frühere Zeiten erinnert: Hortensien als Kommuniongeschenke sind wieder "in".