Heinsberg: Höchstleistungen an Violine und Klavier

Heinsberg : Höchstleistungen an Violine und Klavier

Von Berlin kommt in diesen Tagen wenig Gutes. Dagegen waren Eva Lüdenbach und Nikolaus Resa ein einziger Lichtblick.

Die aus Erkelenz stammende Geigerin und ihr Klavierbegleiter zogen vor allem Besucher aus der Heimatstadt an.

Der Gedanke für dieses Konzert entstand bei einem Glas Rotwein, und Eva Lüdenbach bot diesen Auftritt der Jugendmusikschule an. Der Musiksaal des Gymnasiums erwies sich einmal mehr als ideale Voraussetzung für ein solches Kammerkonzert, und Theo Krings griff zu, schließlich ist die Erkelenzerin ein echtes „Musikschulkind”.

Die 23-jährige begann schon mit sechs Jahren den Unterricht. Seit 1998 studiert sie in Berlin.

Ihr Klavierbegleiter Nikolaus Resa (22) wurde schon mit elf Jahren als Hochbegabter an der Hanns Eisler-Musikhochschule zugelassen. Er entstammt einer Musikerfamilie, die engstens mit den Berliner Philharmonikern verbunden ist. Der Vater ist dort Solobratscher.

Auch Nikolaus Resa studiert noch, spielt aber wie seine Partnerin in verschiedenen Ensembles.

Für das Heinsberger Konzert hatten sich beide olympische Höchstleistungen vorgenommen, in der Reihenfolge ihrer Schwierigkeitsgrade: Beethoven, Mozart, Schubert.

Das zweistündige Programm gingen sie mit guter Kondition, frischem Elan und jugendlichem Ungestüm an, eingedenk dessen, dass man erst einmal über den Berg muss, um die Besteigung zu verinnerlichen.

Was Spengler einmal als das Faustische an der Abendländischen Musik verzeichnete, tritt bei Beethovens berühmt-berüchtigter Kreutzer-Sonate überdeutlich zu Tage. Daran kann man sich nur die Zähne ausbeißen, einverleiben kann man sie sich nie.

Die Auseinandersetzung mit dem Werk wird für jeden zu einem Dauerclinch. Nur 39 Jahre umfassten die drei Werke in ihrer Entstehung und dennoch repräsentierten sie Jahrhunderte.

Über die Kreutzer-Sonate, benannt nach dem französischen Virtuosen Rodolphe Kreutzer, sind ganze Bände geschrieben worden. Ursprünglich war sie dem aus Polen stammenden Georg Birdgetown gewidmet, wobei der Letzterer sie im Entstehungsjahr zweimal zusammen mit Beethoven spielte, Kreutzer nigegen nie.

Packend auch hier die Wirkung dank einer technisch brillanten, leidenschaftlichen Präsentation.

Dagegen nahm sich das Eingangswerk, die e-moll-Sonate des 21-jährigen Mozart als Opus gebändigter Empfindungen aus, wobei zugleich der Dialog zwischen Klavier und Violine betont wird.

Mozart verarbeitet darin Trauer und Enttäuschungen. Die Mutter ist gestorben, Aloysia Weber hat ihm einen Korb gegeben und Paris liegt dem einstigen Wunderkind absolut nicht mehr zu Füßen. Für Interpreten bedeutet das, die Hintergründe abzutasten und umzusetzen.

Das altersgleiche Duo war voller „Mitgefühl”. Was die Schwierigkeiten und Komplexität betrifft, fiel die Schubert-Sonate deutlich ab, sicher aber nicht an Reiz, wird doch hier gerade im Andantino das Melodische betont. Mit einem Wiegenlied von Eugene Ysaye bedankte sich das Duo für den stürmischen Applaust.