Erkelenz: „Hoch” auf Polizisten brachte 50 Mark Strafe ein

Erkelenz : „Hoch” auf Polizisten brachte 50 Mark Strafe ein

„Die Schwalben bleiben aus!” Diese Schlagzeile stellte die Leser des Erkelenzer Kreisblattes im Jahre 1890 vor ein Rätsel. In der Ausgabe vom 30. Mai wurde über dieses seltene Naturereignis berichtet:

„Eine eigentümliche Erscheinung ist von vielen Freunden der Natur bemerkt worden, teilweise sogar das gänzliche Ausbleiben der Hausschwalben.

Der kleine zwitschernde Liebling von Klein und Groß, der so traulich sein Heim an den Wohnungen der Menschen aufschlägt, wird mancherorts in diesem Jahr schmerzlich vermißt. Vollkommen rätselhaft ist dieses je kaum dagewesene höchst seltsame Ereignis in der Naturgeschichte und vergeblich sucht man nach Gründen, dasselbe zu erklären.

Bekanntlich werden in Südfrankreich und in Süditalien die von ihrer afrikanischen Reise heimkehrenden Wanderer, wenn sie in Scharen ermattet am Seegestade sich niederlassen, gefangen, um in die Bratpfanne oder auf Frauenhüte zu wandern, wodurch die Anzahl der Schwalben von Jahr zu Jahr sehr vermindert wird.”

„Hereingefallen”, ist unter dem 24. April 1860 zu lesen: „. . . Heute Morgen schon vor 7 Uhr gelang es einem Industrieritter, den Besitzer einer Eisenwarenhandlung von hier um eine Grabschüppe zu prellen, in dem er, anständig und mit einem Kittel bekleidet, vorgab, beordert zu sein, diese nebst Gartenharke für eine bekannte Familie in Matzerath zu kaufen.

Die nicht vorrätige Gartenharke, welche er am Donnerstag abzuholen versprochen hatte, wird ihm wohl nicht ausgehändigt werden, denn in Matzerath wußte niemand etwas von diesem Strolche.”

In der Ausgabe des Erkelenzer Kreisblattes vom 14. Mai 1890 findet sich erstmals ein aufklärender Aufsatz über die Invaliditäts- und Altersversicherung nach dem Gesetz vom 22. Juni 1889, das mit dem 1. Januar 1891 in Kraft trat.

Demnach waren damals nach diesen Bestimmungen zur Alters- und Invaliditätsversicherung über elf Millionen Versicherungsberechtigte vorhanden.

Sie setzten sich zusammen aus Berechtigten in der Land- und Forstwirtschaft, in Gewerbe, Industrie, Bergbau, Handel und Verkehr, häuslichem Dienst und Lohnarbeit, wechselnder Art, Staats- und Gemeindedienst und aus in Haushalten lebenden Dienstboten.

Dass eine zur falschen Zeit gemachte Ovation Ärger mit sich bringen kann, musste ein Kirmesbesucher im Jahre 1890 in der Nähe von Erkelenz erfahren. Über diesen ungewöhnlichen Vorfall berichtet das Erkelenzer Kreisblatt ausführlich ohne den Ort des Geschehens zu vermelden:

„In einem Ort des Kreises Erkelenz war Kirmes gefeiert worden. In der Nacht zum zweiten Kirmestage waren in einem Restaurant bei einem Tanzvergnügen noch viele Gäste versammelt, welch durchaus noch nicht an den Heimweg dachten, als ein Gendarm in Begleitung eines Polizeidieners und eines Feldhüters die Wirtschaft betraten und Polizeistunde geboten. Man war keineswegs geneigt, dieser Aufforderung sofort nachzukommen; es entstand ein großer Tumult, ein anwesender Gast brachte auf die Beamten ein lautes „Hoch” aus.

Hierin wurde eine Beleidigung derselben erblickt und Strafantrag gestellt, auf Grund dessen das Schöffengericht zu Erkelenz den Mann zu einer Geldstrafe von 50 Mark eventuell 14 Tage Gefängnis verurteilte und dem Beleidigten die Befugnis zur Urteilspublikation zusprach. Die Seitens des Verurteilten hiergegen eingelegte Berufung wurde von der Aachener Strafkammer verworfen.”